Hildesheim - So voll war die Hildesheimer Innenstadt schon lange nicht mehr: Dicht an dicht drängten sich die Besucher am verkaufsoffenen Sonntag zwischen den zahlreichen Ständen hindurch. Der erste Cityflohmarkt in Kombi mit den offenen Geschäften kann durchaus als Erfolg verbucht werden.
Händler waren nicht zufrieden
Selbstverständlich war dieser enorme Zuspruch aber nicht. Denn zahlreiche Händler und die Werbegemeinschaft „Die freundlichen Hildesheimer“ waren nicht zufrieden mit einer zu spät erteilten Mitteilung durch die Gewerkschaft Verdi – diese kam erst am Mittwochabend telefonisch in Hildesheim an, die Händler hätten ihre Angebote aber gerne bereits früher bekanntmachen wollen. Und auch Hildesheim Marketing traute sich erst am Donnerstag, das Event offiziell anzukündigen.
Verdi muss deshalb bei der Planung eines verkaufsoffenen Sonntags mit im Boot sein, weil die Gewerkschaft die Belange der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Blick hat – Verdi prüft die Veranstaltung auf ihre Richtlinien und die Verhältnismäßigkeit einer außerplanmäßigen Sonntagsöffnung. So dürfen die Händler die Türen ihrer Geschäfte an einem Sonntag nur dann aufschließen, wenn der Verkauf an sich nicht im Mittelpunkt steht, sondern das Event drum herum – in diesem Fall der Cityflohmarkt. Wenn eine Veranstaltung – wie in diesem Fall – zum ersten Mal stattfindet, dann kann eine Prüfung auf Rechtmäßigkeit durch Verdi auch schon einmal ein paar Tage länger dauern, räumte Fritz Ahrberg, Geschäftsführer der Hildesheim Marketing GmbH und Veranstalter des Flohmarkts, schon am Freitag gegenüber der HAZ ein. Dennoch bleibt die Frage im Raum stehen: Warum gibt es eine Zustimmung von Verdi nicht mit mehr Vorlauf?
Verdi klagt 2020 erfolgreich
Nun nimmt Verdi Stellung und erklärt auf HAZ-Nachfrage, dass die Gewerkschaft selbst gar keine Genehmigung erteilen müsste, sondern lediglich ein Klagerecht habe. Heißt: Hildesheim Marketing als Veranstalter braucht keine Einwilligung von Verdi, sondern muss theoretisch bis zum Freitag vor dem Event mit einem Veto der Gewerkschaft rechnen. Genau das passierte im September 2020, ein verkaufsoffener Sonntag in Hildesheim wurde an einem Freitag auf den letzten Drücker gekippt. Sabine Gatz, Leiterin des Fachbereichs Handel bei der Verdi, hatte damals gesagt, dass es sich bei den Gründen für einen verkaufsoffenen Sonntag „schon um einen angemessenen Anlass“ handeln solle. Das Verwaltungsgericht Hannover gab dem Verdi-Einspruch im Eilverfahren Recht, ein „Sommertag in Hildesheim“, so das Motto der Veranstaltung damals, reiche nicht aus für eine Sonntagsöffnung. Die Verunsicherung der Geschäftsleute und des Veranstalters war im Vorfeld des neuen Events Cityflohmarkt entsprechend groß.
Im Dialog zwischen Kommunen und der Gewerkschaft hat man sich nun aber offenbar grundsätzlich auf einen Mittelweg geeinigt. Christian Vasenthien, Sekretär bei Verdi, erklärt auf HAZ-Nachfrage schriftlich: „Wir teilen den Kommunen jedoch bei groben Verstößen rechtzeitig mit, dass wir mit der Öffnung nicht einverstanden sind. So können Kommunen rechtzeitig nachbessern.“ Aber genau diese Mitteilung blieb wohl aus.
Verdi verspricht: Melden uns bei Einspruch künftig früher
Am Montagnachmittag erreicht die HAZ-Redaktion dann noch eine E-Mail von Vasenthien, in der der Sekretär mitteilt, dass er sich künftig sofort nach der Anmeldung eines verkaufsoffenen Sonntag bei den Verantwortlichen in Hildesheim melden werde, sollte Verdi eine Klage in Erwägung ziehen. Vasenthien: „Dann sollten alle Bescheid wissen.“
Eine Antwort, mit der Veranstalter Ahrberg sehr zufrieden ist: „Das freut mich natürlich.“ Das sollte ihm und der Händlerschaft in Hildesheim für die künftigen Planungen die nötige Sicherheit geben. So steht nach der gelungenen Premiere des Cityflohmarkts einer Fortsetzung im kommenden Jahr nichts im Weg.
