German Property Group

Hildesheimer Richter sprechen Urteil im größten Anlageskandal Deutschlands: Haft-Strafe für Ex-Chef

Hildesheim - Der Fall German Property Group ist mutmaßlich einer der größten Anlageskandale der letzten Jahre. Wegen lediglich vier Fällen hat ein Gericht Gründer Charles Smethurst jetzt verurteilt. Anleger sind enttäuscht – und verblüfft über die Zukunftspläne des 65-Jährigen.

Charles Smethurst (Mitte) mit seinen Anwälten Nicholas Brenner (links) und Michael Bärlein vor dem Landgericht Hildesheim. Foto: Thorsten Fuchs/RND

Hildesheim - Das Landgericht Hildesheim hat den früheren Geschäftsführer der German Property Group, Charles Smethurst, wegen Betrugs in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und elf Monaten verurteilt. Das Urteil liegt damit im unteren Bereich des Strafrahmens, auf den sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht zu Beginn des Prozesses Mitte Mai in einer Verständigung geeinigt hatten.

In dem Schuldspruch des Gerichts ging es jetzt lediglich noch um einen Komplex: ein Grundstück an der Pariser Straße in Berlin, für das Smethurst 2018 von einer französischen Investorengruppe Millionen eingesammelt hatte. „Tatsächlich hatte er jedoch nie vor, das Grundstück zu erwerben und zu entwickeln“, stellte der Vorsitzende Richter Martin Pech fest. Smethurst habe mit dem Geld lediglich seine Schulden bei anderen Anlegern bedienen wollen.

Schadenssumme 56 Millionen

Der Fall der German Property Group ist mutmaßlich einer der größten Anlageskandale in Deutschland der vergangenen Jahre. In ihrer Anklage wegen schweren Betruges hatte sich die Staatsanwaltschaft jedoch von vornherein auf 27 Fälle mit einer Schadenssumme von 56 Millionen Euro beschränkt. Der 65-jährige Smethurst hatte zu Beginn des Prozesses ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Im Gegenzug hatte die Staatsanwaltschaft die Anklage auf vier Fälle reduziert.

Zugute hielt das Gericht Smethurst seine Kooperation mit der Staatsanwaltschaft. Auch habe es ihm die französische Investorengruppe durch mangelnde Kontrollen leicht gemacht. Gegen ihn hätten unter anderem zwei Vorstrafen aus den Jahren 2003 und 2018 gesprochen.

„In ein Schneeballsystem verwandelt“

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten für Smethurst gefordert. Sein Geschäftsmodell habe sich spätestens 2018 „in ein Schneeballsystem verwandelt“, erklärte Staatsanwalt Florian Balken in seinem Plädoyer. „Spätestens 2018 war der Ofen aus und er hätte sich in Insolvenz begeben müssen.“ Es handele sich um „einen besonders schweren Fall“ - auch weil die Taten „nur einen kleinen Teil des Gesamtkomplexes darstellen“.

Smethurst selbst gab sich reumütig. „Ja, ich habe Fehler gemacht“, gestand er in seinem Schlusswort. „Mein Handeln war jedoch nicht von Habgier getrieben, sondern davon, mein Lebenswerk, das ich begonnen hatte, zu retten“, beteuerte der 65-Jährige.

Anleger aus Irland, Großbritannien und Asien

Smethurst hatte 2008 in Langenhagen bei Hannover die Dolphin Capital Gruppe gegründet, die er 2019 in German Property Group umbenannte, ein Geflecht aus 150 Unternehmen. Sein Geschäftsmodell sah vor, denkmalgeschützte Immobilien, unter anderem das Schloss Dwasieden auf Rügen und die Arensburg in Rinteln, zu kaufen und zu sanieren. Dazu sammelte er Geld von tausenden Anlegern vor allem aus Irland, Großbritannien und Asien ein und versprach ihnen Renditen von bis zu 15 Prozent. Tatsächlich jedoch ließ er den größten Teil der Gebäude verfallen. Für die Anleger, von denen viele mit dem Investment für den Ruhestand vorsorgen wollten, war der Großteil des Geldes verloren.

Spätestens 2018 soll Smethurst klar gewesen sein, dass sein Unternehmen im Grund insolvent war und er die Summen nie würde zurückzahlen können. Dennoch meldete er erst 2020 Insolvenz an.

Smethurst studiert jetzt - ausgerechnet Jura

Für viele Anleger bleibt nach dem Urteil ein bitterer Beigeschmack. Im Insolvenzverfahren, in dem 8000 Gläubiger registriert sind, sind sie bislang leer ausgegangen, auch weil der Verkauf der Immobilien offenbar äußerst schwierig ist. Insgesamt hatten Anleger den Unternehmen nach Angaben des Insolvenzverwalters rund 1,5 Milliarden Euro anvertraut. Der Verbleib von mehreren hundert Millionen Euro gilt bis heute als ungeklärt.

„Es ist eine Schande, dass das Gericht nur auf diesen winzigen Teil eines riesigen Betrugs geschaut hat“, sagte Mark Hambling, Sprecher einer britischen Anlegergruppe und selbst Geschädigter. Auch dass er nicht umfassend erklärt habe, was genau warum geschehen ist und wer beteiligt war, sei bitter.

Äußerst befremdlich dürften vielen Geschädigten auch die Zukunftspläne des nun Verurteilten vorkommen. Der 65-Jährige studiere jetzt Jura, ließ sein Verteidiger das Gericht wissen. Er habe auch bereits einen Job bei einer Anwältin, der er in Insolvenzverfahren helfe. „Was“, fragte Bärlein, „könnte er bei seiner Erfahrung besser?“

Von Thorsten Fuchs

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