Hannover - Die Corona-Infektionszahlen in der Region Hannover steigen aktuell stark an. Sie verdoppeln sich jeweils im Wochenrhythmus. Diesen Dienstag lag dieSieben-Tage-Inzidenz bei 23,0, in der Vorwoche bei 12,2 und am Dienstag davor bei 5,4. In absoluten Zahlen hört sich das noch moderat an: In den vergangenen sieben Tagen hat die Region insgesamt 266 Neuinfektionen registriert. Allerdings ist der Anstieg beträchtlich und mit Sicherheit auch auf die ansteckende Delta-Variante zurückzuführen.
Vor allem Jüngere infizieren sich
Es infizieren sich jetzt vor allem Menschen unter 30 Jahren, häufig bei Partys und ähnlichen Treffen. Bei den diesen Dienstag Gemeldeten lag der Altersmedian sogar nur bei 22 Jahren. Oft erkranken sie selbst nicht schwer. Allerdings stecken sie andere an.
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Nach Angaben der Landesregierung stammen aktuell mehr als die Hälfte aller Neuinfektionen in Niedersachsen aus der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen.
Ansteckungen durch Tanzen in Innenräumen
Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) warnte die Bürger bereits am Freitag in einem Video vor Sorglosigkeit. Bis dahin war vor allem durch zwei Tanzveranstaltungen die Ansteckungsrate in der Region wieder deutlich gestiegen. Diese Feiern fanden noch in der Zeit statt, als das Tanzen ohne Maske in Innenräumen erlaubt war. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Die Region klärt aber aktuell noch, ob außerdem gegen Auflagen verstoßen worden ist. Insgesamt sind Infektionen aus knapp einem Dutzend Lokale bekannt.
„In geschlossenen Räumen ist bei Anwesenheit von nur einem Infizierten die Ansteckungsgefahr bereits erheblich“, warnte Jagau. In einem der beiden Fälle hatten sich 25 Menschen auf der Veranstaltung selbst angesteckt, dazu kamen später 30 weitere Infizierte im Familienkreis. „Sie müssen sich klar sein: Sie stecken sich und nahe Angehörige an, wenn Sie nicht vorsichtig sind“, mahnt Jagau.
In großen Veranstaltungsorten könnten durch einen Infizierten ein paar hundert oder sogar tausend Kontakte zustande kommen, durch die eventuell eine Quarantäne-Anordnung ausgelöst werden muss, erläuterte Jagau.
Viele folgende Infektionen
Die Region erinnert daran, dass vor dem Besuch von Veranstaltungen ein negativer Schnelltest dringend notwendig ist. Jagau weist darauf hin, dass das sorgfältige und korrekte Ausfüllen von Kontaktbögen in Lokalen wesentlich ist, weil nur so Infektionsketten hinreichend schnell unterbrochen werden können. „Wenn wir feststellen, dass mehrfach dagegen verstoßen wird, hat das zur Folge, dass diese Orte bald nicht mehr am Markt sind.“
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Aus den Feiern der jüngsten Zeit heraus hat das Gesundheitsamt mehr als 3000 Kontaktpersonen ermittelt, die in Quarantäne gesetzt werden müssen und bei denen Folgeinfektionen möglich sind. „Das ist für das Gesundheitsamt eine große Herausforderung, zumal im Interesse einer Unterbrechung der Infektionsketten Schnelligkeit geboten ist“, sagt Regionssprecher Christoph Borschel.
Die Region hat bereits festgestellt, dass Infektionen aus völlig anderen Lebensbereichen über fünf Zwischenstufen auf die Feiern in den knapp ein Dutzend Lokalen zurückzuführen sind. Die Regionsmitarbeiter befürchten, dass sich das Infektionsgeschehen auch noch auf weitere Bereichen ausweitet. Unternehmen, Pflegeheime und Schulen fallen aktuell nicht als Infektionsherde auf.
Discos in Hildesheim noch geschlossen
In Hildesheim gibt es derzeit keine vergleichbaren Ereignisse – die Disco- und Clubbetreiber halten sich mit Öffnungen weiterhin bedeckt. Die meisten Party-Lokalitäten wollen erst im Herbst wieder starten.
Von Bärbel Hilbig
