Onlinehandel

Lebensmittel auf der Couch einkaufen: Welche Online-Lieferdienste in Hildesheim aktiv sind

Hildesheim - Das Unternehmen Oda hat den digitalen Lebensmittelhandel in Deutschland erst einmal wieder aufgegeben. Aber was machen die ortsansässigen Dienste in Hildesheim? Ein Überblick.

Fares Hakim ist mit Lieferservice24.de und Kiwi auf dem Hildesheimer Markt unterwegs. Im eigenen Lager stehen 1000 Artikel für den spontanen Einkauf. Foto: Wiebke Barth

Hildesheim - Gerade hatte der norwegische Online-Supermarkt Oda angekündigt, sein Geschäft auf die Region Hildesheim auszudehnen, da war es auch schon wieder vorbei: Oda stellte seine Tätigkeit in ganz Deutschland ein. Offenbar waren Kundenzahlen und Umsatz nicht so schnell gestiegen wie erwartet.

Hildesheimer Kundinnen und Kunden müssen allerdings nicht auf den Service verzichten, sich Lebensmittel auf Bestellung nach Hause bringen zu lassen, denn es gibt ortsansässige Anbieter. Der Online-Händler Lieferzeit24.de ist seit zweieinhalb Jahren aktiv und beliefert Hildesheim, Diekholzen und Harsum. Seit Februar 2023 bringt außerdem Kiwi im Stadtgebiet auch spontane Einkäufe per E-Bike zu den Verbrauchern.

Lieferzeit24.de: Seit zweieinhalb Jahren in Hildesheim auf dem Markt

Geschäftsführer und Mitgesellschafter beider Unternehmen ist Fares Hakim. Mit nur 300 Euro Startkapital hätten er und sein Geschäftspartner Florian Braune Lieferzeit24.de gegründet, erzählt er. Dass Oda so schnell vom Markt verschwunden ist, freut Hakim nicht: Die Konkurrenz hätte dazu beigetragen, das digitale Geschäft zu beleben, meint der Geschäftsmann. „Wir kämpfen noch darum, bekannt zu machen, was ein Lieferdienst leistet, und welche Vorteile das hat.“

Er vermutet, dass Oda zu schnell zuviel in Wachstum investiert hat. Er selbst und sein Mitgesellschafter bauten dagegen das Geschäft in Hildesheim langsam auf. Bisher seien die Kundinnen und Kunden in Hildesheim nicht so digital aufgestellt wie beispielsweise in Berlin oder auch in anderen Ländern wie Norwegen. „Aber die Bedürfnisse ändern sich“, ist Hakim überzeugt.

Etwa 50 Prozent der Lieferzeit24-Kunden seien Firmen, die Getränke für ihre Mitarbeitenden oder Kaffee und Kekse für Besprechungen liefern lassen. Doch auch bei den Privaten ändere sich das Kaufverhalten – teils aus Zeitmangel, teils aus Gründen der Nachhaltigkeit. Um möglichst nichts wegzuwerfen setzten gerade Jüngere nicht auf den Großeinkauf einmal in der Woche, sondern tägliche kleine Einkäufe für den aktuellen Bedarf.

Sicher, selbst einzukaufen könne auch Spaß machen. „Aber immer?“, zweifelt Hakim. Nach einem langen Arbeitstag oder bei der doppelten Belastung durch Familie und Beruf sei der Einkauf als zusätzliche Pflicht auch eine Last. Außer den Jungen zählten aber auch Senioren und Seniorinnen zu den Abnehmern, für die zum Teil die Kinder oder Pflegekräfte die Bestellung übernähmen.

Bei Lieferzeit24.de haben Verbraucher und Verbraucherinnen die Wahl aus rund 5000 Artikeln. Etwa 1000 Artikel hat das Unternehmen selbst auf Lager, der Rest wird beim Großhandel Edeka Foodservice in Hildesheim eingekauft. Zwischen 8 und 20 Uhr sind zwei Fahrzeuge unterwegs und liefern in vier Zeitfenstern pro Tag. Bis zu zwei Stunden vor einem solchen Zeitfenster kann die Kundschaft dafür bestellen. „Und die Zeitfenster sind nie zu“, versichert Hakim.

Kiwi: Für den spontanen Einkauf kommt das E-Bike

Aber wenn es noch schneller gehen muss? Er selbst habe den Bedarf bei sich festgestellt, sagt Hakim. Wenn abends die Frage aufkam: „Was essen wir heute?“, fehlte oft die ein oder andere Zutat: „Dann musste ich nochmal los, das hat mich genervt.“ So entstand die Idee für Kiwi, einen weiteren Lieferdienst, der seit Februar in Hildesheim unterwegs ist – allerdings bisher nicht in Sorsum, Einum, Neuhof, Achtum und Teilen von Alt-Itzum.

Kiwi arbeitet mit E-Bikes, beschränkt sich auf die Waren, die Hakim und Braune im eigenen Lager in der Speicherstraße haben. Dafür soll die Lieferung aber innerhalb von 20 Minuten vor der Tür stehen. Und: Es gibt auch Rezepte in der App, für die dann gleich die Zutaten bestellt werden können. Auch wenn nur der Snack und die Flasche Wein für den Abend oder die Eier für den Kuchen fehlen, schwingen sich die Liefer-Leute auf das Rad. Besonders beliebt seien Kekse und Salzgebäck, erzählt Hakim. Aber gebe auch Arbeitende, die sich den Snack für die Mittagspause bringen lassen.

Greeny macht Pause, will aber zurückkommen

Mit einem ähnlichen Konzept, E-Lieferwagen und einer zusätzlichen Abholstation war im Mai 2021 Greeny auf dem regionalen Markt erschienen. Zum Jahreswechsel 2022/2023 verabschiedete sich das Unternehmen auf Facebook wegen „interner Umstrukturierungsmaßnahmen“, kündigte aber an, sich innerhalb eines Jahres „mit neuem Service und neuen Produkten“ zurückzumelden. Die Absicht bestehe immer noch, unterstreicht Inhaber Ali Hijazi. Etwa ein halbes Jahr werde es aber noch dauern. Wie diese Umstrukturierungen aussehen werden, dazu will er noch nichts Konkretes sagen. Nur soviel: „Wir werden mit etwas ganz Neuem kommen, was alle überraschen wird.“

„Ich hoffe, dass die das schaffen“, sagt Lutz Ahlers, „das Konzept war gut.“ Ahlers ist Inhaber von Rewe-Märkten in Pattensen sowie in Hildesheim in der Alfelder Straße. Er war Kooperationspartner von Greeny; der Lieferdienst kaufte in seinem Markt zu vergünstigten Preisen die Waren ein.

Einen eigenen Lieferdienst betreibe er nicht, so Ahlers: „Dafür braucht man ein ausgefeiltes Konzept. Ich sehe das Geschäftsfeld als schwierig.“ Für ihn als Händler sei es eigentlich auch vorteilhaft, wenn die Kunden und Kundinnen selbst durch die Regale liefen, denn dann wanderten immer noch einige Spontankäufe in den Einkaufswagen. Ahlers weiß aber auch: „Manche gehen gern shoppen, für andere ist es eine lästige Aufgabe.“

Rewe Lieferservice: Der „Branchenpionier“

Einen Lieferdienst von Rewe gibt es in der Hildesheimer Region dennoch – betrieben nicht von einem einzelnen Markt, sondern vom Zentralunternehmen. Als „Branchenpionier und Marktführer“ sei der Rewe Lieferservice in 75 Städten in Deutschland unterwegs, teilt eine Sprecherin der Rewe Group auf Anfrage mit, darunter Hildesheim und ein großer Teil des Landkreises.

Gepackt werden die Lieferungen in einem von 15 „Food Fulfillment Centern“, die eine Auswahl aus 11 000 Artikeln bieten sollen. Für Hildesheim befinde sich dieses Center in Langenhagen, sagt Ahlers. In der Anfangszeit des Lieferservice seien die Waren aus örtlichen Märkten gekommen, doch das habe sich nicht bewährt. Wer bei Rewe bestellt, kann aus zwei- bis vierstündigen Zeitfenstern zwischen 7 und 22 Uhr wählen. Die können jedoch auch mal ein, zwei Tage im voraus ausgebucht sein, wer hier bestellt, sollte also seine Einkäufe planen.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.