Kreis Hildesheim - Tausende Schülerinnen und Schüler müssen ab Freitag zurück ins reine Homeschooling. Als Folge der bundesweiten „Notbremse“, die den Infektionsschutz verbessern soll, hat der Landkreis Hildesheim am Mittwoch verfügt, dass der Schulbesuch an allen Einrichtungen ab Freitag, 30. April, untersagt ist. Ausgenommen ist der Schulbesuch für schriftliche Arbeiten und Abschlussprüfungen. Auch die Mädchen und Jungen der Grundschulen sowie der Förderschulen geistige Entwicklung und der Tagesbildungsstätten sind bisher ausgenommen. Wer in die Schulen darf, muss aber weiterhin in geteilten Gruppen lernen (Szenario B).
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Der Bund hatte als Teil der Neuregelung eine Inzidenz von 165 vorgeschrieben, ab der Schüler ins reine Distanzlernen wechseln sollen. Niedersachsen hat diesen Wert sogar auf 100 gesenkt. Wenn die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner liegt, müssen die Mädchen und Jungen zu Hause lernen. Im Landkreis Hildesheim ist dies der Fall. Aufgehoben wird es erst, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 100 liegt. Am Donnerstag gab das Robert-Koch-Institut den Sieben-Tage-Wert für den Landkreis Hildesheim mit 102,2 an.
Bei vielen Eltern und Lehrern ist großer Frust zu spüren
Bei vielen Eltern wie Lehrern ist inzwischen ein deutlicher Frust über das ständige Hin und Her zu spüren. „Unsere Schülerinnen und Schüler hatten sich einen Funken Hoffnung und Normalität zurückgeholt, der nun wieder verschwindet“, moniert etwa Julia Buhre, Leiterin der Buhmann-Schule. „Wie sie mit weiteren Wechseln zurecht kommen werden, ohne dabei vollkommen den Fokus für die schulischen Inhalte zu verlieren, bereitet uns große Sorgen.“
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Dirk Wilkening, Leiter des Gymnasiums Andreanum, und Andrea Berger, Leiterin der Oskar-Schindler-Gesamtschule, sprechen zwar von einer nachvollziehbaren Entscheidung. Gleichzeitig sei es eine Katastrophe für die Schüler. „Ihnen wird nach nur wenigen Präsenztagen wieder der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten erschwert“, so Wilkening. Berger spricht von einer „schwierigen und nervenaufreibenden Situation für alle Beteiligten“. Wilkening hofft, dass das Kultusministerium in diesem Kontext die Verpflichtung zu schriftlichen Klassenarbeiten noch einmal grundlegend überdenke. „Prüfen, Messen und Bewerten müssen in dem Corona-Schuljahr einen anderen, geringeren Stellenwert haben“, fordert er.
Stadtelternrat: Gerade gewonnene Normalität geht wieder verloren
Auch viele Eltern blicken mit gemischten Gefühlen auf die neuerliche Rolle rückwärts. Auch wenn er vielleicht nur ein paar Tage dauere: „Der Wechsel stellt wieder eine große Herausforderung für die Kinder, die Lehrkräfte und auch die Eltern dar“, sagt Kirstin Seidel, Vorsitzende des Stadtelternrats. Die gerade erst gewonnene Normalität im Wechselunterricht gehe jetzt für viele wieder verloren. „Es wird erneut einige Anstrengungen kosten sicherzustellen, dass der Lernfortschritt erhalten bleibt“, glaubt Seidel.
Buhre spricht davon, dass all dies sehr demotivierend sei. „Die Umsetzung und Organisation all der schlecht kommunizierten und teilweise sehr kurzfristigen Maßnahmen bindet bei uns personelle Ressourcen, die aktuell dringend für den Unterricht und die Unterstützung der Schüler gebraucht würden“, sagt sie. Am Freitag gehe es an der Buhmann-Schule mit Videokonferenzen für die Schüler weiter. „Aber ich vermute, dass deren Zahl und auch Moral noch weiter geschrumpft sein wird“, sagt Buhre.
