Kreis Hildesheim - Ein holpriger Schulstart nach den Osterferien war das am Montag in Stadt und Kreis Hildesheim. Nur an den wenigsten Schulen konnte bereits regulärer Präsenzunterricht stattfinden. An den meisten wurden stattdessen zunächst einmal die Corona-Selbsttests verteilt. Die sollen zumindest in den kommenden Wochen die Voraussetzung sein, Unterricht im Klassenzimmer überhaupt möglich zu machen. Doch längst nicht alle Schulen waren ausreichend ausgestattet mit dem nötigen Material. Und für die Einrichtungen, die die Tests bereits vorrätig hatten, war es eine logistische Herausforderung, die Corona konform zu verteilen.
Mit einem Lageplan in der Hand marschiert die Mutter eines Achtklässlers am Montagvormittag über das Außengelände der IGS in Bad Salzdetfurth -. Sie will den Test für ihren Sohn abholen. Per Mail hat sie die notwendigen Instruktionen dafür von Schulleiterin Andrea Milbrod-Jakob erhalten. Denn einfach in die Schule gehen, am Sekretariat klopfen und das Paket einstecken, funktioniert nicht. Die Schulen müssen aus Infektionsschutzgründen den Zugang zu den Gebäuden streng kontrollieren, Menschenansammlungen müssen vermieden, Distanzen eingehalten werden.
Es fehlt an ausreichend Selbsttests
16 Ausgabestationen hat die IGS am Montag eingerichtet, jeweils für zwei Klassen. Auf dem Lageplan können die Eltern genau sehen, wo sie hinmüssen und wie sie dort hinkommen. Einige Ausgabestellen liegen im Erdgeschoss der Schulgebäude. So auch die der achten Klassen, die die Mutter nun ansteuert. Lukas Maier sieht die Frau kommen und öffnet flugs das Fenster. Test-Kit, Einverständnisbogen und Informationsbrief reicht der Lehrer der Mutter hinaus. Das war es.
Andrea Milbrod-Jakob ist zufrieden. Die Ausgabe verläuft reibungslos. Wie alle Schulleitungen musste sie den Ablauf in den Ferien planen – denn die Ansage, dass fortan zwei Selbsttests für die Schüler pro Woche Pflicht sind, um am Präsenzunterricht teilzunehmen, kam vom Kulturminister erst in den Osterferien. Und wie die meisten Kollegen hatte auch Andrea Milbrod-Jakob bei der Vorbereitung ein großes Problem: es fehlte an ausreichend Selbsttests. „Wir hatten aus der ersten Probewoche von vor den Ferien zwar noch welche übrig“, erzählt die IGS-Chefin. Doch mit Mühe und Not würden die am Montag reichen, damit jeder Schüler einen Test bekommt. Geplant war aber, jedem gleich zwei an die Hand zu geben.
„Das Kollegium konnte spontan geimpft werden“
Erst am Montagmittag erreichte die IGS eine weitere Lieferung mit 2000 Tests – und einer neuen Überraschung. 1000 Tests sind wie bisher auch jeweils in einem kleinen Pappkarton verpackt. Für weitere 1000 sind die Testbestandteile einzeln verpackt. „Da werden sich nun Kollegen hinsetzen und die für die Schüler zusammenstellen und verpacken müssen“, sagt Andrea Milbrod-Jakob.
An der Grundschule in Bodenburg - fand am Montag lediglich eine Notbetreuung statt. Der Präsenzuntericht startet für die ersten Mädchen und Jungen erst am Dienstag. Doch der um einen Tag verspätete Start lag dort nicht an fehlenden Tests. „Das Kollegium konnte spontan am Sonnabend komplett geimpft werden. Weil es Schulen gab, an denen danach recht viele Kollegen wegen Nachwirkungen kurzzeitig ausfielen, wollte ich auf Nummer Sicher gehen“, sagt Schulleiterin Elke Klußmann. Wenn in ihrem kleinen Team nur zwei Kollegen ausfallen, sei das schon problematisch. Den Kollegen gehe es aber allen gut, Dienstag könne die Schule neu durchstarten.
„Unser Paket hängt noch in der Warteschleife“
Dass die Grundschule am Bruderstieg tatsächlich ausreichend Selbsttests zur Verfügung hatte, um Montag schon hätte starten zu können, lag einzig am Engagement des Kollegiums. „Unser Paket vom Land hängt noch in der Warteschleife“, sagt Elke Klußmann. Sie hatte noch einige Test aus der Probelieferung vor der Ferien für die Familie. Weil die aber nicht ausreichten, seien ihre Kolleginnen ausgeschwärmt und hätte in den Geschäften selber Tests für die Kinder gekauft.
Coronavirus im Kreis Hildesheim: Alle Informationen auf einen Blick
In Hildesheim herrschten ähnlich unterschiedliche Voraussetzungen zum Schulstart: Die Michelsenschule - etwa hat genug Test-Kits für die Schülerinnen und Schüler, wie Leiterin Susanne Brandes sagt. Deren Verteilung wurde, wie überhaupt die Organisation des Unterrichts, nach Klassenstufen gestaffelt. „Die Schüler der Klassenstufen 5 bis 11 haben alle jeweils zwei Test-Kits für zuhause mitbekommen. Für sie beginnt ab morgen das Szenario B.“ Also der sogenannte Wechselunterricht. Der 12. Jahrgang ist bereits am Montag im Unterricht. „Die Schüler testen sich hier an der Schule und bekommen ein zweites Test-Kit mit, um diesen Test während der Woche zuhause zu wiederholen.“ Der 13. Jahrgang, der kurz vor den Abitur-Prüfungen steht, hat ebenfalls Tests zum Mitnehmen bekommen.
Die Tests sind das eine – die Dokumentation das andere
Wie aber gehen Schüler und Eltern damit um? „Bei den Eltern gibt es große Verwirrung“, sagt Brandes, „ich merke das natürlich anhand der vielen Rückfragen, die mich und uns hier erreichen.“ Für die Schulleitung, vor allem das Kollegium, bleibe die Frage offen, ob tatsächlich von allen Schülern zuhause die Tests zuverlässig durchgeführt würden. „Wir fragen uns, wie wir da die Dokumentation hinkriegen und prüfen sollen, wer sich wann getestet hat.“
Lesen Sie auch: Fragen und Antworten – So läuft der Schulstart in Niedersachsen nach den Osterferien
Ein Stand, auf dem andere Schulen, wie etwa das Goethegymnasium - noch gar nicht sind: Sie haben noch gar keine ausreichende Lieferung von Tests vom Land erhalten. Auch am Montag kam das Paket trotz Ankündigung nicht an. Am Nachmittag hat Schulleiter Stefan Eggemann Schüler und Eltern deshalb informiert, dass die Ausgabe der Tests nun voraussichtlich auf Mittwoch und der Start ins Wechselmodell auf Donnerstag verschoben wird. Auch die Hildesheimer Waldorfschule - wartet noch auf ihre Tests. „Bei uns sind bis heute noch gar keine Tests angekommen“, sagt Schulleiterin Kathrin Pahl. Lediglich ein geringer Restbestand von Kits aus der Woche vor den Ferien sei noch vorhanden. „Unbefriedigend für uns ist es, noch nicht einmal zu wissen, an wen wir uns wenden können, um unseren Bedarf zu decken. Das erschwert unsere Planung enorm.“
Die Buhmann-Schule reduziert auf einen Test pro Woche
Wie Schüler und Eltern auf die Unsicherheit reagieren, das fasst Pahl in einem kurzen Satz zusammen, „Die sind stinksauer.“ Doch nicht nur die fehlenden Tests erschwerten die Wiederaufnahme des Unterrichts, meint Pahl. Auch dauerhafte Schutzmaßnahmen wie eine Impfung der Lehrer sehe sie derzeit „in weiter Ferne“.
Wie Leiterin Julia Buhre sagt, hat die Buhmann-Schule - hingegen vor den Osterferien eine erste Lieferung mit Testkits erhalten, die am Montag an alle Schüler und Lehrkräfte ausgegeben wurde – reduziert allerdings auf einen Test pro Person und Woche. „Für die angedachte Testfrequenz von zwei Tests reichte die gelieferte Menge leider nicht aus“, sagt Buhre. Die Schule erwarte täglich eine Folgelieferung, welche vom Ministerium bereits in der vergangenen Woche angekündigt worden war. „Heute“, so Buhre, „haben wir die Klassen gruppenweise in vier Zeitfenstern zur Entgegennahme der Tests ins Schulhaus bestellt.“ Unterricht konnte nicht stattfinden, soll aber ab morgen wieder nach dem Wechselmodell starten. „Nur einige wenige Schüler wollen sich nicht selbst testen und werden in den kommenden Wochen am Präsenzunterricht nicht teilnehmen dürfen.“
13 Millionen Test-Kits vom Land gekauft
Das Land Niedersachsen hatte bis Anfang April rund 13 Millionen Testkits bei verschiedenen Anbietern für Landesbedienstete und für Schulen gekauft. Die Preise lagen dabei zwischen 3,42 Euro und 5,35 Euro pro Selbsttest inklusive Mehrwertsteuer, wie der Sprecher des für die Beschaffung zuständigen Innenministeriums, Pascal Kübler, mitteilte. Weitere Beschaffungen von Selbsttests seien im Vergabeverfahren geplant. Die Liefermengen belaufen sich demnach im Durchschnitt auf zwei bis drei Millionen Tests. „Damit sollte gewährleistet werden, dass Lieferausfälle und mangelnde Termintreue bei einzelnen Lieferanten kompensiert werden können.“
Weitere Informationen folgen.
