Hildesheim - Der Entwurf für die geplante Wohnmobilanlage am Vier Linden scheint gute Chancen auf Verwirklichung zu haben: Die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und PARTEI hatte zwar im Stadtentwicklungsausschuss große Bedenken wegen der Kosten angemeldet, arbeitet aber derzeit an einem Änderungsantrag, der bis zur Ratssitzung am 26. Juni vorliegen soll. Der Antrag enthält eine wichtige Forderung, an die sie ihre Zustimmung knüpft.
Die Verwaltung hat die Kosten für die Anlage mit 1,6 Millionen Euro angegeben; dagegen lag die vorläufige Kostenschätzung für die Wohnmobilanlage Ende 2020 noch bei 380 000 Euro. Diese Steigerung auf mehr als das Vierfache wollten die Ratspolitiker nicht ohne Weiteres akzeptieren, sie gaben im Stadtentwicklungsausschuss keine Beschlussempfehlung für den Rat. Im Verwaltungsausschuss am Montag wurde der Punkt verschoben, es findet jedoch noch eine Sitzung direkt vor der Ratssitzung statt.
Die Stadt begründet den Kostenanstieg unter anderem mit Ausgaben für den Hochwasserschutz und die Entsorgung belasteter Böden. Außerdem habe sich die Stadt für eine gute technische Ausstattung entschieden, um auch „konsumstarke und komfortorientierte Gäste“ anzuziehen und positive Bewertungen für den Standort zu erreichen, teilt Pressesprecher Helge Miethe mit. Ein guter Wohnmobilstellplatz stärke die Position der Stadt im Tourismussektor und als Wirtschaftsstandort.
Betriebskonzept gefordert
Der Änderungsantrag werde die Aufforderung enthalten, noch einmal nach Einsparpotential zu suchen, sagt Michael Brinkop, finanzpolitischer Sprecher der SPD. Vor allem aber gehe es der Mehrheitsgruppe um die Einforderung eines Betriebskonzeptes. Hier bleibe die Vorlage der Stadt bisher zu ungenau. Auch ein Gespräch der Fraktionen mit Stadtbaurätin Andrea Döring habe diese Vorbehalte nicht ausräumen können.
Zwar könne eine Wohnmobilanlage Wirtschaft und Kultur stärken, sie müsse sich aber auch mindestens selbst tragen, erklärt Brinkop. Die Stadt schätzt die jährlichen Betriebskosten auf mindestens 50 000 Euro, die möglichen Einnahmen aus Stellplatzmiete auf 50 000 bis 150 000 Euro.
Sparen durch Digitalisierung?
Zur Wirtschaftlichkeit könne beitragen, den Betrieb zu digitalisieren, beispielsweise durch Kennzeichenerkennung bei der Einfahrt, sodass für Anmeldungen und Abrechnungen kein Personal eingesetzt werden müsste, meint Brinkop. Eine Einbindung in die Hildesheim-App könne gleichzeitig die Verknüpfung mit den kulturellen Einrichtungen der Stadt ermöglichen und Busverbindungen anzeigen, so Brinkop. In der Präsentation der Stadt heißt es bisher, Planung und Konzept sollten mit einem Betreiber gemeinsam entwickelt werden, wenn dieser gefunden sei. Auch Bezahlsystem und Beschrankung sollen mit dem späteren Betreiber abgestimmt werden.
Volker Spieth, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, möchte den endgültigen Beschluss für den Baustart außerdem gern von den Haushaltsberatungen abhängig machen: „Wir wollen da noch die Hand drauf haben.“ Die Stadt müsse schließlich das neue Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) und weitere Vorhaben bewältigen. Es könne daher notwendig werden, den Baustart für den Wohnmobilstellplatz noch einmal zu verschieben. Den hatte die Stadt ohnehin erst für 2025 vorgesehen.
Eine unklare Detailfrage im Entwurf ist aus Sicht der Grünen die Anzahl der Plätze für übergroße Wohnmobile bis zwölf Meter Länge. Im Text der Vorlage ist von sechs solcher Plätze die Rede, in der Präsentation von vier. Es sei zu prüfen, wie viele überhaupt notwendig seien, so Spieth. Es gehe immerhin um die Versiegelung und Verdichtung des Bodens, aber auch um die Breite der Zufahrt, erklärt sein Fraktionskollege Thomas Kittel.
Ein Angebot für den Hype schaffen
Die CDU-Fraktion will dem Entwurf für die Wohnmobilanlage trotz der hohen Kosten zustimmen: „Mit ein bisschen Bauchschmerzen“, sagt Fraktionsvorsitzender Dennis Münter. Er finde den Standort nicht ideal und die Kosten für eine Anlage ohne Dusche und Toiletten auch sehr hoch. Andererseits sei es ja nicht das erste Mal, dass eine anfängliche Kostenschätzung nach ein paar Jahren „vorne und hinten nicht hinkommt“. Trotzdem stimme er der Planung zu, „zum Wohl der Stadt, und damit es überhaupt weitergeht.“ Denn spätestens seit der Corona-Pandemie sei Urlaub im Wohnmobil ja ein „Hype“. Die Stadt müsse dafür ein Angebot schaffen.
