Hildesheim - Mit ein bisschen Erleichterung, aber auch deutlicher Kritik reagieren Hildesheimer Einzelhändler auf die neuen Corona-Vorgaben, die von Montag an gelten sollen. Dass Kunden zumindest nach Terminvereinbarung wieder in die Geschäfte kommen dürfen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz für Neuinfektionen mit dem Coronavirus unter 100 liegt – was sie im Kreis Hildesheim seit vielen Wochen tut – betrachten viele als großen Fortschritt.
Einige reagierten auch sehr schnell: Die Firma Kolbe Bettenland etwa vermeldete fast umgehend nach Bekanntwerden der neuen Regeln, ab sofort könnten Kunden per Telefon und E-Mail Termine vereinbaren. Auch Hosen-Händler Tobias Eierund hatte sich vorbereitet: Von Donnerstagmittag an können sich Kunden telefonisch Termine geben lassen – auf seiner Internetseite will der Händler aufzeigen, zu welchen Zeiten noch welche verfügbar sind.
Viele reagieren schnell
Der Händler rechnet mit einem regelrechten Ansturm: „In den vergangenen Tagen hat man deutlich gemerkt, wie groß das Interesse der Kunden ist, endlich mal wieder in einem Geschäft shoppen zu gehen.“ Technisch sei auch eine Online-Terminvergabe möglich. Zunächst setze er aber auf den persönlichen Kontakt durch Anrufe – „um weitere Erkenntnisse für die nächsten Schritte zu erhalten“.
Modehändler Axel Kreßmann hatte am Mittwochabend nach den Bund-Länder-Beratungen noch skeptisch reagiert: „Insgesamt hinterlassen die Ergebnisse der Gespräche für uns mehr Frage- als Ausrufezeichen.“ Es gelte nun abzuwarten, was das Land Niedersachsen daraus mache. Am Donnerstag reagierte Kreßmann dann schnell: Über die Homepage seines Unternehmens können Kunden Termine buchen – und sogar angeben, mit welchem Mitarbeiter sie am liebsten sprechen wollen.
„Zeit für Eigenverantwortung“
Von einer „kleinen, aber dankbar angenommenen Hilfe“ spricht Jens Koch von der Firma Koffer-Koch. Die Möglichkeit, wieder Termine mit Kunden zu vereinbaren, sei gerade für die Beratung beim Thema Schulranzen „ganz prima“. Grundsätzlich steht der frühere IHK-Vizepräsident vielen Vorgaben aber weiterhin sehr kritisch gegenüber: „Wenn man die zu erwartenden Auflagen mit Kontaktnachverfolgung, Begrenzung auf einen Kunden je 40 Quadratmeter, Desinfektionspflicht und so weiter sieht, fällt einem gerade beim Vergleich mit dem Lebensmitteleinzelhandel nichts mehr ein.“
Ähnlich unzufrieden zeigt sich Jochen Blume von der Gold- und Silberschmiede Blume: „Ich finde dieses anhaltende Improvisieren enttäuschend und schädlich.“ Für ihn steht fest: „Alle Einrichtungen mit geringem oder regulierbarem Publikumsverkehr, in denen die Regeln und Hygienemaßnahmen eingehalten werden können, sollten auch wieder öffnen dürfen!“ Zumal es seit langer Zeit Raumluftfilter gebe – er selbst habe auf Empfehlung seines Hausarztes bereits im Herbst ein solches Gerät installiert. Blumes Appell: „Inzwischen sollte mehr auf die Eigenverantwortung der Menschen vertraut und Verstöße geahndet werden.“
„Viel wert“
Sehr erfreut reagierte Ute Halex von Lili’s Fashion auf HAZ-Anfrage: „Für uns ist diese, wenn auch kleine, Lockerung schon eine große Erleichterung. Unsere Kunden brennen schon darauf, mal wieder direkt im Geschäft einzukaufen.“ Es sei jedenfalls groß genug. „Wir sind gut vorbereitet, Termine können ab sofort gemacht werden – ab dem Wochenende auch online.“
