Hildesheim - Der Teufel steckt immer im Detail: Nachdem der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne nun entschieden hat, dass nach den Osterferien der Präsenzunterricht nur für Schüler möglich wird, die zwei Mal pro Woche einen negativen Coronatest nachweisen können, muss das nur noch umgesetzt werden.
Nur noch. Die Rektorin der Gelben Schule Moritzberg, Friederike Hoff-Elfers, steht trotz Ferien in regem Austausch mit ihrer Konrektorin. Denn trotz Verordnung des Ministers bleiben viele Fragen offen. Und Probleme. Zum Beispiel mit Eltern, die sich weigern, den Test an ihren Kindern zu machen. Nachdem sie vor Ostern die Eltern per E-Mail über die neuen Regeln informiert hatte, bekam sie am Dienstag nach Ostern eine bitterböse Antwort einer Mutter.
„Kindesmisshandlung“
Sie wirft der Rektorin sogar „Kindesmisshandlung“ vor. Hoff-Elfers hat das Schreiben nicht beantwortet, sondern an die Rechtsabteilung der Landesschulbehörde weitergeleitet.
„Viele Eltern werden ihre Kinder zuhause testen“, ist sie sicher. Sie weiß aber auch, dass es „bei einigen Widerstand geben wird“. Für diese Fälle sieht die Verordnung vor, dass die Präsenzpflicht aufgehoben wird. „Dann bekommen die Kinder die Aufgaben aus der Schule eben nach Hause“, sagt Hoff-Elfers. Ein darüber hinausgehendes Homeschooling-Angebot wird es nicht geben: „Dafür haben wir keine Kapazitäten.“
Kein eigenes Homeschooling
Da die Lehrer und Lehrerinnen ihrer Grundschule den Schülern schon vor den Ferien Testsets mitgegeben hat, kann die Gelbe Schule auf einen Abholtag am Montag nach den Ferien verzichten. Jede Klasse bekommt vor dem Schuleingang oder auf dem Schulhof einen Begrüßungsstandort, wo die Lehrkräfte die von den Eltern unterschriebene Bestätigung über einen negativen Test kontrollieren werden.
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Doch was ist mit den Kindern, die keinen Nachweis dabei haben? „Wir können die ja nicht einfach nach Hause schicken“, sagt die Rektorin. Also müssen alle Eltern angerufen werden, um, ihr Kind entweder abzuholen oder noch in der Schule einen Test zu machen. „Wir dürfen das nicht“, sagt Hoff-Elfers. Und wenn Eltern ihren Kindern einfach bescheinigen, dass sie negativ getestet seine – ohne sie tatsächlich getestet zu haben? Hoff-Elfers zuckt mit den Achseln: „Das funktioniert nur auf der Vertrauensbasis.“
Breite Zustimmung der Eltern
Das sieht René Mounajed genauso. Der Leiter der RBG ist zugleich im Vorstand des Schulleitungsverbands Niedersachsen. Wie viele andere Schulleiter lehnt er Selbsttests von Schülern in der Schule ab. Kultusminister Tonne hat darauf reagiert und seine Verordnung dementsprechend umformuliert.
„Landesweit hat es ein Votum für das Testen zu Hause gegeben“, sagt Mounajed. Das bringe mehr Sicherheit in die Schule, löse aber nicht das eigentliche Problem: „Die Lehrer müssen ebenfalls geimpft werden.“ Alles andere sei weniger als eine Notlösung.
„Lehrer müssen geimpft werden“
Mounajed sieht bei den Eltern seiner Schule eine breite Zustimmung zu der neuen Lösung, ihre Kinder zuhause zu testen. Trotzdem kann er sich vorstellen, dass einige Eltern in Niedersachsen auch Klagen anstrengen werden, weil sie mit der Lösung nicht einverstanden sind. Für diesen Fall können die Schüler eben ihre Aufgaben digital bekommen.
Auch andere Hildesheimer Schulleiter haben bereits vor Ostern signalisiert, dass sie mit der neuen Regelung zufrieden sind. In den Fällen, in denen die Schüler noch keine Test-Sets erhalten haben, können sie am 12. April einen aus ihrer Schule abholen – der sogenannte Abholtag. Jede Schule informiert ihre Eltern, welche Lösung praktiziert wird.
Erst Abholtag oder gleich Schulbeginn?
An der Gelben Schule wird zum Beispiel noch in diesen Tagen geklärt, an welchen Wochentagen die Schüler ihre Negativ-Bescheinigungen mitbringen müssen. Am meisten Sorgen macht sie sich über die Situationen, in denen Schüler vergessen haben, sich zuhause testen zu lassen. Wenn sie dann in der Schule positiv getestet werden sollten, gebe es ganz neue Probleme, sagt Hoff-Elfers: „Das wünscht sich keiner.“
