Soziale Stadtführung

Street Smart: Obdachlose führen durch Hildesheim – an Orte eines harten Lebens statt zu Sehenswürdigkeiten

Hildesheim - Sie kennen Hildesheim aus der Perspektive des Lebens auf der Straße, der Bedürftigkeit – und erzählen an verschiedenen Orten davon. Die Führungen, eine Initiative der Vinzenzpforte, starten im September, die Anmeldung läuft ab sofort.

Sozialarbeiter Claude Englebert (Mitte), bei einem Spaziergang mit Bernhard Freienstein (links) und Udo Winkler, zwei Stadtführern Foto: Vinzentinerinnen Hildesheim

Hildesheim - Allen, die Hildesheim mit seinen überwiegend historischen Sehenswürdigkeiten in- und auswendig zu kennen glauben, könnte diese Stadtführung einen neuen Blick auf die Stadt bieten: Obdachlose oder einstige Obdachlose zeigen sie aus ihrer Sicht und erzählen dabei gleichzeitig ihre Geschichten vom Leben auf der Straße, von Hilfseinrichtungen und davon, wie andere Menschen auf sie reagieren.

„Street Smart“ heißt das Projekt, übersetzt straßenschlau, bauernschlau. „Schließlich fordert ein Leben auf der Straße oder in prekären Verhältnissen von Menschen einiges an emotionaler Intelligenz und Improvisationstalent ab“, sagt Claude Englebert, Sozialarbeiter in der Vinzenzpforte, selbst eine Einrichtung für bedürftige Menschen, die hier warmes Essen bekommen oder duschen und einfach zusammenkommen können. Von hier kommt die Idee zu den Führungen, von hier aus werden sie organisiert.

Vom Ottoplatz in der Nordstadt zum Bahnhof

Die ersten Führungen starten am Samstag, 16. September, jeweils um 13 sowie um 16 Uhr, und dauern etwa anderthalb Stunden. Los geht’s am Ottoplatz in der Hildesheimer Nordstadt. Die Führung wird Bahnhof, Jakobikirche unterschiedliche soziale Einrichtungen und Treffpunkte wohnungsloser Menschen streifen und soll ihre Geschichten und Stimmen hörbar machen.

Nach Hildesheim geholt hat dieses Konzept die damalige Leiterin der Vinzenzpforte, Jeanne Golla. „Ich habe solche Stadtführungen in anderen Städten erlebt und fand die unglaublich informativ und eindrucksvoll“, sagte sie. Nun sind sie hier, auch wenn Golla Hildesheim inzwischen verlassen und die Leitung der Pforte an ihre Nachfolgerin Marie Hilgenfeld abgegeben hat.

Danach geht es zum Fest der Vinzentinerinnen

Deshalb soll hier auch der Abschluss der Stadtführungen sein, im Mutterhaus der Vinzentinerinnen. Am Premierentag sind die Teilnehmenden danach eingeladen zu Waffeln, Kaffee und Konzerten auf dem Vinzenz-Fest.

„Unser Schwerpunkt in der Vinzenzpforte liegt darauf, Menschen an einen Tisch zu bringen“, so Englebert. „Wir sind davon überzeugt, dass sich bereichernde Perspektiven ergeben, wenn in unserem Projekt Menschen zu dieser Gemeinschaft stoßen, die materiell nicht auf einen Sozialen Mittagstisch angewiesen sind.“ So könnten bei der Stadtführung wohnungslose und bedürftige Menschen Kompetenzen einbringen, die in der Gesellschaft häufig übersehen werden.

Die Führungen sind kostenlos. Eine Anmeldung ist aber erforderlich, telefonisch unter 05121-109875 oder per Mail an sozialestadtfuehrung@vinzenzpforte.de. Weitere Führungen finden jeweils am zweiten Donnerstag des Monats ab 15 Uhr und für Gruppen auf Anfrage statt. Die Malteser KulTour(en) begleiten die Stadtführung mit zwei Rikschas. Mobilitätseingeschränkte Menschen können einen Platz anfragen, telefonisch unter 05121-6069873 oder per E-Mail: kultouren-hildesheim@malteser.org.

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