Verkehrswende

Swanhilde, Flotte Elster und Beusterblitz sollen beim Hildesheimer Hilde Lastenrad-Verleih Verstärkung bekommen

Hildesheim - Der Hilde Lastenrad-Verleih verfügt zurzeit über 15 Räder in Stadt und Landkreis. Darum kümmern sich ausschließlich ehrenamtliche Kräfte, für die laufenden Kosten ist der Verleih auf Spenden angewiesen. Wie es weitergehen soll.

Thomas Kittel bringt das Lastenrad zurück, dass er sich ausgeliehen hat. Hamun Hirbod kümmert sich am Standort an der Lilie um die Annahme. Foto: Wiebke Barth

Hildesheim - Sie haben klangvolle Namen wie Swanhilde, Flotte Elster oder Beusterblitz: Die Hilde Lastenräder haben sich in Stadt und Landkreis etabliert und ihre Zahl soll weiter wachsen. Die Stadt Hildesheim hat 20000 Euro im Haushalt 2023 bereitgestellt, um weitere Räder für die Stadtteile anzuschaffen. Die Ortsräte Einum und Neuhof/Hildesheimer Wald/Marienrode haben schon ihr Interesse bekundet – Einum bereits im Februar 2022, Neuhof bei der letzten Ortsratssitzung im Mai.

In einem Haushaltsbegleitbeschluss ist von der Anschaffung von fünf neuen Rädern die Rede – das gelinge aber nur, falls zusätzlich Fördergelder zu bekommen seien, sagt Jasmin Weprik, Leiterin des Oberbürgermeisterbüros. Das werde noch geprüft, sonst reiche das Geld vremutlich nur für zwei Räder. Außerdem müssten in den Ortsteilen Standorte mit Paten vorhanden sein, die sich um den Verleih kümmern. Der Rechnung widerspricht Tinka Dittrich, Gründerin des Lastenradverleihs: Die dort verwendeten Räder der Marke Bakfiets mit E-Unterstützung seien für 4519 Euro zu haben, das Geld reiche also für vier Stück.

Auch die Übernahme der Folgekosten ist laut Weprik noch ungeklärt. Die Ortsratsmittel reichten dafür jedenfalls nicht, sagt Dieter Thoms, Ortsbürgermeister von Neuhof/Hildesheimer Wald/Marienrode. Und auch sein Einumer Amtskollege Simon Bauermeister sagt, dafür wäre die Unterstützung der Stadt erforderlich. Doch ebenso wie bei den schon vorhandenen Rädern könnte auch die Unterhaltung der Neuanschaffungen aus Spenden finanziert werden, meint Dittrich.

15 Hilde Lastenfahrräder sind im Verleih

Sie rät interessierten Ortsräten, sich direkt nach der Sommerpause um ein Lastenrad zu bewerben. Jemand aus dem Hilde-Team werde auf Wunsch in einer Ortsratssitzung den Lastenrad-Verleih vorstellen.



Bisher sind 15 Lastenräder unter der Obhut des Hildesheimer ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) unterwegs, neun davon im Hildesheimer Stadtgebiet. Zuletzt hatte im März die Region Leinebergland in Kooperation mit der Klimaschutzagentur im Landkreis Hildesheim zwei Räder – die Regionskutsche und den Leinelaster – angeschafft. Die sollen ihre Standorte in der Region öfter wechseln: Zurzeit stehen sie zum Ausprobieren in Sibbesse und Freden, ab Mitte August in Delligsen und Elze.

Das Lastenrad Harry aus Harsum wurde im Juni im Hildesheimer Stadtgebiet gestohlen. „Das war der erste Diebstahl. Es ist noch nicht bekannt, ob es einen Ersatz für das Rad geben wird“, erklärt Dittrich.

Räder mit E-Antrieb deutlich beliebter

Beim Verleih sind die Räder mit E-Antrieb – das sind neun von 15 – besonders beliebt und werden mit langem Vorlauf gebucht. Die Auslastung schwanke je nach Wetter, teilt Tinka Dittrich mit. Buchungen sind schon 30 Tage im voraus möglich, aber die Lastenräder ohne Motorhilfe seien auch mal spontan zu haben. Wer ein Rad bucht, darf es nicht mehr als drei Tage am Stück in Anspruch nehmen.

Vorher müssen sich die Nutzer und Nutzerinnen auf der Seite hilde-lastenrad.de registrieren: 1820 Menschen haben das bisher getan. Manche von ihnen hätten den Verleih vermutlich nur einmal ausprobiert, meint Dittrich. Einige seien aber auch auf den Geschmack gekommen und hätten sich ein eigenes Lastenrad angeschafft. „Die Nutzerzahlen steigen noch, aber natürlich nicht mehr so schnell wie am Anfang.“

Von den verfügbaren Rädern eignen sich 14 nicht nur für den Transport von Lasten, auch Kinder können in den Boxen mitfahren. Für zwei der Modelle gibt es zusätzlich einen Regenschutz und die nötige Ausstattung, um auch Babys und Kleinkinder mitzunehmen. Wie man die Kindersitze anbringt, erklärt Tinka Dittrich hier in einem Video.

Ehrenamtliche kümmern sich um Räder und Verleih

Tinka Dittrich hatte den Lastenradverleih 2019 mit großem persönlichen Einsatz an den Start gebracht und dafür eine Förderung des Bundesumweltministeriums eingeworben. Die lief allerdings nach zwei Jahren aus. Seitdem wird der Verleih ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften betrieben. 13 Personen gehören derzeit zum Team: „Wir sind auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen. Sowohl für den Bereich der Fahrradwartung als auch für Öffentlichkeitsarbeit sowie Social Media“, teilt Dittrich mit. Eine Leitung gebe es nicht, Entscheidungen werden im Team getroffen.

Finanziert wird der Verleih mit Spendengeldern. Der Unterhalt eines Rades koste im Durchschnitt 550 Euro im Jahr. Da neun der Räder dem ADFC gehören, benötigt der Verein allein 4950 Euro im Jahr für deren Unterhaltung. „In diesem Jahr sind bislang erst Spenden in Höhe von 3011 Euro eingegangen“, so Dittrich. Es wäre aus Sicht des Vereins hilfreich, wenn viele Menschen sich zu einem Dauerauftrag über eine kleine Summe von beispielsweise 3 Euro im Monat entschließen könnten. Weitere Räder befinden sich im Eigentum der Gemeinden Harsum und Diekholzen, des Vereins Leinebergland und des TV Eintracht Algermissen.

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