Wasserkamp-Bürgerbeteiligung

Wird es bezahlbar werden? Die zentrale Frage der Bürger zum Hildesheimer Wasserkamp – und ein Tag voller Diskussionen

Hildesheim - Das Interesse ist groß, es gibt viele Fragen und natürlich Kritik von den Gegnern des geplanten Baugebiets. Welche Sorgen und Themen beim Bürger-Workshop zum Hildesheimer Wasserkamp diskutiert wurden (mit Kommentar).

Bürger-Workshop zum Thema Wasserkamp-Bebauung in der Heinrich-Engelke-Halle: Das Interesse ist groß. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Reden hilft. Das hat der mehrstündige Bürger-Workshop zum Thema Wasserkamp mit rund 160 Teilnehmern am Samstag gezeigt, der in der Heinrich-Engelke-Halle begann. Auch wenn sich die erklärten Gegner des Bauvorhabens erwartungsgemäß nicht von den Argumenten der Stadt und der Planer überzeugen lassen, drückt doch eine Teilnehmerin die Stimmung treffend aus: „Jetzt habe ich erst viele der Punkte richtig verstanden.“

Wie sicher ist, dass gebaut wird?

Und das betrifft vor allem die Frage, ob das Baugebiet schon fest beschlossen ist. Wenn nicht, dann müsse man auch nicht über ein Wie diskutieren, kommt immer wieder Kritik vor allem von Gegnern auf. Doch, argumentieren Stadtbaurätin Andrea Döring und Planerin Sandra Brouër einhellig. Denn die Verwaltung hat den Auftrag, alles zu prüfen und Vorschläge zu erstellen, wie auf dem Ackerboden eine neue Siedlung aussehen könnte. Und das hat bisher bereits acht Millionen Euro gekostet. Ob der Rat am Ende zustimmen wird, werde sich im Verlauf dieses Jahres zeigen. Und darauf habe auch dieser Workshop Einfluss, so Döring.

Das bestätigt auch Dennis Münter, CDU-Fraktionschef im Rat: „Wir werden kein Baugebiet für die Elite schaffen, es muss für Normalverdiener erschwinglich sein, dort zu bauen.“ Aber er lässt auch keinen Zweifel daran, dass der Bedarf an Wohnraum weiterhin groß sei: „Wenn wir das nicht machen, dann bauen die Menschen eben ins Umland. Aber uns fehlen dann die Steuerzahler hier.“

Bedarf an Wohnraum ist groß

Daher stellt sich – im Forum, in dem es ums Grundsätzliche geht – aber vor allem in den verschiedenen Themenräumen auch immer wieder die Frage, wie stark die ökologischen Auflagen für das Bauen auf dem Wasserkamp die Kosten in die Höhe treiben wird. 

Wenn zum Beispiel die Wärme über ein Grundwasserleitungssystem mit Brunnen und Wärmepumpe ganze Teilbereiche der Wohnfläche versorgen soll. Abgesehen davon, dass diese Energieversorgung samt der geplanten Photovoltaik-Anlagen noch mit dem Makel behaftet ist, dass ihre Einspeisung für die Mietwohnungen rechtlich noch unsicher ist. Erst jüngst haben die Wohnbaugesellschaften für ihre Projekt im Ostend mitgeteilt, dass für sie Mieterstrommodelle nicht infrage kommen.

Mieterstrommodelle

Neben der Energiefrage, dem Landschaftsschutz geht es aber vielen Interessierten auch um das Thema Mobilität, bestätigt Felix Cieplitz von der Stadtverwaltung. Viele der Interessenten haben die Sorge geäußert, dass sie dort mit ihrem Auto nicht vor ihr Haus fahren können: „Der Gedanke, ohne eigenes Auto dort zu leben, ist vielen noch fremd.“

Als Parkoption sind Quartiersgaragen geplant. Doch wer bezahlt die eigentlich? Das will zumindest eine Besucherin der Veranstaltung wissen. Was ist, wenn man kein Auto nutzt? Wird man dann auch an den Kosten beteiligt? Eine Frage, die sich künftig auch für das geplante Wohngebiet Pappelallee am Moritzberg stellen wird.

Leerstände nutzen – reicht das?

Auch die Frage, ob man nicht Leerstände in Hildesheim, auch von Geschäftshäusern, fürs Wohnen nutzen soll, um nicht am Wasserkamp bauen zu müssen, ist immer wieder ein vorgebrachtes Argument. CDU-Ratsherr Frank Wodsack betont, dass reiche bei weitem nicht für den Bedarf. Deswegen sei für ihn ein „reines Nein“ zum Wasserkamp zu kurzsichtig.

Er sagt aber auch: „Jedes Ratsmitglied wird sich genau überlegen, wie es sich am Ende entscheiden wird, wenn es um den endgültigen Beschluss gehen wird.“ Daher sei dieses Bürgerformat auch so wichtig für die Meinungsbildung: „Ich habe das in solcher Qualität seit 20 Jahren in Hildesheim nicht erlebt.“

Lob für das neue Format

Abschließend zieht Andrea Döring auf HAZ-Nachfrage Bilanz. Sie hatte als Moderatorin besonders bei den Gegnern keinen leichten Stand gehabt, aber immer wieder Applaus bekommen, wenn sie auf den respektvollen Umgang miteinander hinwies. „Es gab auch viele Interessenten, die über Gemeinschaftsprojekte gesprochen haben“, sagt sie. Sie sei über alle Anregungen dankbar.

Auch die Kosten und die Bezahlbarkeit sei ein zentrales Thema, auf das es noch keine Antworten gibt. Wenn klar ist, dass gebaut werden kann, könne sich immer noch vieles verändern: „Wir beobachten den Wohnungsmarkt sehr genau.“ Der Wasserkamp würde abschnittsweise gebaut werden. Vor 2025 oder 2026 rechne sie nicht mit einem Start. Auch die Größe und Zahl der Wohneinheiten, bisher etwa 700, könne sich verändern. Es hätten auch ältere Menschen Interesse gezeigt, die allein oder zu zweit leben. Wie viele Menschen künftig dort wohnen werden, sei also noch offen.

Viele Fragen bleiben offen

Und viele der angesprochenen Themen seien parallel in Planung: wie die Anbindung ans Radwegenetz oder die Umnutzung von Quartiersgaragen als Mobilitätsstationen. Als Nächstes werde nun der Workshop ausgewertet. Ein erstes Ergebnis dürfte es dann am Mittwoch, 8. März, im Stadtentwicklungsausschuss geben, sagt Döring. Zur Februarsitzung werde es wohl nicht klappen. Der Ausschuss tagt von 17.30 Uhr im Rathaus. Die Sitzung ist öffentlich.


Kommentar: Der Wasserkamp geht nicht nur Itzumer etwas an

Mit dem Workshop zur möglichen Wasserkampbebauung hat die Verwaltung gezeigt, dass sie gut moderieren kann. Gut auch, dass klar geworden ist, dass das Baugebiet Wasserkamp nicht in Stein gemeißelt ist, obwohl die Planungsbüros sehr ins Detail gegangen sind und moderne, innovative Lösungen für die Bebauung und Energieerzeugung vorgestellt haben. Entscheidend wird am Ende sein, wie teuer das Bauen dort wird. Das dürfte an diesem Tag vielen klar geworden sein. Aber es wurde noch etwas klar: Es ging nicht nur um den Wasserkamp. Die Veranstaltung war für viele Besucher ein Anlass über die Themen zu sprechen, die ganz Hildesheim betreffen: Mobilität und Klimaschutz geht eben alles etwas an. Das sollten die Verwaltungsvertreter unbedingt als weiteres Ergebnis mit ins Rathaus nehmen.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.