Hildesheim - Die eine gute Nachricht ist, weil die Sieben-Tage-Inzidenz in Hildesheim mittlerweile stabil unter 35 liegt, lässt die Landesregierung die Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht zu. Die zweite gute Nachricht ergibt sich aus einer Umfrage der HAZ-Redaktion an Schulen verschiedener Schulformen: Sowohl Lehrer und Lehrerinnen als auch Schüler und Schülerinnen entscheiden sich weiterhin für das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.
Spiegel online zitiert aktuell eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGow, nachdem 59 Prozent der Befragten es für an der Zeit halten, die Maske in Schulen abzunehmen. Doch die Betroffenen in Hildesheim und Berufsverbände entscheiden sich offensichtlich anders. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wie auch der Deutsche Lehrerverband warnen vor eine zu frühen Lockerung.
Andreanum: Maske als Empfehlung
Das Hildesheimer Gymnasium Andreanum hält sich ganz an die aktuelle Landesverordnung. „Das Tragen von Masken ist keine Pflicht, aber eine Empfehlung“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Ruth Wallis, „auf allen Fluren und dort, wo es räumlich eng wird, muss die Maske aber weiterhin getragen werden“, fährt sie fort, „innerhalb einer Kohorte, also eines Klassenverbandes im Unterrichtsraum gilt die Maskenpflicht dagegen nicht mehr.“
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Ihren Beobachtungen zufolge würden die einzelnen Klassen sehr unterschiedlich mit der neu gewonnenen Lockerung umgehen. „Es gibt Klassen, die ihre Masken weiterhin komplett tragen, aber auch solche, die von Tag zu Tag etwas lässiger damit umgehen“, meint Wallis, „gerade jetzt, wo es wärmer wird, kann ich das nachvollziehen.“
Kollegium ist in Kürze durchgeimpft
Die Fenster im gesamten Gebäude seien weiterhin ständig geöffnet. „Und Mitte dieser Woche werden alle Mitarbeitenden bei uns im Haus vollständig durchgeimpft sein“, freut sich Wallis. Das betrifft etwa 100 Mitarbeitende, rund 80 davon sind als Lehrkräfte am Andreanum tätig.
Ähnlich läuft der Schulalltag in den Grundschulen Moritzberg und Himmelsthür. „Wo der Mindestabtand nicht eingehalten werden kann, gilt die Maskenpflicht weiterhin“, erklärt Marina Loß, Konrektorin der sogenannten Gelben Schule, „im Klassenraum kann die Maske abgenommen werden, und da die Klassen geschlossen auf den Schulhof gehen, können sie auch dort die Maske abnehmen.“
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Gelbe Schule: Mindestabstand entscheidet über die Maske
Für die Grundschule Himmelsthür gilt das nicht, „da wir uns den Schulhof und dem Hort teilen“, erklärt Himmelsthür-Schulleiter Constantin Freche, „mit ausreichend Abstand zueinander können die Klassen zum Singen oder Bewegen aber kleinere Pausen draußen machen“.
Die Vorsicht scheint sich aber längst im Alltag der jungen Leute etabliert zu haben. Loß erlebt immer wieder, „dass viele der 295 Schülerinnen und Schüler ihre Maske beim Gang zur Tafel oder zum Mülleimer automatisch aufsetzen.“
Schüler setzen Maske automatisch auf
Die Corona-Pandemie hätte den Schul-Alltag verändert. „Ich finde, dass wir durch diese harte Zeit ein Stück mehr zusammengerückt sind und noch mehr aufeinander achten“, stellt Loß fest. Der Großteil des Kollegiums und der Mitarbeitenden in den beiden Grundschulen sei inzwischen geimpft.
„Einzig im Lehrerzimmer ist es manchmal schwierig, wenn jemand etwas essen möchte, aber noch andere Kolleginnen und Kollegen im Raum sind“, erklärt Loß, „Dienstbesprechungen machen wir wenn möglich online“, sagt Loß abschließend.
Sorge vor der vierten Welle
Laut Freche seien die Schüler momentan die größere Sorge. „Wir hoffen, dass nicht noch eine vierte Welle kommt, sondern wir gut im Szenario A arbeiten können.“ Also im Präsenzunterricht.
Und genau das ist der Grund, weswegen sich zum Beispiel das Kollegium der Renataschule in Ochtersum entschieden hat, weiterhin ständig die Maske zu tragen, teilt deren Rektorin Melanie Mademann mit. Das gelte auch für die Schüler: „Die fühlen sich wohler, wenn sie die Maske tragen.“ Es sei zwar erlaubt, sie nicht zu tragen. Aber viele lege sogar Wert darauf, die FFP2-Masken zu tragen.
Renataschule: auch Distanzunterricht
Allerdings gebe es einige wenige Eltern, die sich entschieden haben, ihre Kinder weiter im Distanzunterricht – also zu Hause – zu lassen. Solange die Testpflicht besteht, sei das möglich, sagt Mademann. Doch gebe es für das Angebot des Homeschoolings nur eine „abgespeckte Version“.
Einen anderen Weg hat die Friedrich-List-Schule gewählt. „Wir haben unsere Schüler gebeten, die Masken weiterhin im gesamten Gebäude zu tragen“, erklärt Ulrich Brockhaus, stellvertretender Schulleiter, „das bezieht sich auch auf den Unterricht in unseren offenen Klassenzimmern.“
Friedrich-List: Masken im gesamten Gebäude
Die Bitte kam aus dem Kollegium und sei bei den Schülern auf viel Verständnis gestoßen. Aktuell hat die berufsbildende Schule in der Wollenweberstraße etwa 1700 Schülerinnen und Schüler. Dazu kommen etwa 15 Mitarbeitende und rund 80 Lehrkräfte. „Wir sind alle einmal durchgeimpft“, berichtet Brockhaus aus dem Kollegium und der Belegschaft, „in zwei Wochen erhalten dann alle, die sich dafür gemeldet haben, ihre zweite Impfung.“
von Sabrina Kleinertz und Norbert Mierzowsky
