Hildesheim - Einkaufen nur noch mit negativem Test – für Florian Braune von Corona Freepass war die Arneken Galerie der ideale Standort in der Stadt für ein Testzentrum. Doch der Modellversuch einer „sicheren Zone“ liegt auf Eis. Kein Wunder also, dass zur Eröffnung des Testzentrums am Donnerstag im Erdgeschoss noch wenige Kunden kamen.
Die Schlange vor dem H&M-Geschäft ist lang, in den leeren Räumen des ehemaligen Schuhkay, wo sich nun das Testzentrum befindet, warten die beiden Mitarbeiterinnen von Braune lange vergebens auf Kunden. Menschen, die zudem nichts zu bezahlen brauchen. Knapp zehn Leute waren an diesem Tag zwischen 9.30 und 15.30 Uhr da, um sich für einen Corona-Schnelltest registrieren zu lassen. Anonymisiert, versteht sich, sagt Braune.
Eigene App für Dauertests
Dafür hat er eigens eine App entwickelt, die ab Montag, 26. April, auf den Plattformen von Apple und für Androidgeräte zum kostenlosen Herunterladen angeboten wird. Man kann sowohl einen Termin buchen, als auch auf diese Weise künftig zügiger durch den Testdurchlauf kommen. Und der ist an sich schon schnell. Ankommen, einchecken, weiter zur Selbsttest-Station, und das war es.
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80 Kunden pro Stunde, dann würden die Kosten aufgefangen, die Braune derzeit dort für Miete (1500 Euro pro Monat) und Personal sowie Material investiert. Ohne Gegenwert derzeit. Denn wie andere Anbieter auf dem Markt starren alle auf den Geldhahn, den die Kassenärztliche Vereinigung irgendwann öffnen wird, um die Pauschale pro Testpaket zu bezahlen. Für die Bürgerinnen und Bürger ist der Test einmal pro Woche kostenlos.
Wie wird abgerechnet?
Ein unternehmerisches Risiko also, dass sich aber für Braune und seine Mitbewerber möglicherweise auf lange Sicht lohnen könnte. Denn trotz der anlaufenden Impfkampagne bleibt das Ansteckungsrisiko weiterhin hoch. Selbst nach der Karenzzeit nach einer zweiten Impfung gebe es keine hundertprozentige Sicherheit, dass man nicht doch zum Überträger werden kann, sagt Braune. Und auch der Impfstoff selber habe eine begrenzte Wirkung. Irgendwann sei eine Auffrischung nötig.
Für die Abrechnung ist jeweils die örtliche Kassenärztliche Vereinigung zuständig. Derzeit rechnet die 15 Euro bei Ärzten, 12 Euro bei Apothekern und anderen nichtärztlichen Anbietern ab. Doch die Tarife sollen laut Bundesvereinigung der Kassenärztlichen Vereinigungen im April auf höchstens 6 Euro sinken. Abgerechnet werden könnten aber auch Betriebskosten. Es ist also einiges noch offen. Auf der Gegenseite der Rechnung sind die Einkaufskosten für Schnelltests. Online oder beispielsweise bei Aldi Nord liegt der Preis derzeit pro Test bei rund 5 Euro, im gewerblichen Einkauf selbst dürfte der aber deutlich niedriger liegen. Eine Umsatzkalkulation, die sich am Ende über die Menge auszahlen könnte.
Hoffen auf Großveranstaltungen
Braune ist für eine Hamburger Firma tätig, die in mehreren Großstädten Testzentren geöffnet hat. Und die in der Lage ist, personell und mit einer digitalen Software schnell auch größerer Menschenmengen durchzutesten. Wie bei Veranstaltungen eben. Wenn plötzlich wieder Tausende anstehen, um Einlass zu einem Fußballspiel oder Konzert zu begehren – mit einem gültigen Test.
In Hildesheim gibt es mittlerweile zahlreiche Anbieter, die eigene Testzentren installiert haben, Braune hat alleine drei, vielleicht demnächst vier: ein weiteres nämlich auf dem Bahnhofsvorplatz. Denn dort ist der ASB Kreisverband Hildesheim/Hameln-Pyrmont von seinem Antrag wieder zurückgetreten, wie Geschäftsführer Bolko Seidel auf Nachfrage der HAZ bestätigte: „Wir brauchen unser Personal fürs Impfen.“
ASB springt am Bahnhof ab
Aber auch die Firma Hil-Care, die derzeit auf dem Volksfestplatz und auf der Lilie testet – allerdings im Unterschied zu den Selbsttests bei Freepass durch das eigene Personal – zeigt Interesse für den Bahnhofsplatz, sagt einer der Betreiber, Sebastian Adamski: „Man kann doch nicht die Nordstadt außen vor lassen.“ Dabei denkt er auch an die vielen Schüler, die dort aussteigen und möglicherweise zuhause vergessen haben, sich zu testen.
300 Kunden fahren täglich im Drive-in-Testzentrum auf dem Volksfestplatz vor, zählt Adamski auf. Dort hat er die Öffnungszeiten nach vorne verlegt, um Handwerkern eine Anlaufstelle zu bieten, die früh zu ihren Baustellen aufbrechen.
Hinzu kommen täglich 700 weitere Kunden auf der Lilie. Inklusive aller Angebote bei Apothekern oder Ärzten – sind das nicht insgesamt zu viele? „Wir haben derzeit ein Überangebot“, bewertet Braune die Situation. Er hat die Räume in der Arneken Galerie zunächst für drei Monate gemietet, würde aber verlängern.
City-Garten contra Testzentrum
Mitanbieter Hil-Care muss spätestens im Juni die Lilie räumen, wenn dort der City-Garten aufgebaut werden soll. Doch auch für diesen könnte ein Testangebot in der Nähe wichtig werden. Das kann Adamski an den steigenden Besucherzahlen an den Samstagsvormittagen ablesen, wenn Markt ist. Aus diesem Grund bietet er von diesem Samstag, 24. April, auch im ehemaligen Schäferhenrich am Neustädter Markt von 7 bis 12 Uhr ein Testzentrum an. Dieses ist nur samstags geöffnet.
Und auch dafür braucht er dringend Personal, für die Tätigkeiten im Labor und für das Testen selbst. Und er hat noch ein Ass im Ärmel: „Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verdienen nicht nur ihr Geld, sie werden auch alle geimpft.“
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Auch Adamski geht davon aus, dass selbst Zweitgeimpfte weiterhin getestet werden sollten: „Wir brauchen eine valide Datenbasis, um das Infektionsrisiko bewerten zu können.“ Und keiner wisse, welche Mutationen das Virus noch bilden kann.
