Neuhof/Hildesheimer Wald - In drei Stadtteilen will die Verwaltung Container-Unterkünfte für Geflüchtete errichten, Sozialdezernent Malte Spitzer hat die Pläne jetzt in Neuhof vorgestellt. Anders als auf der Marienbruger Höhe gab es diesmal eine Bürgerfragerunde, weil der Neuhofer Bürgermeister Dieter Thoms (SPD) die Sitzung dafür unterbrach. Das Ergebnis: Hinweise auf Ängste und Ärger bei den Menschen, aber auch Empörung über Einlassungen seitens der AfD. Auch Spitzer geriet kurz in Rage.
Wie berichtet plant die Stadt, auf dem Parkplatz des Südfriedhofs, auf dem Pferdeanger und auf dem ehemaligen Boschparkplatz im Hildesheimer Wald, Container oder Modulbauten für Geflüchtete zu errichten. Dabei soll im Hildesheimer Wald Wohnraum für 130 Menschen entstehen. Am Mittwochabend ist erstmals mit Ratsherr Michael Körber ein Vertreter der AfD bei einer der Präsentationen für das Konzept dabei. Er fragt, was es für die Unterbringung der Flüchtlinge bringen würde, wenn die rund 200 in der Stadt lebenden Ausreisepflichtigen abgeschoben würden. Für Malte Spitzer ist das keine Option: „Selbst, wenn wir die 200 Menschen abschieben würden, ändert sich nichts.“ Zudem hätten die meisten eine Duldung und können nicht abgeschoben werden.
Eine polarisierte Zuhörerschaft
Körber fordert daraufhin, die Geflüchteten in Busse zu setzen und nach Berlin zu fahren. Jetzt macht sich Unruhe unter den rund 25 Zuschauern breit. Die einen klatschen, die anderen zeigen lautstark ihren Unmut über Körber. Das Publikum ist zweigeteilt. Ein Mann berichtet von einem geplanten Hausverkauf im Hildesheimer Wald. „Das Haus ist jetzt nur noch halb so viel wert.“ Eine Frau aus Marienrode erzählt, dass sie und ihre kleine Tochter eine Viertelstunde durch den Wald gehen müssen, um die Bushaltestelle zu erreichen. Sie fürchte Übergriffe. „Was wir hier erleben, ist doch eine Verkaufsveranstaltung“, sagt sie und wirft dem Dezernenten Malte Spitzer vor: „Sie haben heute eine Menge AfD-Wähler geschaffen.“
Spitzer ist von den Vorwürfen sichtlich angefasst. Insbesondere der Vorwurf, dass er den Bürgerinnen und Bürgern im Ortsteil etwas verkaufen wolle, ärgert ihn. Der meist besonnen und ausgleichend auftretende Sozialdezernent verliert kurz die Fassung. „Sie haben mich jetzt einmal durchbeleidigt“, sagt Spitzer, um wieder zur Sache zu kommen. Die Vorbehalte kann Spitzer aber auch damit nicht ausräumen. „Wir planen hier keine Siedlung für alleinstehende Männer“, versucht er die Teilnehmer im Zuschauerbereich zu beruhigen. Ein Bürger erkennt das Problem: „Und wo kommen die alleinreisenden Männer dann hin?“ Das ist die erste Frage des Abends, die Malte Spitzer nicht beantworten will. Im Gespräch mit der HAZ verrät er aber, dass die Stadt für allleinreisende Männer andere Unterbringungsmöglichkeiten hat und weiterhin nutzen will.
Spannungen auch innerhalb des Gremiums
Ortsbürgermeister Dieter Thoms kündigt an, dass es weitere Informationsveranstaltungen geben wird. Dabei sollen der bislang nicht ausgewählte Betreiber des Containerdorfes und auch Asyl e.V. Fragen der Bürgerinnen und Bürger beantworten. Angesichts der frühen Phase der Planungen rechnet Malte Spitzer damit, dass die weiteren Infotermine im kommenden Frühjahr stattfinden werden.
Auch innerhalb des Gremiums haben sich da längst Spannungen aufgebaut. Die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Kathrin Vornkahl (Grüne) will die Aussagen von AfD-Mann Körber nicht im Raum stehen lassen und weist darauf hin, dass die Menschen nicht freiwillig aus ihrer Heimat fliehen. Auch Michael Jahns (CDU), ebenfalls stellvertretender Ortsbürgermeister, hält bei Körbers Aussagen gegen: „Die Stadt kann nichts gegen den Flüchtlingszustrom machen. Hören Sie auf, hier politische Thesen zu präsentieren. Bieten Sie lieber Lösungen an.“ Die einzige Lösung, die Körber an diesem Abend anbietet, besteht darin, alle Bürgermeister mögen zusammen einen Brief nach Berlin schicken, um klar zu machen, dass sie keine weiteren Geflüchteten wollen.
