Lamspringe/Kreis Hildesheim - Justus Lüder ist mit seiner Firma „JL re Erneuerbare“ einer von zwei potenziellen Projektentwicklern für Windparks in der Gemeinde Schellerten – und hat noch weitere mögliche Projekte im Kreisgebiet im Visier. Lüder ist auch Kreistagsabgeordneter für die oppositionelle CDU und als stellvertretender Landrat einer der obersten Repräsentanten des Landkreises. Ein Konflikt? Die HAZ hat mit ihm gesprochen.
Herr Lüder, Sie sind stellvertretender Landrat – und als Unternehmer planen Sie Projekte, die der Landkreis genehmigen müsste. Ist das nicht ein klarer Interessenkonflikt?
Ich finde das überhaupt nicht. Ich kann keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Kreisverwaltung nehmen, etwa bei Baugenehmigungen. Das sind Geschäfte der laufenden Verwaltung, wo wir als Kreistag keine Mitspracherechte haben und somit keinen Einfluss. Und es gibt noch einen Aspekt.
Welchen?
Ich finde es wichtig, dass im Kreistag neben vielen anderen Berufsgruppen auch Unternehmer vertreten sind, um auch diesen Teil der Bevölkerung abzubilden. Dann darf man aber auch für sein ehrenamtliches Engagement nicht dafür bestraft werden, indem man in seinem Heimat-Landkreis keine Geschäfte machen kann.
Wie viele Windpark-Projekte verfolgen Sie denn aktuell im Landkreis?
Bis zu neun Projekte im Landkreis Hildesheim. Insgesamt sind es 40, in Niedersachsen, aber auch in den neuen Bundesländern. Ich mache das schon seit 15 Jahren, viel länger, als ich im Kreistag sitze.
Könnten Sie den Kreis Hildesheim nicht einfach auslassen, um jegliches Misstrauen auszuräumen?
Im Gegenteil. Ich sehe aus den genannten Gründen kein Problem. Und darüber hinaus ist es mir wichtig im Rahmen der Kreisentwicklung, die Energiewende im Kreis Hildesheim voranzubringen und darauf zu achten, dass der Strom auch möglichst regional verbraucht wird. Und zwar mit Projekten, bei denen die Wertschöpfung auf Dauer hierbleibt und die Windparks nicht irgendwann an Investoren verkauft werden, die dann erstmal keine Gewerbesteuer zahlen. Ich stehe für einen wirklich lokalen Ansatz. Unternehmen werden in Zukunft sich dort ansiedeln, wo sie Zugang zu lokal produziertem grünen Strom haben werden.
