Hildesheim - Die Sperrung des Audimax der Universität Hildesheim sorgt für Aufregungen unter Veranstaltern. Kurzfristig sind Termine dort abgesagt, verlegt oder verschoben. Wie es über die laufende Woche hinaus aussieht, steht noch nicht fest. Das ist der aktuell Stand.
Klar ist, dass Fans von Salut Salon und Nicole Jäger leer ausgehen. Die Auftritte der Band beziehungsweise Stand-Up-Comedian am 4. beziehungsweise 12. April sind ersatzlos abgesagt. „Bereits gekaufte Tickets können an den Verkaufsstellen zurückgegeben werden, an denen sie gekauft wurden“, teilt der Veranstalter mit. Dort erhalten Kunden auch ihr Geld zurück.
Markus Maria Profitlich, Dire-Straits-Show, True Crime
Komiker Markus Maria Profitlich, der am Samstag, 5. April, im Audimax aufgetreten wäre, kommt an dem Tag auch nicht nach Hildesheim. Der Auftritt soll aber nachgeholt werden. „Wir suchen aktuell nach einem Ersatztermin“, teilt seine Agentur mit. Tickets behalten Gültigkeit. Mehr Glück hat, wer eine Karte für „One Night of Dire Straits“ gekauft hat. Die Tribute-Show zieht in die Halle 39. Termin und Uhrzeit – Sonntag, 13. April, um 19 Uhr – bleiben gleich.
Über den April hinaus jedoch stehen Fragezeichen neben geplanten Terminen. Im Konzertbüro Augsburg ist zumindest eine E-Mail aus der Universität Hildesheim eingegangen. Denn dort organisiert man „Tödliche Liebe“. Die populäre und umstrittene True-Crime-Show mit Alexander Stevens und Jacqueline Belle soll, Stand jetzt, am 16. Mai ins Audimax kommen. „Wir schauen, ob wir die Veranstaltung verlegen oder verschieben können“, heißt es vom Veranstalter. Sollte das nicht gelingen, sei auch ein Absage nicht ausgeschlossen. Wer eine Karte hat, wird dann informiert.
Zurückhaltung für den Herbst
Ähnlich handhabt es auch Mitunskannman.Reden. Das Unternehmen bespielt zahlreiche Termine im Audimax, unter anderem eben Salut Salon und Nicole Jäger. Über die Sperrung fürs Wochenende und den Monat habe die Uni am Donnerstagnachmittag (also 28. März) mündlich und Freitag schriftlich informiert. „Zu den Planungen für den Herbst können wir derzeit noch nichts sagen“, heißt es weiter. Im Oktober bis November stehen Auftritte von Alina Bock, Martin Reinl & Carsten Haffke, Lisa Eckhart und Florian Schröder auf dem Programm.
„Solange es keine Aussage gibt, dass diese Termine nicht stattfinden können, bleibt es für uns so, dass die Veranstaltungen wie geplant stattfinden werden“, teilt Mitunskannman.Reden mit. Man warte jetzt auf Informationen aus der Uni. Ähnlich hält es die Konzertagentur Piekert, Veranstalter der Dire-Straits-Show. „Zum aktuellen Zeitpunkt laufen die Planungen für unsere Veranstaltungen Wolfgang Trepper am 16. und Ingrid Kühne am 28. November weiter wie bisher“, heißt es von dort.
An der Uni gibt es keine Alternativen
Auch Raimund Steiniger äußert sich zurückhaltend. Der Veranstalter aus Hildesheim organisiert gerade eine Reihe, am 10. Mai soll Puppenspieler Werner Momsen kommen. Offiziell, sagt er, wisse er nur, was in der Zeitung steht. „Solange ich nichts schriftlich habe, kann ich zu Änderungen nichts sagen“, erklärt er. Anfang der kommenden Woche, sei ihm angekündigt worden, soll er von der Uni über die Dauer der Sperrung informiert werden.
Klar ist für ihn, dass er nicht noch einmal in einen Hörsaal ausweicht. So war er noch vergangenen Samstag, 29. März, mit Carmela de Feo verfahren. „Am Donnerstagabend habe ich den Anruf gekriegt“, erzählt er. „Dann habe ich ein kleines Theater in den Hörsaal gebaut.“ Publikum und Musikkomödiantin nahmen es mit Humor. „Aber das ist keine Dauerlösung.“ Sollte das Audimax länger nicht zur Verfügung stehen, wird es eng für Veranstaltungen dieser Art, meint Steiniger. Der Hörsaal hat mit 580 Plätzen und einer Bühne genau die richtigen Dimensionen und Voraussetzungen für Veranstaltungen dieser Größe. Alternativen fehlen sonst in Hildesheim.
So sieht es im Theater für Niedersachsen aus
In die große Halle der Kulturfabrik passen 170 Stühle. Kufa-Geschäftsführer Stefan Könneke teilt auf Nachfrage mit, dass sein Haus „gerne bereit“ sei, Veranstaltungen zu übernehmen. „Aber wir können nicht in die Vollen gehen, dafür sind wir nicht groß genug.“ Das neue thim vom Theater für Niedersachsen (tfn) fasst 152 Gäste, das Große Haus immerhin 540. „Grundsätzlich“ vermiete das tfn auch beide Räume, bestätigt tfn-Verwaltungsdirektorin Claudia Hampe. Die Verfügbarkeit ist aber durch den eigenen Betrieb mit Vorstellungen und Proben eingeschränkt.
Die Theaterferien im Sommer wiederum nutzt die Haustechnik oft für aufwendigere Instandhaltungs- oder Baumaßnahmen, so auch dieses Jahr. „Deshalb muss für jede Veranstaltung einzeln geprüft werden, was möglich ist.“ Im Theaterhaus finden 50 Leute einen Platz, bei Vorführungen für Kinder mit Sitzkissen vielleicht 70 Leute. „Wir würde nicht per se absagen“, betont Leonie Friedel, im Haus für Veranstaltungsorganisation und Raumdisposition zuständig. „Aber wir sind bis zum Sommer auch schon fast durchgängig ausgebucht.“
Die Halle 39 wäre eine Möglichkeit
Bleibt die Halle 39, wohin ja auch schon die Dire-Straits-Tribute-Show ausweicht. „Wir sind auch mit anderen Veranstaltern in Gesprächen“, bestätigt Hausherr Matthias Mehler. Die Uni weise Veranstalter auf diese Möglichkeit hin, die Event Werft bietet dann „Sonderkonditionen“, wie Mehler betont. „Wir wollen retten, was zu retten ist.“ Die Halle 39 lässt bestuhlt ein Publikum von 2300 Leuten zu. Weil die Bühnnerückwand beweglich ist, funktionieren aber auch Veranstaltungen für gerade 200 Leute. Für Veranstalter ein Nachteil dort: Die Gastronomie übernimmt das Haus selbst. Die Einnahmen fallen also weg.
Tanzhaus und Vier Linden
Zwei weitere Optionen: das Tanzhaus und das Vier Linden. Im Tanzhaus findet auch die Komische Nacht statt. Wobei die Tickets dabei über mehrere Locations gestreut somd. Ins Tanzhaus selbst passen für so eine Veranstaltung maximal 200 Leute. Jens Schulte-Koch, der die Räume vermietet, will trotzdem nicht per se absagen. Aber im Einzelfall müsse auch mit Mietern wie dem Taktwerk oder der Kupferschmiede eine Einigung gefunden werden.
Der Ballsaal im Vier Linden eignet sich, laut Internetseite, für „600 Personen“. Hausherr Martin Schüler schränkt aber ein: Das beziehe sich auf unbestuhlte Veranstaltungen. Mit Stühlen habe er mal für 250 Leute zu Kay Ray reinbekommen. „Wir sind absolut nicht vergleichbar mit dem Audimax“, betont er. Bei so einer geringen Zahl an Gästen und Bestuhlung zweifelt er auch, dass sich eine Veranstaltung in einem privatwirtschaftlichen Rahmen überhaupt rechnen würde.
