AstraZeneca als Lösung?

Viele Fälle in Hildesheim: In diesen Berufen gibt es die meisten Krankschreibungen wegen Corona

Kreis Hildesheim - Im Landkreis fallen einer Studie zufolge überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer wegen des Virus aus. Zudem wird deutlich, in welchen Berufen die Gefahr am größten ist.

Besonders gefährdet: Erzieherinnen wurden von März bis Oktober häufiger wegen Corona krankgeschrieben als Angehörige aller anderen Berufsgruppen. Foto: Jens Büttner/dpa

Kreis Hildesheim - Im Landkreis Hildesheim werden deutlich öfter Arbeitnehmer infolge einer Corona-Infektion krankgeschrieben als im bundes- und landesweiten Durchschnitt. Das hat eine Studie der AOK ergeben. Bundesweit am häufigsten von Corona-Krankschreibungen betroffen sind Erzieherinnen und Erzieher – was der Debatte um eine frühere Impfung, die in dieser Woche auf lokaler Ebene Fahrt aufnahm, neue Nahrung geben dürfte.

Die AOK hat deutschlandweit Daten zu Krankschreibungen ihrer Mitglieder in der Zeit von März bis Oktober vergangenen Jahres analysiert. Demnach waren in diesen acht Monaten, hochgerechnet auf 100 000 AOK-Mitglieder, 2672 Angehörige der Erziehungs- und Betreuungsberufe krankgeschrieben, weil sie sich entweder mit Corona infiziert hatten oder ein Verdacht auf Covid-19 ohne Nachweis bestand. Sie waren damit mehr als doppelt so häufig betroffen wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer.

Landwirte haben kaum Corona

Ebenfalls oft, aber nicht so häufig betroffen wie die Erzieherinnen waren Medizinische Fachangestellte und Ergotherapeuten. In der Rangliste der zehn am häufigsten betroffenen Berufsgruppen folgen Haus- und Familienpflege, Heilerziehung und Sonderpädagogik, Zahnmedizinische Fachangestellte, Altenpfleger, Krankenpfleger und Physiotherapeuten. Am seltensten betroffen waren in dieser Reihenfolge Landwirte, Nutztierhalter, Hochschullehrer, Geschäftsführer und Vorstände sowie Trockenbauer.

Ausgewertet wurden für diese Erkenntnisse Daten von insgesamt 13,2 Millionen AOK-Mitgliedern in Deutschland. Ähnliche Studien zum Beispiel der Barmer Ersatzkasse untermauern diese Daten.

Hildesheimer oft betroffen

Die Zahlen wurden nicht für jeden einzelnen Landkreis erhoben, aber nach Berufen und Bundesländern aufgeschlüsselt. Auch bezogen auf Niedersachsen waren Erzieherinnen und Erzieher die am häufigsten von Corona-Krankschreibungen betroffene Berufsgruppe. Der Schluss liegt also nah, dass sich dies auch im Landkreis Hildesheim so darstellt.

Zumal Arbeitnehmer im Landkreis den AOK-Daten zufolge öfter von coronabedingten Fehlzeiten betroffen waren als im landes- und bundesweiten Mittel. Von März bis Oktober wurden 1672 Beschäftigte, umgerechnet auf 100 000 AOK-Mitglieder, aus dem Landkreis Hildesheim wegen einer Corona-Erkrankung oder eines Verdachtsfalls krankgeschrieben. Der bundesweite Wert hierfür lag bei 971, der für Niedersachsen bei 1486.

Ärztin unterstützt Erzieherinnen

Die AOK will die Studie demnächst mit Daten für die Monate von November bis Januar aktualisieren. Da dies bundesweit und auch im Landkreis Hildesheim die Monate mit den meisten Corona-Fällen waren, dürften die neuen Daten ähnlich aufschlussreich sein.

In der Debatte um ein schnelleres Impf-Angebot an Erzieherinnen und Erzieher, die bislang nur in der Gruppe mit der dritthöchsten Priorität eingestuft sind, hat sich unterdessen auch die Hildesheimer Bezirksvorsitzende der Ärztekammer, Dr. Dorothea Mordeja, zu Wort gemeldet. Sie unterstützte gegenüber der HAZ entsprechende Forderungen der Bürgermeister und von Erzieherinnen ausdrücklich: „Aus meiner Sicht wäre das absolut sachgerecht.“

Mordeja, die auch Ärztliche Leiterin des Alfelder Impfzentrums ist, schlägt vor, dafür den Impfstoff des britischen Herstellers AstraZeneca zu nutzen. Schließlich solle dieser bei Senioren nicht eingesetzt werden: „Damit könnten wir Erzieherinnen früher schützen, ohne dass die Risikogruppe der über 80-Jährigen dadurch Nachteile hätte.“

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