Wasserkamp

Wie geht es weiter mit dem Hildesheimer Baugebiet Wasserkamp?

Hildesheim - Die Stadtverwaltung will die Ergebnisse zu den Bauvarianten Mitte März vorstellen. Die großen Parteien im Stadtrat über ihre Tendenzen, wie sie die Pläne bisher bewerten.

Beim Workshop Mitte Januar hat die Verwaltung mit Bürgern zum Thema Wasserkamp diskutiert. Nun sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Drei Varianten zur Bebauung des Wasserkamps gibt es – über alle drei haben Vertreter der Stadt mit Bürgern diskutiert – Mitte Januar war das. Mitte März sollen nun die Ergebnisse und überarbeiteten Bauvarianten vorgestellt werden, damit sich die Parteien ein Bild machen können, wohin die Reise gehen könnte. Dafür gibt es aber bereits erste Tendenzen.

Und Faktoren, die erheblichen Einfluss auf die Pläne haben. Allen voran die ständig steigenden Baukosten. Neben der Umweltverträglichkeit standen die auch während des Bürgerdialogs im Januar ganz oben auf dem Fragenkatalog. Können Sie am Ende das ganze Projekt zum Stoppen bringen?

Eigentlich nicht. Denn trotz politisch unterschiedlicher Haltungen haben sich die meisten Fraktionen im Stadtrat bereits pro Wasserkamp positioniert. Wenn auch mit zahlreichen Bedingungen, an die ein endgültiges Ja geknüpft wird. Wie zum Beispiel bei der CDU, die zwar in der Opposition sitzt, die aber bereits erklärt hat, dass Hildesheim neuen Wohnraum benötigt.

CDU-Fraktionschef Dennis Münter bestätigt das auf Anfrage der HAZ. Seine Fraktion habe bei den drei bisher vorgelegten Varianten für eine Bebauung auch schon einen Favoriten – die sogenannte Insellösung. Dabei soll wie in einem Atoll die Wohnbebauung in Form einzelner Inselflächen entstehen, um die der Verkehr fließen soll.


Bebauungs-Variante II: die Inseln

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CDU tendiert zur Insel-Variante

Auf diese Weise könnte man sich bei der Bebauung Insel für Insel nacheinander vornehmen, sagt Münter. Er geht nicht davon aus, dass die Bebauung in einem Guss erfolgen kann. Das hatte im Vorfeld bereits auch Stadtbaurätin Andrea Döring erklärt. Der Wasserkamp werde abschnittweise bebaut. Ein Start wäre vor 2025 oder 2026 auch nicht wahrscheinlich.

„In jedem Fall muss das Bauen für Normalbürger erschwinglich bleiben“, legt sich Münter beim Wasserkamp fest. Ein Wohngebiet für Reiche lehnt er ab. Der Bürgerinitiative, die gegen die Bebauung eintritt, zollt er großen Respekt: „Sie leistet eine tolle Arbeit und hat gute Argumente geliefert.“ Die ihn aber nicht davon abhalten, dass Hildesheim weiteren Wohnraum schaffen muss. Auch auf dem Wasserkamp.

Bedingungen der SPD

„Es gibt einfach den Bedarf für Einfamilienhäuser und den Wunsch vieler Familien, sich diesen Traum erfüllen zu können“, sagt Münter. Das betreffe eben auch den Wunsch nach einem eigenen Auto. Bei der Frage, ob es ein „autoarmes Wohngebiet“ werden soll, bleibt Münter zurückhaltend. Man müsse in jedem Fall die Erreichbarkeit der Grundstücke sicher stellen und an die Menschen denken, deren Mobilität eingeschränkt ist.

Auch die SPD hat ihre Zustimmung an Bedingungen geknüpft. Dazu hat sie im Vorfeld ein umfangreiches Papier vorgelegt. „Wir wollen uns nun die Ergebnisse des Bürgerworkshops anschauen“, sagt Dr. Rita Weber von der SPD-Ratsfraktion. Die habe die vorgelegten Varianten zwar diskutiert, aber noch keine Entscheidung dazu getroffen. Eines jedenfalls sei klar: „Wir brauchen neuen Wohnraum.“


Bebauungs-Variante I: drei Riegel

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Die rote Linie: sozialer Wohnungsbau

Dabei sei die Zustimmung der SPD an eine klare Bedingung geknüpft: „Der soziale Wohnungsbau muss gesichert sein. Das ist unsere rote Linie.“ Doch gerade bei dem Thema seien viele Investoren und auch Wohnungsbaugesellschaften zurückhaltender geworden. Erst vor kurzem hatte zum Beispiel die Kreiswohnbaugesellschaft (kwg) Hildesheim erklärt, ab 2025 angesichts der hohen Baukosten und Zinsen keine neuen Projekte an den Start bringen zu wollen.

Deswegen setzt Weber darauf, die Sahnestücke auf dem Wasserkamp möglichst hochpreisig zu verkaufen, um dadurch als Stadt den Sozialen Wohnungsbau mitfinanzieren zu können. Ein klarer Widerspruch zu der Position der CDU, Münter betont ausdrücklich die Bezahlbarkeit für Normalbürger.

Das Nein der Grünen

Ein klares Nein zu den Bauplänen gibt es bei den Grünen/Bündnis 90, die zur Mehrheitsgruppe im Stadtrat gehören. „Nicht das Wie, sondern das ob ist für uns die Frage“, sagt Fraktionschef Ulrich Räbiger. Ein Grund sei die Nähe zum Naturschutzgebiet und die weitere Versiegelung von landwirtschaftlicher Fläche. „Wie weit wollen wir noch gehen?“, fragt er.

Außerdem sinke die Bevölkerungszahl auf lange Sicht, daher sei es besser, die vorhandenen Leerstände im Bestandsbau zu nutzen, um Wohnraum zu schaffen. Und er habe große Zweifel, ob angesichts der hohen Grundstücks- und Baukosten Sozialer Wohnungsbau auf dem Wasserkamp überhaupt noch realisierbar sei.


Bebauungs-Variante III: die Strahlen

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Große Hürden für nächste Sitzung

Große Hürden also, die die Verwaltung überwinden muss, um die Planungen voranzubringen. Wie und ob das gelingen kann, zeigt sich unter anderem in der nächsten Sitzung des Ausschusses zur Stadtentwicklung, der gemeinsam mit den beiden Ortsräten Marienburger Straße/Galgenberg und Itzum-Marienrode tagt. Termin ist am Mittwoch, 15. März, um 17.30 Uhr im Rathaus. Die Sitzung ist öffentlich.

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