Sechs Monate

Zur Probe mietfrei im Zentrum wohnen: Hannoveranerin testet das Leben in Hildesheim

Hildesheim - Ausprobieren, wie es ist, in einer anderen Stadt zu leben – ohne sich direkt auf lange Zeit zu binden: Genau das bietet ein neues Angebot der Stadt Hildesheim. Eine Teilnehmerin erzählt, wie der Umzug verlief.

Schlüsselübergabe: Miriam Eckert (links) übergibt Stefanie Wachsmuth (Mitte) im Beisein von Projektbegleiterin Jasmin Gora (Lichtenstein Landschaftsarchitektur & Stadtplanung PartGmbB) die Schlüssel für die Wohnung im Rosenhagen. Foto: Stadt Hildesheim

Hildesheim - Stefanie Wachsmuth hat schon in einigen Städten gelebt. Die 40-jährige Freiberuflerin kommt ursprünglich aus Berlin, wohnte lange Zeit in Kiel, dann in Hamburg, schließlich in Hannover. Dort suchte sie zuletzt eine neue Unterkunft, ein halbes Jahr lang, ohne Erfolg. Hildesheim hatte sie immer als Alternative im Kopf – allerdings geht ihre Tochter noch in Hannover zur Schule, das soll auch so bleiben. Klappt das also mit dem Pendeln, wenn die Neunjährige in Hildesheim lebt? „Ich war da sehr vorsichtig, mir etwas in Hildesheim zu suchen“, erzählt Wachsmuth. „Ich hatte da großen Respekt vor.“

Dann erzählte ihr eine Freundin von einem Projekt, das wie geschaffen für Wachsmuth klang: Probewohnen in Hildesheim. „Eigentlich genau das, was ich suche“, sagt Wachsmuth. Das Projekt läuft über den Rahmenplan „Wohnstandort Innenstadt 2030“; über das Probewohnen erhofft sich die Stadt Einblicke über das Leben in Hildesheim. Insgesamt bewarben sich 21 Personen auf die drei Wohnungen – zwei in der Schuhstraße, eine im Rosenhagen. Die Miete übernimmt ein halbes Jahr lang die Stadt, lediglich die Nebenkosten müssen die Bewohner und Bewohnerinnen selbst zahlen.

Spannender Start in Hildesheim – auch dank der S-Bahn

Wachsmuth bewarb sich im Juli für das Projekt, gemeinsam mit Tochter Anna, die zeitweise bei der Mama, zeitweise beim Papa in Hannover lebt. „Und dann hat es tatsächlich geklappt“, erzählt Wachsmuth. Sie haben die Dreizimmerwohnung im Rosenhagen bekommen. „Für Anna ist das total aufregend und spannend“, sagt Wachsmuth.

Besonders spannend wird es aber an dieser Woche, wenn die Herbstferien enden – und Anna per S-Bahn nach Hannover zur Schule fahren muss. Die Generalprobe lief schonmal einigermaßen schief, wie Wachsmuth erzählt. Zur Schlüsselübergabe kam sie 20 Minuten zu spät, Oberleitungsstörung. Auch in der Wohnung sieht es noch sehr nach Umzug aus, die Tochter ereilte eine Mandelentzündung, sie selbst eine Bronchitis. „Wie es so kommen muss, geht natürlich alles schief“, resümiert Wachsmuth – nimmt es dann aber doch gelassen. Und sieht die Dinge jetzt schon positiv in Hildesheim.

Beruflicher Wechsel von Hannover nach Hildesheim?

In Hannover wohnte sie im Heideviertel, dort ist es verhältnismäßig grün – jetzt habe sie „ein bisschen Highlife in der Hildesheimer Innenstadt“, erreicht die nächsten Einkaufsmöglichkeiten zu Fuß innerhalb weniger Minuten. Ein Pluspunkt, findet sie. Auch für Tochter Anna, die in ihrer Freizeit gern reitet, hat der Umzug auf Probe schon mal einen Vorteil: Der nächste Reithof ist viel näher als in Hannover. Ihr neues Zimmer hat sich die Neunjährige auch schon eingerichtet. Hauptsache: gemütlich. Und mit einer ausziehbaren Couch, damit Freundinnen aus Hannover auch mal zum Übernachten kommen können.

Wachsmuth hofft nun auch in Hildesheim auf Anschluss, ist auch schon mit dem niedersächsischen Landesforsten im Gespräch. Die 40-Jährige arbeitet als Wildnis- und Erlebnispädagogin, bringt Kindern also die Natur auf spielerische Weise näher. Und will sich nun mit der neuen Heimat auf Probe vertraut machen. „Ich bin da ganz offen und neugierig, gerade, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht“, sagt sie. Ob sie sich auch nach den sechs Monaten für Hildesheim entscheidet? „Es wird ganz viel daran hängen, wie zuverlässig die S-Bahn ist“, erklärt sie.

Stadt Hildesheim bietet mehr Infos

Wer mehr über das Projekt und den Rahmenplan „Wohnstandort Innenstadt 2030“ erfahren will, hat dazu am Donnerstag, 7. November, Gelegenheit. Die Stadt veranstaltet jeweils um 17.30 Uhr und um 18.45 Uhr Veranstaltungen mit Präsentationen und anschließenden Diskussionen im Rathaus. Mehr Informationen gibt es hier.

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