Hildesheim - Erst am vergangenen Wochenende hatte die Feuerwehr in Hildesheim einen besonderen Hilfseinsatz: Ein Rehbock hatte sich am Sonntagmorgen auf die Phoenixstraße am Moritzberg verirrt und versuchte, durch das Gitter über dem Bachlauf des Kupferstrangs auf die andere Seite zu fliehen. Doch dabei blieb es mit den Hinterläufen stecken. Die Einsatzkräfte konnten das Tier befreien – doch offenbar ist so ein Wildtierbesuch in der Stadt inzwischen keine Seltenheit mehr.
Seit acht Wochen leben am Moritzberg auch zwei Rehkitze.
So berichtet Erhard Paasch, Ortsbürgermeister Moritzberg/Bockfeld, dass ihn seit April dieses Jahres schon mehrfach Meldungen von Anwohnern erreicht hätten, die Rehe im Ort gesehen haben. Einer dieser Beobachter ist Adrian Springmann, der von seinem Zuhause aus quasi einen Panorama-Blick auf das Areal hinter der Volksbank-Arena hat, wo sich die Rehe angesiedelt haben.
„Seit sieben oder acht Wochen haben die auch zwei Kitze, die inzwischen gar nicht mehr so klein sind“, sagt Springmann, der seinen Beobachtungen nach davon ausgeht, dass die Tiere vor etwa zwei Jahren in die Stadt gezogen sein müssen. Nun soll ihr Revier zum Baugebiet werden. „Das wird die Tiere wohl zwingen, sich erneut ein neues Zuhause zu suchen“, so Springmann.
Waschbären und Füchse gehen gern an Mülltonnen. Rehe hingegen sind Feinkosttiere.
Waschbären und Füchse, die sich aus Mülltonnen ernähren
Was sie dazu bewogen hat, ist nicht ganz klar. Fakt ist aber: Immer mehr Wildtiere werden in Städten heimisch. Vom großen Futterangebot angelockt, stören sie sich oft gar nicht am Lärm und finden auf Brachflächen und in Gärten nahezu paradiesische Lebensräume. Für sie sind Städte ein regelrechter Supermarkt, in dem sie in Mülltonnen und Gärten nur noch zulangen müssen. Das gilt vor allem für Waschbären und Füchse, wie Werner Ziaja weiß, Tierpfleger im Wildgatter. „Die machen sich abends in der Dämmerung auf die Suche nach Nahrung. Und gehen dabei gern an Mülltonnen.“
Finden sie Futter, heißt das für sie: Hier kommen wir gern wieder her. „Und bei einer deutlich gestiegenen Population in den letzten Jahren sind sie eben immer öfter auch im Stadtgebiet zu sehen.“ Waschbären kletterten sogar in Mülltonnen hinein, um sich dort zu bedienen. Rehe gehen bei der Nahrungssuche anders vor, sagt Ziaja – wenn auch für den Menschen oft nicht weniger ärgerlich. „Sie fressen gern die Blumen aus den Vorgärten.“ Deshalb hielten sie sich häufig unterhalb des Berghölzchens am Königsteich auf.
Nicht füttern, Abfälle gut wegräumen
Um die Tiere, die im ungewohnten Umfeld viel Schaden anrichten können, nicht unnötig zu locken, rät Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung: „Städter sollten es vermeiden, die Tiere zu füttern, Abfälle immer gut wegräumen und damit das Nahrungsangebot so gering wie möglich halten.“ Die Tiere erweisen sich auch in Städten als sehr anpassungsfähig, so Kinser. Nimmt ihr Bestand ab, bringen die Weibchen mehr Junge zur Welt. Insgesamt scheinen sie weniger Probleme zu haben, sich an den Menschen zu gewöhnen, als umgekehrt.
In Hannover taucht ein Wolf im Stadtgebiet auf
In Hannover ist vor wenigen Tagen sogar zum ersten Mal ein Wolf gesichtet worden. Das Tier streifte unter anderem in Hainholz und Stöcken umher und verschwand danach. Für Wolfsberater ist das kein ungewöhnliches Verhalten. „Der junge Wolf befindet sich auf Wanderschaft und sucht sich ein Revier“, sagt Wolfsberater Helge Stummeyer. Im Alter von knapp zwei Jahren verlassen junge Wölfe ihr Rudel und suchen sich ein eigenes Territorium – nur üblicherweise nicht in der Stadt.

