Hildesheim - Vor wenigen Tagen tauchte er in der Nacht auf einem Balkon in der Luisenstraße auf: ein Waschbär, der hier offenbar nach liegengebliebenen Resten vom Abendbrot suchte. „Bei mir hat er nichts gefunden, aber ich habe inzwischen gehört, dass er es hier in der Oststadt wohl schon mehrfach in Gärten und auf Balkonen versucht hat“, sagt die Anwohnerin – offensichtlich hat der Erfolg das Tier zum Weitermachen motiviert.
Und Erfolg haben Waschbären auf Nahrungssuche schon deshalb oft, weil sie Allesfresser sind. Im Wildgatter etwa weiß man, dass sie sogar auf Vogel- oder Katzenfutter anspringen. „Und sie sind sogar noch gerissener“, sagt Tierpfleger Werner Ziaja. „Die öffnen auch die Deckel von Mülleimern oder Türen, um an Futter zu gelangen.“ Fähigkeiten, die inzwischen zu einer deutlichen Steigerung der Population geführt haben, nicht nur auf dem Land, auch in Hildesheim. „Wir haben in der Stadt inzwischen bald mehr Waschbären als Einwohner“, sagt Ziaja im Scherz.
Das Wildgatter darf keine Waschbären aufnehmen
Jeden Tag bekomme das Wildgatter Anrufe von Bürgern, die Waschbären bei sich in den Häusern oder in der Nähe gesehen haben. „Aber wir dürfen die hier bei uns nicht aufnehmen.“ Zwar lebten im Wildgatter drei Waschbären, doch die seien schon seit Ewigkeiten dort und zudem blind, sodass sie sich in der freien Natur nicht mehr zurechtfinden würden.
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Richtig hingegen wäre eine Mitteilung an den Landkreis Hildesheim. Der hat auf seiner Homepage sogar ein „Merkblatt Waschbären“ hinterlegt, das Betroffenen wichtige Hinweise gibt. Zudem wurde bei der Jägerschaft Hildesheim ein Aufruf gestartet, „welcher sich an alle Jäger richtete, die freiwillig bei der Lösung dieses Problems helfen wollen“, wie der Landkreis darin mitteilt. Daraufhin haben sich einige Freiwillige gemeldet, die dabei helfen wollen, das Problem der betroffenen Grundstückseigentümer mittels Fallenjagd zu lösen. Die Adresse: Landkreis Hildesheim Jagdbehörde, Sebastian Grille, Bischof-Janssen-Straße 31 in 31134 Hildesheim. Telefonisch ist Hilfe unter 05121/309-3892 erreichbar, per Mail Sebastian.Grille@landkreishildesheim.de.
Heimisch ist der Bär eigentlich in Nordamerika
Vermeiden sollte man vorbeugend die Lagerung von verschiedenstem Unrat im Garten oder auf Terrasse und Balkon, wie Sperrmüll oder Baumaterial. Sie bieten dem Waschbären einen geeigneten Unterschlupf und die Möglichkeit, ein Nachtquartier einzurichten. Auch Garagen, verlassene Gebäude, Dachböden und Kaminschächte stehen ganz oben auf der Liste der begehrten Schlaf- und Wurfplätze.
Tiere können über Äste von Bäumen ins Haus gelangen, ebenso über Kletterpflanzen und Ranken an Hauswänden, die ihnen optimalen Halt bieten. Wenn der Waschbär es erst einmal geschafft hat, an der Hauswand hochzuklettern, sucht er sich gern ein Schlupfloch im Dach, um ins Haus einzusteigen. Deshalb empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen das Hausdach auf Schwachstellen zu prüfen, und diese Stellen gleich auszubessern.
Heimisch ist der Waschbär eigentlich eher in Nordamerika, er hat sich aber besonders seit Mitte des 20. Jahrhunderts auch in Europa ausgebreitet. Dem als lernfähig geltenden Kleinbären ist es gelungen, aus Pelzfarmen und Wildgehegen auszubrechen und sich schnell zu vermehren und auszubreiten. Waschbären sind nicht menschenscheu und fühlen sich auch in städtischen Umgebungen wohl. Sie können vor allem bei Hausbesitzern hohe Schäden in Dachböden anrichten.
