Energiewende

Positive Resonanz auf Windpark-Pläne in der Gemeinde Giesen

Giesen - Die Info-Veranstaltung zum geplanten Windpark bei Giesen war sehr gut besucht – wer sich meldete, interessierte sich vor allem für die Beteiligungsmöglichkeiten. Wie geht es nun weiter?

Der Blick auf Giesen und den Kaliberg. Links unten die Straße in Richtung Emmerke und Rössing, in deren Umgebung der neue Windpark entstehen könnte. Foto: Chris Gossmann

Giesen - Mit einer Informationsveranstaltung in der Mehrzweckhalle wollte der Giesener CDU-Gemeindeverband eine Lanze für die Windenergie in der Kommune brechen. Doch das scheint gar nicht nötig zu sein. Wer sich von den rund 170 Bürgerinnen und Bürgern am Donnerstagabend zu Wort meldete, begrüßte den noch in den Kinderschuhen steckenden Windpark in der weitläufigen Feldmark vor der eigenen Haustür.

Vielfach wurde der Wunsch geäußert, sich an dem Vorhaben finanziell zu beteiligen. Kritische Stimmen waren – anders als am Dienstag in Schellerten – nicht zu vernehmen, dafür aber die Forderung nach deutlich mehr Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien.

Bald zweite Veranstaltung?

Konkrete Informationen zum geplanten Windpark und einer möglichen Bürgerbeteiligung gab es bei der Auftaktveranstaltung noch nicht, es ging eher um allgemeine Aspekte und um die Ziele der Gemeinde. Laut Bürgermeister Frank Jürges (CDU) ist eine weitere Veranstaltung geplant, sobald neue Details zu dem Vorhaben zwischen Giesen, Emmerke und Rössing bekannt sind.

Aktuell führen die Grundeigentümer Gespräche mit mehreren infrage kommenden Projektierern. Welches Unternehmen das Vorhaben umsetzen soll, steht noch nicht fest. Offen ist außerdem, wie viele Windräder in der Feldmark künftig Strom erzeugen sollen. Auch zu Standorten gibt es noch nichts Konkretes. Jürges rechnet mit einer Dauer von zwei Jahren, bis das Konzept steht.

Der CDU-Gemeindeverband hat sich eine frühzeitige Beteiligung der Bevölkerung auf die Fahnen geschrieben. Die Christdemokraten wünschen sich größtmögliche Akzeptanz und möchten „einen Ausgleich der Interessen aller Beteiligten, also von Bürgern, Grundeigentümern, Investor und Kommune“, erreichen.

Günstige Tarife?

Wie das gelingen soll, skizzierte Ratsherr Harms Bartölke. Neben einem „durchdachten Ausbau der erneuerbaren Energien und einem angemessenen Abstand zur Wohnbebauung“ zielen die Forderungen der Giesener CDU auf wirtschaftliche Vorteile. Auf dem Wunschzettel steht, dass die Gemeinde Giesen Sitz der Windpark-Betreibergesellschaft wird und die Gewerbesteuer in der Kommune bleibt. Die Bürger sollen die Möglichkeit haben, sich finanziell zu beteiligen.

Darüber hinaus sollen die Windparkbetreiber in Kooperation mit einem regionalen Versorger den Bürgerinnen und Bürgern vergünstigte Stromtarife anbieten. Eine weitere Idee ist die Gründung einer Bürgerstiftung, die an den Einnahmen aus dem Windpark beteiligt werden könnte.


Hier sieht das Land Niedersachsen im Kreis Hildesheim Potenzial für Windparks

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Grundeigentümer äußert sich

Doch nicht nur Politik und Verwaltung setzen auf eine Bürgerbeteiligung. Als einer der beteiligten Grundeigentümer unterstrich der Emmerker Martin Telgmann, dass auch die Besitzer der Flächen die Bevölkerung einbinden möchten und gegenüber den Projektierern auf Beteiligungsmöglichkeiten pochen.

Auf welche Weise Bürger und Kommunen von einem Windpark profitieren können, hatte zuvor die Hohenhamelnerin Silke Weyberg vom Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) in einem Fachvortrag herausgestellt und die finanziellen Vorteile für die kommunalen Haushalte mit Zahlen untermauert. Demnach winken für jede erzeugte Kilowattstunde 0,2 Cent für die Gemeindekasse. Bei modernen Anlagen können nach Angaben der Expertin jährlich etwa 20 000 Euro pro Windrad zusammenkommen, die von der Kreisumlage befreit sind.

„Akzeptanz wächst stetig“

Um das neue Ausbauziel der Landesregierung zu erreichen, müssen jährlich durchschnittlich 213 neue Anlagen gebaut werden. 2022 waren es gerade einmal 67. Derzeit sind 0,38 Prozent der Fläche im Landkreis Hildesheim mit Windkraftanlagen bebaut. Bis Ende 2026 muss der Landkreis mindestens 1,27 Prozent seiner Fläche für die Nutzung von Windkraft ausweisen.

In der Bevölkerung ist die Akzeptanz für den Windkraft-Ausbau nach Einschätzung von Silke Weyberg in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. „86 Prozent unterstützen den Ausbau“, so die LEE-Geschäftsführerin unter Verweis auf Umfragen. Auch in der Nachbarschaft von Windrädern steige dieser Wert stetig.

Von Ann-Kathrin Oelkers

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