Zwei Meinungen

„Sichere Zone“ in Hildesheim: Eine gute Idee – oder nicht?

Hildesheim - Hildesheim hat sich als Modellkommune beworben, um eine sogenannte „sichere Zone“ zu bekommen, in der Shoppen trotz hoher Inzidenz möglich ist. Ob das ein guter Plan ist, darüber streiten die HAZ-Redakteure Kathi Flau und Norbert Mierzowsky.

Würde eine "sichere Zone" die Hildesheimer Innenstadt mehr beleben? Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Bis zu 25 Kommunen in Niedersachsen sollen „sichere Zonen“ bekommen, in denen Shopping trotz hoher Inzidenzzahlen möglich ist. Auch Hildesheim hat sich als Modellkommune für dieses Projekt beworben. Doch ist das eine gute Idee? HAZ-Redakteurin Kathi Flau und HAZ-Redakteur Norbert Mierzowsky sind sich uneinig.



Contra: Licht aus, Tür zu!

Sichere Zonen, das klingt gut und ist bestimmt auch so gemeint. Die Menschen können wieder einkaufen gehen, sie können im Café einen Kaffee trinken und so weiter. Alles schön, alles fast wieder wie früher, könnte man denken. Doch da machen wir uns was vor. Die Inzidenzen sind hoch, das Virus ist da und echt und gefährlich, und es geht auch dann nicht weg, wenn man sich weigert, daran zu glauben.

Sinnvoll wäre es, wir würden uns hier und jetzt darauf konzentrieren, es so schnell wie möglich so klein wie möglich zu kriegen. Und alles schließen, was man irgendwie schließen kann. Läden, Vereine, Büros. Alles dicht, zu, Ende, Licht aus. Mal so richtig konsequent. Denn wir haben es in dieser Pandemie schon mit vielen Dingen versucht, mit vielen Vorschlägen, vielen Lösungsansätzen, die der eine so umsetzte, der andere so, und der Dritte, ach, lieber gar nicht.


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Geholfen haben die bislang wenig. Konsequenz wäre mal was Neues. Basisarbeit sozusagen. Und wenn die erledigt ist, dann können wir wieder alles ausprobieren, dann können wir kreativ darüber nachdenken, wie wir künftig im Alltag mit dem verbleibenden Restrisiko umgehen. Das uns wahrscheinlich noch eine ganze Weile begleiten wird, durch all die Zonen, die kein Modellversuch der Welt sicher machen kann. Das müssen wir schon selbst tun.

Das Experiment kann helfen

Wenn man wirklich wissen will, wie sich das Coronavirus verbreitet, muss man Experimente wagen. Sonst bleiben nur Spekulationen. Es gab schon Live-Konzerte, Wissenschaftler haben Theaterveranstaltungen untersucht. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann kann der Modellversuch weit mehr leisten, als nur drei Wochen mal besser zu leben, wieder ausgehen zu können, doch nochmal zu shoppen. Das ist die Zuckerseite des Experiments.

Wie die andere Seite aussieht, wissen wir erst hinterher. Ja, das ist ein Risiko. Aber eins, dass kontrollierbar ist. Weil es in Hildesheim Anbieter wie Hil-care gibt, die Massentests ermöglichen und die passende Software für den Alltag bieten, damit Gastronomen und Händler schnell prüfen können, ob ihre Kunden negativ getestet sind. Wenn es stimmt, dass das öffentliche Leben in vielen Kernbereichen kein Infektionstreiber ist, wenn sich die Menschen strikt an die Regeln halten, muss man das auch für die Zukunft, für weitere Pandemieszenarien herausfinden. Und deswegen ist es gut, dass Hildesheim den Mut findet, sich als Versuchslabor daran zu beteiligen. Den Deckel zumachen und abwarten ist keine Lösung.

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