Kreis Hildesheim - Im Schritttempo bewegt sich die mächtige Baumaschine zwischen Egenstedt und Groß Düngen über die Bundesstraße. Über die gesamte Fahrbahnbreite verteilt der sogenannte Fertiger hinter sich ganz gleichmäßig heißes Bitumen. Aus dem wird die neue Fahrbahndecke. Drei Walzenfahrzeuge sorgen sofort dafür, dass die Schicht, verdichtet und geglättet wird. Ein weiteres Fahrzeug streut noch großflächig eine dünne Schicht Splitt auf, damit die Fahrzeuge auf der frisch sanierten Straße später nicht ins Rutschen kommen. Die Arbeiten auf diesem Abschnitt der Bundesstraße 243 neigen sich dem Ende zu. Doch die Zeit der Straßensperrungen und Umleitungen nicht. Denn: Die nächsten Bauabschnitte schließen sich nahtlos an und werden sich noch über mehrere Wochen ziehen.
Schwierige Gemengelage
Max Müller, Ingenieur und Fachbereichsleiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, weiß genau, was es für Tausende Menschen bedeutet, wenn seine Kollegen mit ihren großen Maschinen anrücken, Straßen gesperrt werden, Baustellen weiträumig umfahren werden müssen. Wie aktuell auf der B243. Die Bundesstraße ist eine bedeutende Verbindung zwischen dem Südkreis und Hildesheim, an ihr wohnen zudem viele Menschen, liegen Gewerbebetriebe, Supermärkte, Tankstellen. Alle seien von den Arbeiten und deren Folgen betroffen. „Wenn wir eine Straße sperren, freuen sich die Anwohner oftmals über die plötzliche Ruhe vor ihrer Tür. Aber die Geschäfte klagen, dass sie nicht oder nur schwer erreichbar sind. Pendler ärgern sich über Umwege und die Anwohner an den Umwegen über den vielen Verkehr vor ihrer Tür. Die die dortigen Geschäfte aber freuen sich über neue Kundschaft“, schildert Müller die schwierige Gemengelage. Auch müssten Wege für den Öffentlichen Nahverkehr und Rettungsdienste im Bereich der Baustellen gefunden werden. Es gehe darum, tragbare Kompromisse zu finden.
Bereits im Februar habe die Landebehörde mit den schwierigen Abstimmungen begonnen. Müller skizziert, wie viele Auflagen und Gesetze es für die Baumaßnahmen zu berücksichtigen gebe. Dabei gehe es um Umweltschutz, Sicherheit für die Arbeiter, Verkehrsanordnungen und vieles mehr. „Dazu gab es Absprachen mit dem Landkreis als Verkehrsbehörde oder der Stadt Bad Salzdetfurth. Aber auch mehrfach beispielsweise mit der Betreiberin des Supermarktes in Groß Düngen“, schildert Martin Klose, Pressesprecher der Landesbehörde. Ziel sei es immer, die Folgen für die Betroffenen so gering wie möglich zu halten – ohne gehe es aber nicht.
Große Abnutzung
Und ohne Straßensanierungen auch nicht. Zehn bis zwölf Jahre hält eine Fahrbahndecke der Belastung stand. Rund 11 800 Fahrzeuge – davon ungefähr 500 Schwerlastverkehre – rollen täglich im Kreis Hildesheim über die B243. Die nutzten die Fahrbahn entsprechend ab, sagt Klose. Hinzu kämen Hitze und Frost, wechselnde Witterungsverhältnisse, die die Straßendecke forderten. Würde die nicht rechtzeitig erneuert, würde auch der Unterbau Schaden nehmen, warnt der Ingenieur. Dann würden Sanierungen nicht nur teurer, sondern auch umfangreicher und langwieriger.
In der Vergangenheit sei zu wenig an den Straßen gemacht worden, sagt Müller. Das sei heute auch Teil des Problems und ein Grund, weshalb Bauprojekte in einer Region mitunter so eng aufeinanderfolgten oder sich teils sogar überlappten. Ein weiterer Grund sei das Geld. „Wir kennen unsere Straßen genau“, sagt Klose. Entsprechend plane die Behörde Sanierungen. Doch wieviel Geld zur Verfügung stehe und wofür es Zuschüsse vom Land oder Bund gebe, entscheide sich immer erst, wenn die Haushalte verabschiedet würden und das sei einmal im Jahr. Genehmigte Budgets ließen sich auch nicht von einem Projekt ins andere übertragen. „Es geht um eine Menge Steuergelder“, erinnert Klose. Allein die laufende Sanierung der B243 koste rund zwei Millionen Euro. Deshalb hätten zu recht viele Behörden ein Auge darauf, wie die Straßenbaubehörde damit umgehe.
Die Kosten seien auch ein Grund dafür, warum auf den meisten Baustellen nicht 24 Stunden am Tag gearbeitet würden und die Arbeiten damit schneller beendet seien. Das gebe das Budget nicht her. Aber auch der Fachkräftemangel spiele eine große Rolle, erklärt Müller.
So geht es weiter
Und weil es eben immer erst recht kurzfristig klar sei, ob es Geld für eine bestimmte Maßnahme gebe und viele Fragen im Vorfeld zu klären seien, könne die Landesbehörde eben nicht schon ein halbes Jahr vor Beginn die Öffentlichkeit informieren. Dass sich gerade die Anwohner und Pendler aber von den kurz- oder bestenfalls mittelfristigen Ankündigen oftmals überrumpelt fühlten, weiß Müller.
Er bestätigt, dass es nach Abschluss des aktuellen Bauabschnittes bis zum Ortseingang Groß Düngen nahtlos im Ort weitergeht – bis zur bereits sanierten Kreuzung am Abzweig nach Heinde. Die Ortsdurchfahrt werde in dafür in mehrere kleine Bauabschnitte geteilt. Das mache die Arbeiten zwar aufwändiger, aber so könne sicher gestellt werden, dass die Anwohner an ihre Häuser kommen, Tankstelle und Supermarkt erreichbar bleiben. Per Infozettel im Briefksten seien die Anwohner bereits informiert worden, wann und wo im Ort gesperrt würde. Bis voraussichtlich 10. Juli dauerten die innerörtlichen Arbeiten. „Im Anschluss wird der Kurvenbereich vor der Grundschule bearbeitet. Das haben wir extra in die Sommerferien gelegt“, so Klose. Von dort aus bewegen sich Arbeiter und Maschinen in zwei weiteren Bauabschnitten bis zum Wesselner Ortsausgang in Richtung Bünte. Zu Umleitungen und der voraussichtlichen Dauer dieser Arbeiten kann Klose aktuell noch nichs sagen. Fakt ist aber: Da die Kreuzung in Groß Düngen dann nicht mehr erreichbar sein wird, muss die Umleitung noch weiträumiger erfolgen.


