Hildesheim - Die Polizei in Hildesheim legt ihre Kriminalstatistik für das Jahr 2022 vor – und gleich auf den ersten Blick wird deutlich, dass die Zahl der Straftaten in dieser Zeit deutlich angestiegen ist. Mit 16 686 Fällen hat sie den höchsten Stand seit 2016 erreicht. Im Vergleich zu 2021, dem Vorjahr der aktuellen Auswertung, ist sie um fast 1800 Fälle gestiegen. Die Polizei sieht darin „eine Rückkehr auf das Niveau vor der Corona-Pandemie“, wie sie mitteilt. Das Leben der Menschen habe sich „wieder normalisiert. Die Menschen haben ihre Häuser verlassen und wieder Gaststätten, Restaurants und Konzerte besucht.“ All dies habe „nachhaltigen Einfluss auf die Ergebnisse der polizeilichen Kriminalstatistik“.
Wohnungseinbrüche
Ganz unmittelbar etwa im Tatfeld der Wohnungseinbrüche, deren Zahl sich 2022 sprunghaft von 136 Fällen im Vorjahr auf 214 Fälle erhöhte. Der naheliegende Grund: Die Menschen waren weniger zuhause als zu Zeiten der Pandemie, sodass Täter eher davon ausgehen konnten, bei ihren Beutezügen ungestört zu sein.
Immerhin: Bei 94 dieser Taten (44 Prozent), blieb es beim versuchten Einbruch. Was aus Sicht der Beamten auch auf entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zurückzuführen ist, sowohl auf die eigene Präventionsarbeit als auch auf die Investitionen jedes Einzelnen in seine Sicherheit zuhause – etwa durch entsprechende Tür- und Fenstersicherungen, Alarmanlagen und so weiter.
Häusliche Gewalt und Sexualdelikte
Doch auch im Bereich der häuslichen Gewalt stiegen die Zahlen. Während 2021 noch 890 Taten erfasst wurden, erhöhte sich deren Zahl 2022 auf 943 Fälle.
Bei 525 Delikten handelte es sich um Körperverletzungsdelikte, in 27 Fällen davon um Sexualdelikte. Zweimal ermittelte die Polizei wegen versuchten und zweimal wegen vollendeten Mordes. In vier Fällen wurde wegen Totschlags ermittelt, wobei es sich in drei Fällen um Versuchstaten handelte. Was sich auch 2022 wieder bestätigte: Die Opfer von häuslicher Gewalt sind überwiegend weiblich. Allerdings, so die Polizei, sei gerade bei Gewalttaten gegen Frauen nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer auszugehen – nur ein geringer Teil der Taten werde überhaupt statistisch erfasst.
Straftaten zum Nachteil älterer Menschen
Eine andere Zielgruppe im Fokus vieler Straftäter sind ältere Menschen. Vor allem durch Betrugsdelikte und Trickdiebstähle versuchen Täter, an ihr Geld zu kommen. Zu den Hauptphänomenen zählen falsche Handwerker oder Polizeibeamte, Gewinnversprechen oder der sogenannte Enkeltrick. Mit 623 Taten blieb die Zahl solcher Fälle im Vergleich zum Vorjahr (624) fast unverändert. Deutlich erhöht hat sich allerdings der dabei entstandene Gesamtschaden. Lag der 2021 noch bei rund 630 000 Euro, stieg die Summe 2022 auf etwa 930 000 Euro.
Dabei spielt eine entscheidende Rolle, wie oft die Täter mit ihren Maschen erfolgreich sind und tatsächlich an das Geld ihrer Opfer kommen. Im Jahr 2021 wurden 99 solcher Fälle gezählt – 2022 allerdings waren es 171 Fälle, in denen Senioren ihr Erspartes oder Wertgegenstände hergaben. Eine klare Steigerung – dennoch aber sind es weniger vollendete Taten als in den Jahren 2018 bis 2020 mit jeweils 400 bis fast 500 Fällen. Hier weist die Polizei auf ihre Präventionsarbeit und ihre wiederholten Warnungen an Seniorinnen und Senioren hin. „Bei 452 Taten handelte es sich 2022 um Versuchsdelikte, was belegt, dass sich die Präventionsarbeit auszahlt“, heißt es im Bericht der Polizei. Noch in den Jahren 2018 und 2019 überwogen vollendete Taten, erst 2020 kehrte sich diese Tendenz um.
Minderjährige Tatverdächtige
Doch nicht nur die Straftaten insgesamt haben zugenommen. Das gilt auch für den Anteil minderjähriger und heranwachsender Tatverdächtiger. Sie fallen laut Statistik in den meisten Fällen bei Ladendiebstählen und Körperverletzungsdelikten auf. Die Zahl tatverdächtiger Kinder (unter 14 Jahre) stieg von 260 auf 308, die der Jugendlichen (14-17 Jahre) von 570 auf 744. Bei den 18- bis 21-Jährigen stieg die Zahl der Straftaten von 534 auf 578. „Die Polizei setzt hier auf Prävention und arbeitet mit Kindergärten und Schulen eng zusammen“, so die Polizei Hildesheim.
Aufklärungsquote
Von den 16 686 registrierten Taten wurden 10 342 aufgeklärt. Die Aufklärungsquote beträgt demnach knapp 62 Prozent und liegt 2,27 Prozent unter dem Vorjahreswert, jedoch leicht über dem Landesdurchschnitt, der 61,7 Prozent beträgt. In Niedersachsen ist die Zahl der Straftaten 2022 auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Statistik 1990 gesunken – die niedersächsische Polizei registrierte 472 096 Straftaten, fünf Prozent weniger als 2020.
