Kreis Hildesheim - Erst schien die Einführung der Gelben Tonne im Kreis Hildesheim sicher – dann schien sie auf Jahre gescheitert. Nun wird sie doch eingeführt. In den Verhandlungen um die Einführung der Gelben Tonne im Landkreis Hildesheim fiel immer wieder auch ein weiterer Begriff: „Wertstofftonne“. Die könne man doch einführen, statt sich über Tonne und Sack zu streiten, hieß es aus den Reihen der Anbieter des Dualen Systems Deutschland. Dazu kommt es zunächst nicht – doch aufgeschoben ist offenbar nicht aufgehoben.
Jens Krüger, Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) kann sich mit der Wertstofftonne an sich durchaus anfreunden: „Ich setze im ersten Schritt jetzt erst einmal auf die Gelbe Tonne, aber die Wertstofftonne kann der zweite Schritt sein.“ In der Vergleichsvereinbarung mit den Systemanbietern, in deren Zuge diese ihre Klage gegen die Gelbe-Tonne-Vorgabe des ZAH zurückgezogen haben, steht auch, dass der ZAH sich mit dem Wertstoff-Behälter auseinandersetzen und Überlegungen dazu anstellen soll. Die Formulierung enthält keine Pflicht zur Einführung, doch Krüger kündigt an: „Wir werden uns auf jeden Fall damit befassen.“
Finanzielle Unterschiede
Der große Unterschied zwischen Gelber Tonne und Wertstofftonne aus Bürgersicht: In die Gelbe Tonne gehören wie in den Gelben Sack sogenannte Umverpackungen aus Papier oder Kunststoff. Also zum Beispiel das Päckchen, in dem sich vier Plastikbeutel mit Reis befinden. Viele Menschen werfen allerdings allgemein Kunststoff hinein. Fachleute gehen von einer „Fehlwurfquote“ von 40 Prozent Müll aus, der nicht in den Gelben Sack gehört. Bei der Wertstofftonne geht es hingegen allein um das Material. Für die Verbraucher ist das deutlich einfacher. Es soll zudem gewährleisten, dass mehr Kunststoff recycelt wird.
Finanziell ist die Wertstofftonne allerdings für den ZAH und damit auch für die Gebührenzahler weniger attraktiv. Der Grund: Gelber Sack und Gelbe Tonne für die Nutzer kostenlos und für den ZAH kostenneutral. Denn Firmen, die etwas verpackt verkaufen, müssen dafür einen kleinen Betrag pro Packung abführen. Jeder Verbraucher bezahlt die Entsorgung also quasi beim Einkaufen mit.
Bundesweite Regelung?
Das ist bei der Wertstofftonne anders. Dort müsste der ZAH sich finanziell beteiligen, Geschäftsführer Jens Krüger hält aktuell einen Rahmen von einer bis 1,5 Millionen Euro für realistisch. Diese Summe müsste der Zweckverband auf die Haushalte umlegen. Die Summen für den einzelnen Haushalt wären wohl überschaubar. Dennoch wäre das für Krüger eine Frage, mit der sich auch die Politik auf Stadt- und Kreisebene genauer beschäftigen müsste.
Was ihn zudem stört: Wie hoch der Finanzierungsanteil der Städte und Landkreise – im Fall Hildesheim vertreten durch den ZAH – ist, hängt von Verhandlungen ab. Der ZAH-Chef fordert eine bundesweite Regelung, die die Quote für die Kommunen festsetzt und damit letztlich auch die Kosten für die Bürger verlässlich kalkulierbar macht.
Tonne einfach umbenennen
Weniger überzeugend finden die ZAH-Verantwortlichen indes die Argumentation der Systemanbieter, bei Einführung der Wertstofftonne könnten die Bürger auf kleinere und damit günstigere Restmüll-Tonnen umsteigen, weil ja mehr Abfall in der Wertstofftonne lande als derzeit im Gelben Sack. „Ich glaube, das geht nicht auf – weil viele jetzt schon alles, was später in eine Wertstofftonne gehören würde, über den Gelben Sack und nicht über den Restmüll entsorgen“, sagt Jens Krüger.
Sicher ist: Neue Tonnen müsste niemand kaufen. Man könnte die vorhandenen Gelben Tonnen mit einem Federstrich umwidmen.
