Hildesheim - Der Entscheidung ging ein Tumult voraus: Im Juni vor zwei Jahren hatte der Rat nach hitziger Debatte mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Stadt an einigen Ampeln statt der üblichen Figuren „Ampelmenschen in vielfältigen und queeren Konstellationen der Liebe“ einsetzen soll. Am Donnerstag hat eine Fachfirma den Auftrag umgesetzt.
In insgesamt 14 grünen Ampelscheiben an sieben Standorten in der Innenstadt leuchten nun verschiedene Paar-Konstellationen: eine Frau mit einer Frau, ein Mann mit einem Mann und eine Frau mit einem Mann. Zu sehen sind die Signale an der Ecke Schuhstraße/Fußgängerzone, der Kreuzung Goslarsche Straße/Gartenstraße und an der Kreuzung Kardinal-Bertram-Straße/Kurzer Hagen/Michaelisstraße. Die Umrüstung der Ampeln sei als Symbol für Toleranz und Weltoffenheit gegenüber den unterschiedlichsten Beziehungsformen gedacht, betont die Verwaltung in einer Pressemitteilung. Das Rathaus gibt die Kosten mit rund 2.000 Euro an.
Umrüstung der Ampeln geschieht rechtzeitig zum ersten Christopher Street Day in Hildesheim
Damit gibt es nun rechtzeitig zum ersten Christopher Street Day an diesem Sonnabend auch in Hildesheim so genannte Vielfaltsampeln. Dabei hatte das Rathaus vor der Umsetzung des Beschlusses eigentlich erst die Entscheidung des Verwaltungsgerichts über zwei Klagen von Enver Sopjani abwarten wollen. Der Politiker der Interkulturellen Liga (IKL) hatte gleich zwei Verfahren angestrengt: Eins in seiner Eigenschaft als Ratsherr, das zweite als Bürger. Denn die Straßenverkehrsordnung sehe keine schwulen oder lesbischen Ampelfiguren vor, argumentierte der IKL-Vertreter. Der sah sich zudem durch die Vielfaltsampeln in seinem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt.
Zwar sind beide Klagen noch nicht entschieden. Man habe aber nun im Einvernehmen mit dem Verwaltungsausschuss des Stadtrates darauf verzichtet, den Ausgang der Verfahren abzuwarten, erklärte Sprecher Miethe am Donnerstag. Denn nach der bisherigen Rechtsprechung und den Erfahrungen anderer Städte, die schon vor einigen Jahren Vielfaltsampeln installiert hätten, sei davon auszugehen, dass rechtlich auch künftig nichts gegen diese sprechen werde.
