Hildesheim - Mit einer sechsstelligen Spende wollen die Hildesheimer Bürger Klaus Behrens und Ute Raber einen Erhalt der historischen Brücke unter der Dammstraße unterstützen. Das haben sie in einer öffentlichen Veranstaltung der CDU zum weiteren Umgang mit dem Bauwerk am Montagabend erklärt.
Er finde die Brücke „faszinierend“, sagte Behrens der HAZ. Der 86-Jährige und seine 79-jährige Partnerin sind bereit, einen Betrag „ab 100 000 Euro“ zur Verfügung zu stellen, um die Brücke auszugraben und auf der Wiese im Dreieck von Johannisstraße und Dammstraße originalgetreu wieder aufzustellen. „Das könnte toll aussehen, wenn es gut gemacht ist“, sagte Behrens.
Klaus Behrens und Ute Raber haben konkrete Vorstellungen
Aus seiner Sicht würden damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen könnte die Dammstraße nach dem Abbau der Brücke in kurzer Zeit wieder für den Autoverkehr freigegeben werden. Zum anderen würde das 850 Jahre alte Bauwerk erhalten bleiben.
Das Paar aus Himmelsthür macht seine Spendenzusage aber ausdrücklich von der genauen Umsetzung seines Vorschlags abhängig: Die Idee, die Brücke freizulegen und an Ort und Stelle zugänglich zu machen, hält Behrens für zu aufwendig: „Das wird nicht funktionieren.“ Auch dem Vorschlag von Ingenieur Jürgen Götz, das Bauwerk zu verfüllen (in der Politik als „Sarkophag“-Lösung bekannt) und damit späteren Generationen die endgültige Entscheidung über den Umgang zu überlassen, kann Behrens nichts abgewinnen: „In 50 Jahren interessiert sich kein Mensch mehr für die Brücke, wenn sie zugeschüttet wird. Im Boden nutzt sie nichts.“
CDU-Bauexperte Jürgen Götz widerspricht Wunsch der Spender
In der CDU-Veranstaltung am Montagabend bekamen Behrens und Raber zwar Beifall von einigen der 80 Teilnehmer. Doch richtig landen konnten sie mit ihrem Vorschlag nicht: Jürgen Götz, der als baupolitischer Sprecher der Christdemokraten und Experte auftrat, widersprach der Idee deutlich: „Wenn wir die Brücke aus dem Boden rausnehmen, ist sie als Denkmal wertlos.“ Zudem würde der Vorschlag mindestens 20 Millionen Euro kosten. Der Sarkophag-Vorschlag wird von der Stadt mit Kosten von 4,4 Millionen Euro taxiert. Götz kritisierte diese Kostenschätzung: „Diese Kalkulation wurde mir nie vorgelegt.“ Auch aus statischer Sicht dürfte der Verbleib der Brücke im Boden kein Problem sein, erklärte der Ingenieur: „Die Brücke hält dem Druck der Straße und des heutigen Verkehrs stand.“ Ausdrücklich rechtfertigte Götz seinen vom Landesamt für Denkmalpflege gestoppten Plan, bei der Baugrunduntersuchung das Fundament der Brücke zu durchbohren: Das sei nötig. Das Landesamt sieht das anders.
In der Diskussion machten mehrere CDU-Vertreter deutlich, dass sie die Dammstraße möglichst schnell wieder für den Verkehr freigegeben haben möchte. Vor allem Konstantin Janzen, Chef der CDU-Ortsratsfraktion, forderte eine schnelle Öffnung der Straße, weil diese als Zugangsstrecke für das Bernward-Krankenhaus von großer Bedeutung sei. Dieses ist spezialisiert auf Schlaganfälle und Herzinfarkt: „ Da zählt jede Sekunde.“
Händler aus der Dammstraße klagen über lange Sperrung
Geschäftsleute aus der Dammstraße zeigten sich in der Debatte verärgert über die andauernde Schließung. So hat Markus Engelke von der gleichnamigen Bäckerei-Kette seine Filiale in der Dammstraße bereits vor zwei Monaten geschlossen. Jetzt hofft er auf eine zügige Freigabe der Straße. Engelke: „Wenn es jetzt schnell geht, dann öffne ich die Filiale wieder.“
Auch Katja Dammann, Inhaberin des seit 70 Jahren in der Dammstraße ansässigen Fahrradhauses, berichtet von erheblichen Problemen: „Eine alte Brücke soll wichtiger sein als Menschen? Wir zahlen Steuern, schaffen Ausbildungsplätze. Aber was hier passiert, geht an unsere Existenz.“
Der Stadtrat will im Juni über den weiteren Umgang mit der Brücke und die damit verbundenen Folgen für den Verkehr entscheiden. CDU-Ratsherr Frank Wodsack forderte Ortsbürgermeister und Ratsherrn Tobias Eckardt (SPD) auf, Überzeugungsarbeit in der Mehrheitsgruppe für eine schnelle Öffnung zu leisten. Eckhardt sagte: „Wir müssen fraktionsübergreifend eine gute Lösung finden.“
Ist die Idee überhaupt zulässig?
Würde die Denkmalpflege den Vorschlag von Klaus Behrens und Ute Raber überhaupt genehmigen? Stadt-Sprecher Helge Miethe sagte auf HAZ-Anfrage, man könne „nicht einfach mal so“ denkmalrechtliche Einschätzungen dazu über die Presse abgeben. Dr. Markus C. Blaich vom Landesamt für Denkmalpflege erklärte, der Vorschlag müsse erst geprüft werden, er sieht aber denkmalrechtliche Vorbehalte. Gleichwohl sei es erfreulich, dass sich Bürger derart engagierten.
von Andreas Mayen und Rainer Breda




