Hildesheim - Selten war hier das Interesse an einer Ortsratssitzung größer: Vor rund 40 Bürgerinnen und Bürgern stellten Sozialdezernent Malte Spitzer und Stadtbaurätin Andrea Döring in dem für den Stadtteil Marienburger Höhe/Galgenberg ihr Vorhaben zu den geplanten Sammelunterkünften für Geflüchtete vor. Sie blickten dabei in die Gesichter ernst dreinblickender Bürger. Die Notlage der Stadt bei der Suche nach Standorten für entsprechende Container- oder Modulbauten machte Spitzer deutlich: „Wir haben alles untersucht, aber es gibt keine großen Objekte für die Flüchtlingsunterbringung mehr im Stadtgebiet.“
Um die weiterhin anhaltend hohe Zahl von ankommenden Asylbewerbern und -bewerberinnen unterbringen zu können, plant die Stadt drei längerfristige Sammelunterkünfte. Neben Standorten am Pferdeanger und auf dem ehemaligen Bosch-Bus-Parkplatz in Neuhof soll auch ein Containerdorf auf einem Teil des Parkplatz am Südfriedhof entstehen. Auf einer Fläche von etwa 2000 Quadratmetern will die Stadt bis zu 130 Geflüchtete unterbringen. Allein die Planungskosten liegen laut Stadt für einen Standort bei 120.000 Euro.
Döring: „Frage der gesamtstädtischen Solidarität“
„Es ist unser Ziel, 400 Flüchtlinge für mehrere Jahre unterzubringen“, erklärte Spitzer am Dienstag im Ortsrat. Die Planungen für die Sammelunterkunft in der Südstadt stellte Stadtbaurätin Andrea Döring vor – und sie kündigte einen engen Zeitplan an. „Der erste Standort muss im vierten Quartal 2024 bezugsfertig sein.“ Schon jetzt ist allerdings klar: Reichen werden die drei Containerdörfer bei fortgesetztem Zuzug Geflüchtete lediglich bis Sommer 2025. Die aktuelle Quote von Geflüchteten, die die Stadt von Oktober bis März unterbringen muss, liegt bei 471 Personen. „Die Quote wird anschließend fortgeführt“, sagte Spitzer. „Wir reden von einer Krise.“
„Wir werden die ganze Stadt beplanen müssen“, sagte Döring. „Das ist eine Frage der gesamtstädtischen Solidarität.“ Für die jeweiligen Standorte muss der Hildesheimer Stadtrat noch grünes Licht geben, wenn es nach der Verwaltung geht möglichst noch im Dezember. Sozialdezernent Spitzer warnte schon einmal vorsorglich: „Wenn ein Standort nicht genehmigt wird, werden die anderen Standorte größer.“
Sorgen der Kitas und Schulen – und was die Stadt plant
Die Aussicht auf bis zu 460 zusätzliche Geflüchtete in den drei Ortsteilen hatte auch Fragen zur Kinderbetreuung aufgeworfen, denn: Rund 31 Prozent derjenigen, die in Deutschland von Januar bis Oktober 2023 einen Antrag auf Asyl gestellt haben, waren laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unter 18 Jahren alt. „Wir haben gerade den 1000. Flüchtlingsschüler an einer städtischen Schule aufgenommen“, berichtete Spitzer – und räumte ein: „Viele Schulen sind am Limit.“
Auch deshalb hatten mehrere Rektoren und Rektorinnen bereits vor der Sitzung gefordert, die zusätzliche Last unter den Schulen gerecht aufzuteilen. „Es ist ungünstig, einzelne Schulen über die Maße zu belasten“, erklärte etwa Anja Büscher von der Grundschule Auf der Höhe jüngst gegenüber der HAZ.
Spitzer: Gerechte Verteilung auf Schulen
Den Sorgen aus den Schulen wurde offenbar Gehör geschenkt: So kündigte Spitzer im Ortsrat an, die geflüchteten Kinder gerecht auf alle Schulen zu verteilen. Wie viele Familien mit Kindern kommen, ist aber noch unklar. Bei den Kindergärten ist die Stadt dagegen offensichtlich erst am Anfang der Planungen. „Wir überlegen mit viel Improvisationsgeist, wie wir die Kinder gut betreuen können“, sagte Spitzer.
Ortsbürgermeister Norbert Frischen (Bündnis90/Grüne) zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit dem Konzept der Stadtverwaltung. „Die Vorstellung war konstruktiv von allen Seiten“, erklärt er einen Tag nach der Sitzung. „Wir können den Standort nachvollziehen.“ Die Stadt sollte seiner Meinung nach so lange wie möglich andere Möglichkeiten ausschöpfen, als Turnhallen zu belegen.
Keine unbegleiteten minderjährigen Ausländer in Containern
Fragen gab es in der Sitzung schließlich zur möglichen Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Ausländer – UMAs genannt – anbelangt. Spitzer blieb in seinen Antworten vage. „UMAs sind Aufgabe des Jugendamtes, also des Landkreises“, sagte er. „In den Containerdörfern werden nur Familien mit Kindern oder Erwachsene untergebracht.“ Allerdings sei „nicht von der Hand zu weisen“, dass der Landkreis UMAs im Stadtgebiet unterbringen könnte – nur eben nicht in den Containerdörfern.
