Hildesheim - Es ist ein Jahr her, dass Hildesheims Oberbürgermeister auf Nachfrage diese HAZ-Information bestätigte: Ja, die Stadt will Gut Steuerwald verkaufen, und zwar an die Vinzentinerinnen. Jetzt ist klar: Beide Parteien sind sich grundsätzlich einig über den Deal. Der Stadtrat hat zwar das letzte Wort bei Grundstücksgeschäften, doch die politische Zustimmung gilt als sicher.
60.000 Quadratmeter ist das Areal groß, das an die Kongregation gehen soll
Das Areal, das die Stadt abgeben will, ist kleiner als das Gut insgesamt groß ist: Rund 10 000 der etwa 70 000 Quadratmeter sollen im Besitz der Stadt bleiben – die Flächen im Bereich der Innerste und des Mühlengrabens sowie an der Mastbergstraße seien aus Gründen des Hochwasser- und Naturschutzes relevant, sowie für mögliche Sanierungs- und Ausbauarbeiten an der Straße, erklärte Stadtbaudezernentin Andrea Döring am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Am Abend informierte sie die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses über die grundsätzliche Einigung mit den Vinzentinerinnen.
Als deren Vision steht eine Art Stadtteilbauernhof mit Hofcafé, Hofladen, Veranstaltungszentrum, sozialen Hilfsangeboten und inklusiven Arbeitsstätten im Raum. Der Orden wolle Gut Steuerwald zu einem Ort der Begegnung machen, kündigt die Generaloberin der Kongregation an, M. Teresa Slaby, viele verschiedene Menschen sollen auf dem Gelände zusammenkommen.
Für die Stadt wäre Gut Steuerwald ein ganz großes Finanzrisiko
Zur Wahrheit gehört auch: Für die Stadt ist Gut Steuerwald trotz der Historie der Anlage, der Denkmalbedeutung der Bauten und der idyllischen Lage im Grünen inzwischen auch zum Klotz am Bein geworden. Es muss dringend in Sanierungen investiert werden, um Gebäude vor dem Verfall zu retten. Stadtbaudezernentin Andrea Döring bezeichnet das Gut als „ganz großes Finanzrisiko“, sollte es im Besitz der Stadt bleiben.
Und doch ist ihr wichtig zu betonen, dass es keineswegs nur darum gehe, das Areal einfach nur loszuwerden. Schon Oberbürgermeister Ingo Meyer hatte im Mai 2021 erklärt, es gäbe für die Stadt andere Möglichkeiten, hätte man es nur auf einen möglichst lukrativen Deal abgesehen, etwa durch Verkauf an einen Immobilienentwickler, der Luxuswohnungen im Grünen bauen könnte. Wie viel Geld die Stadt von der Kongregation bekommen wird, darüber redet niemand der Beteiligten. Es gehe um das Konzept der Vinzentinerinnen, das überzeuge, bekräftigt Andrea Döring.
Die Gespräche sind in einer sehr angenehmen Atmosphäre abgelaufen
Und offensichtlich sind sich alle einig geworden: Der Vereinsvorsitzende Oliver Tüpker bestätigt beim gemeinsamen Pressegespräch am Mittwoch: „Die Gespräche sind in einer sehr angenehmen Atmosphäre abgelaufen. Natürlich kommen auf uns Veränderungen zu, aber wir sehen darin auch eine positive Chance.“ Die Veränderungen werden vor allem darin bestehen, dass der Verein es auf dem Areal, auf dem er bisher weitgehend einziger Nutzer war, es in den kommenden Jahren nach und nach mit mehreren weiteren Mietern zu tun bekommen wird.
Hospiz-Neubau: Grundsteinlegung noch in diesem Jahr?
Das erste Bauvorhaben, für das nach derzeitigem Planungsstand möglichst noch in diesem Jahr der Grundstein gelegt werden soll, ist das erste stationäre Hospiz Hildesheims. Trägerin der Einrichtung mit zehn Plätzen soll die Michaelis Hospiz gGmbH werden. Hinter der Gesellschaft stehen seit der Gründung 2019 das St. Bernward Krankenhaus, die Kongregation der Vinzentinerinnen, der Caritasverband für die Diözese Hildesheim und der Caritasverband für Stadt und Landkreis Hildesheim. Hinzugestoßen waren später der evangelische Kirchenkreisverband Hildesheim, Dachorganisation der Kirchenkreise Peine, Hildesheimer Land-Alfeld und Hildesheim-Sarstedt.
Das Hospiz soll auf einem Teilgrundstück der Guts-Anlage entstehen, auf dem jetzt noch ein alter Schafstall steht – das baufällige Gebäude soll abgerissen werden. Das Hospiz gelte dann als Ersatzbau, somit seien die baurechtlichen Voraussetzungen einfacher zu schaffen, als für den Rest des Areals, wofür noch ein eigener Bebauungsplan erstellt werden müsse, erläutert Andrea Döring. Bis es dort dann weitergehen könne, dürften nach ihrer Einschätzung noch mindestens zwei Jahre vergehen.
Den Hospiz-Bau plant und finanziert die Vinzenz Sozialprojekte GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Kongregation der Vinzentinerinnen.
Auch für die weiteren angedachten Sanierungen, Um- und mögliche Neubauten ist die Gesellschaft verantwortlich. Deren Geschäftsführer Thomas Naumann kündigt an, für die Investitionen auf Gut Steuerwald auch Fördermittel beantragen zu wollen. Dennoch ist klar, dass die GmbH und die Vinzentinerinnen zunächst einmal selbst sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen. „Da bekommt man schon Respekt, wenn man an den Sanierungsaufwand für die Gebäude denkt“, sagt die Generaloberin M. Teresa Slaby, fügt aber auch hinzu: „Das ist gerade das Reizvolle.“
Wir haben keine riesigen Renditeerwartungen, aber das Vorhaben soll sich natürlich refinanzieren
Naumann verweist auf zahlreiche potenzielle Träger von Einrichtungen und Betrieben aus dem kirchlichen Umfeld, mit denen Kooperationen denkbar seien. Und über deren Mietzahlungen für Immobilien und Pacht für Land müsse dann Geld wieder reinkommen. „Wir haben keine riesigen Renditeerwartungen, aber das Vorhaben soll sich natürlich refinanzieren.“
Wie es langfristig für die Bewohner der derzeit sechs privat genutzten Wohnungen auf dem Gelände weitergeht, dazu macht Naumann noch keine konkreten Angaben, er sagt: „Wir werden zu gegebener Zeit Gespräche aufnehmen.“
Die Organisatoren des jährlich stattfindenden Django Reinhardt Festivals müssen sich offensichtlich nicht sorgen, dass sie vertrieben werden könnten – Generaloberin M. Teresa Slaby antworten auf die Frage nach dem Verbleib auf dem Gut Steuerwald: „Natürlich. Festivals sind immer gut.“




