Premiere am 9. November

„Sweeney Todd“ kommt ans Hildesheimer Theater: Traut man sich danach noch in einen Barbershop?

Hildesheim - Subtile Spannung statt blutigen Horror soll die Aufführung am tfn bieten. Verantwortlich dafür soll der Mann sein, der schon die „Rocky Horror Show“ eingekleidet hat. Auch sonst schöpft das Team aus den Vollen. (mit Video)

Daniel Wernecke spielt „Sweeney Todd“ den teuflischen Barbier aus der Fleet Street. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Barbershops liegen voll im Trend. Wer durch die Fußgängerzone geht, entdeckt die hippen Friseursalons an jeder Ecke. Wer hingegen ab 9. November ins Theater für Niedersachsen geht, könnte danach bei dem Anblick ein mulmiges Gefühl bekommen. Denn „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier von der Fleet Street“ schneidet seinen Kunden die Haare ab und die Kehlen durch. Trotzdem ist er Star des Musicals, welches die Musical Company des tfn gerade probt.

„Es ist eines der interessantesten Musicals, die es gibt“, findet Sebastian Ellrich. Er inszeniert den Klassiker fürs tfn und zeichnet auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich. In der vergangenen Spielzeit hat er das schrille Aussehen der „Rocky Horror Show“ erdacht. Die Kleider und Kulissen haben geglitzert und gefunkelt. „Sweeney Todd“ hingegen dürfte ein großer Teil des Publikums hierzulande aus der Verfilmung mit Johnny Depp von 2007 vor Augen haben. Darin waren die Figuren kreidebleich gepudert und Perücken und Räume ähnlich grau, schwarz oder weiß.

Kein wildes Töten

„Unsere Fassung steht genau zwischen dem Film und der ’Rocky Horror Show’“, stellt Ellrich in Aussicht. Dominierende Farben sollen Pastellblau und ein sattes Rot sein. Das eine steht für Sehnsucht und Trauer, das andere für Liebe und Lust. Denn das mache das Musical so interessant, erklärt Ellrich. Die blutige Schauergeschichte stehe zwischen diesen Aspekten. Es gehe nicht bloß um einen rachsüchtigen Serienmörder. „Sondheim erzählt nicht vom wilden Töten“, betont Ellrich. Er zeige, wie Schmerz zu Täterschaft führe.

Die Vorlage sei eher ein Groschenroman. Musical-Autor Stephen Sondheim setze sich wesentlich kritischer damit auseinander. Es geht um Unterdrückung, sexuelle Übergriffe und häusliche Gewalt, Recht und Gerechtigkeit, Armut und Ausbeutung. Die Vorlage spielt zu Beginn der industriellen Revolution in London. Entsprechend dreckig und düster sind die Aussichten der Menschen. Die tfn-Inszenierung belässt den Text zwar in dieser Zeit, das Bühnenbild bleibt aber ein abstrakter Raum. London ist ein Holzgerippe. „Der Ort spielt kein Rolle“, findet Ellrich. Es gehe schließlich um zeitlose Themen.

Subtile Spannung

Auch sonst sei sein „Sweeney Todd“ nicht explizit. „Visuell bräuchten wir keine Altersbeschränkung“, betont Dramaturgin Julia Hoppe. Splatter und Horror gebe es kaum, nur an einer Stelle fließt Kunstblut. Eine gewisse Reife bräuchte es angesichts der Thematik aber schon. Deswegen empfiehlt das tfn das Stück ab 16 Jahren.

„Sweeney Todd“ orientiere sich eher an Hitchcock – auch musikalisch. „Es spielt mit subtiler Spannung“, verspricht Andreas Unsicker, musikalischer Leiter. Die Musik mache das Unangenehme spürbar. Gleichzeitig verfüge das Musical über eingängige Melodien und exponierte Gesangsparts. Sondheim bewege sich geschickt zwischen Oper und Musical, weg von der Revue und reinen Unterhaltung, hin zu anspruchsvollen aber eingängigen Kompositionen. Die Choreografien dazu entwickelt Dominik Büttner. Am tfn hat er bereits an „Elternabend“ gearbeitet und dabei Erfahrungen gesammelt, ernste Themen angemessen in Bewegung umzusetzen.

Ein Klassiker in den USA

Die komplette Musical Company ist in „Sweeney Todd“ besetzt. Das tfn geht für den teuflischen Barbier aus der Fleet Street also in die Vollen. Das Werk gilt immerhin als Klassiker des Genres. In den USA kennt es fast jeder. Allein am Broadway und in London wurde es je dreimal wiederaufgenommen. In Hildesheim war es zuletzt 2013 zu sehen. Damals waren Barbershops in deutschen Fußgängerzonen noch eine Seltenheit. Regisseur Ellrich ist nach den Proben zwar noch nicht auf einen Trockenrasierer umgestiegen. Ein flaues Gefühl hätte er dort mittlerweile aber schon. Er empfiehlt: Lieber ins Theater gehen.

Karten für die Aufführungen können unter anderem online gekauft werden.

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