Entdeckung bei Kanalarbeiten

Nach Archäologen-Fund: Hildesheimer Dammstraße bleibt mehrere Wochen voll gesperrt

Hildesheim - Seit Dienstag ist die Dammstraße voll gesperrt – und das wird noch mehrere Wochen lang so bleiben. Autofahrer müssen mit Umleitungen rechnen. Welcher Archäologen-Fund dahintersteckt – und wie es nun weitergeht.

Hildesheim - Die Hildesheimer Dammstraße ist am Dienstagabend gesperrt worden – und wird es laut Stadtverwaltung voraussichtlich mindestens bis zum 13. Juni bleiben. Grund dafür ist ein zwei bis drei Meter breiter Hohlraum, der bei Bauarbeiten unter der Straße auf Höhe der Johannisstraße entdeckt wurde.

Wir haben im Rahmen einer Kanalbaumaßnahme ein altes Brückenbauwerk gefunden

, Michael Ködding, Bereichsleiter für den Kanalbau bei der Stadtentwässerung Hildesheim

„Wir haben im Rahmen einer Kanalbaumaßnahme ein altes Brückenbauwerk gefunden“, sagt Michael Ködding, Bereichsleiter für den Kanalbau bei der Stadtentwässerung Hildesheim (SEHi). Die viele hundert Jahre alte Brücke, die auf schlammigem Auland der Innerste errichtet wurde, sei ihrerseits vor mehreren hundert Jahren überbaut worden. So komme es, dass der Hohlraum unter der Brücke bis heute unentdeckt Teil des Grundes unter der Dammstraße ist.

Gefahr zu groß

Aus den Überresten eines vergrabenen Bauwerkes sei im Laufe des Dienstags ein Stein herausgefallen. Die Archäologen auf der Baustelle hätten, so Ködding, den Hohlraum dahinter bemerkt. Innerhalb einer halben Stunde sei klar gewesen, dass Gefahr im Verzug war. „Wir haben Versackungen in der Straße festgestellt“, sagt Ködding.

Die Gefahr ist hier zu groß, wenn wir den Verkehr durchlaufen lassen

Andrea Döring, Stadtbaurätin in Hildesheim

Für Andrea Döring, Stadtbaurätin Hildesheims, war schnell klar, dass die Dammstraße voll gesperrt werden müsste. „Die Gefahr ist hier einfach zu groß, wenn wir den Verkehr durchlaufen lassen“, sagt sie. Insbesondere Lastwagen und Busse könnten mit ihrem Gewicht die Straße zum Einsacken bringen.

Chaos zum Feierabend

Die plötzliche Sperrung der Straße führte im Feierabendverkehr zu Chaos. Bis in die Schuhstraße stauten sich Fahrzeuge Richtung Dammstraße. Als Polizei und Berufsfeuerwehr die Straße auf Höhe der Burgstraße schon längst gesperrt hatten, drängelten sich noch weitere Fahrerinnen und Fahrer vom Bohlweg und von der Kardinal-Bertram-Straße in die Autoschlange.

Am Dienstagabend war die Zufahrt zur Dammstraße im Westen von der Seite der Alfelder Straße gesperrt. Von Osten war bereits das Abbiegen von der Zingel auf die Schuhstraße untersagt – was am Abend viele Fahrerinnen und Fahrer noch ignorierten. Auch die Anfahrt zum St. Bernward Krankenhaus (BK) über die Schuhstraße ist derzeit nicht möglich. Wer zum BK will, muss die Route über die Wollenweberstraße nehmen, auch über den Bohlweg ist die Anfahrt nicht gestattet. Für Anlieger gelten mitunter andere Regeln. Der Fußweg an der Baustelle war am Dienstagabend nicht gesperrt.



Ab Mittwoch: Klarheit über Wege

Wir kennen die Brücken, aber nur aus Schriften und Überlieferungen

Michael Ködding, Bereichsleiter für den Kanalbau bei der Stadtentwässerung Hildesheim

Von Seiten der Polizei Hildesheim heißt es, dass die Verkehrsführung für die kommende Zeit noch nicht abschließend geregelt ist. Ob die Schuhstraße wieder freigegeben wird und wie die Anfahrt zum BK gehandhabt wird, soll im Laufe des Mittwochs entschieden werden. In jedem Fall wird geraten, das Gebiet – wenn möglich – weiträumig zu umfahren. Der Polizei zufolge könnte die Sperrung bis zum 13. Juni andauern, heißt es auf Twitter.

Auch im Stadtbus-Verkehr kommt es zu Ausfällen, die Haltestelle Museum entfällt. Wie der SVHI meldet, kommt es darüber hinaus zu Verspätungen im gesamten Liniennetz. Über die Website können sich Fahrgäste über die aktuellen Verbindungen informieren.

Aber warum wussten die Arbeiter der SEHi nichts von der Brücke, bis sie über den Hohlraum stolperten? „Wir befinden uns im Gebiet des historischen Stadteingangs“, erklärt Döring. Aber die exakte Vermessung von Wegen habe erst um 1800 in Hildesheim begonnen. „Wir kennen die Brücken“, sagt Ködding, „aber nur aus Schriften und Überlieferungen.“ Genaue Daten gibt es nicht.

Was mit dem Hohlraum passiert

In den zwei bis drei Wochen, die Döring einplant, um das Problem zu lösen, wird eine Baufirma den Hohlraum füllen. Schwierig ist dabei der unsichere Untergrund. „Der Laie würde es Matsch nennen“, sagt Ködding.

Beim ersten Arbeitsschritt in der Dammstraße geht es darum, die Lage zu sichern. Anschließend wird die Straße aufgerissen. Anfang nächster Woche sollen dann laut Döring und Ködding die Arbeiten am Hohlraum beginnen.

Von Jan Fuhrhop und Phillip Kampert

Update:Gesperrte Dammstraße in Hildesheim: Videoaufnahmen zeigen, wie groß die Gefahr ist

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