Corona-Pandemie

Angst vor neuem Lockdown: Niedersachsen will Stufenplan ändern

Hannover - Die Inzidenzen steigen schnell, in einigen Regionen drohen wieder Einschränkungen von Wirtschaft, Sport und Kultur. Um das zu verhindern, will die Landesregierung die Grenzwerte des Stufenplans ändern.

Lockdown und alles dicht? Dieses Szenario droht einigen Regionen in Niedersachsen erneut – doch das Land will nun reagieren, um einen erneuten Lockdown zu verhindern. Foto: Chris Gossmann

Hannover - In Niedersachsen wächst die Angst, dass die schnell steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen bereits in den kommenden Tagen zu einem neuen Lockdown führen könnte. Besonders gefährdet wegen hoher Inzidenzen sind die Region Hannover, die Stadt Delmenhorst sowie die Landkreise Grafschaft Bentheim und Nienburg. Um das zu verhindern, will die Landesregierung nach HAZ-Informationen Änderungen bei den Inzidenzwerten vornehmen.

Im Landkreis Hildesheim liegt die Inzidenz am Donnerstag bei 8,7. Kämen die Änderungen in der Verordnung so wie jetzt angedeutet, würde das bedeuten, dass sich bei einer Überschreitung des bisherigen Grenzwerts von 10,0 nichts ändern würde, sondern erst bei 35,0.

Niedersachsen: Landesregierung will Stufenplan ändern

Denn offenbar sollen die Grenzen im Stufenplan verschoben werden, damit Einschränkungen erst bei einer höheren Inzidenz greifen. Das könnte bedeuten, dass die bisherige Stufe 10 zu 35 wird, die 35 zu 50 und die bisherige Stufe 50 zu 100. Wie es hieß, ist die Abstufung noch nicht endgültig festgelegt. Die Landesregierung hält den Schritt demnach für vertretbar, weil die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäuser niedrig ist und die Impfquote steigt.



Wie es hieß, war die Änderung des Stufenplans ursprünglich für Mitte August geplant, soll wegen der steigenden Inzidenzen aber wohl vorgezogen werden, um einen Lockdown in einzelnen Landkreisen zu verhindern. Die Landesregierung fürchtet offenbar Unruhe in der Hauptferienzeit. Zuvor hatten Wirtschaft und Landtags-FDP Alarm geschlagen und vor einem Abwürgen der Konjunktur durch neue Einschränkungen gewarnt.

Althusmann: Verordnung schnell ändern

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sprach sich für eine zügige Anpassung der Corona-Verordnung aus: „Wir sollten nicht abwarten, bis die Infektionszahlen in einzelnen Regionen wieder eine Marke erreichen, die mit spürbaren Einschränkungen oder gar Schließungen verbunden ist“, sagte Althusmann der HAZ.

„Gerade mit Blick auf unsere Tourismus-und Beherbergungsbranche, das Messegeschäft, die Gastronomie oder den Einzelhandel hätte so ein Szenario nach den zurückliegenden Pandemiemonaten verheerende Auswirkungen.“ Wenn man den Eingangswert jeder Stufe in die nächst höhere setze, gewinne man Zeit und die Wirtschaft ein Stück Planbarkeit. Althusmann: „Das wäre ein verantwortbarer und schnell umsetzbarer Weg.“

FDP warnt vor neuem Lockdown: Inzidenzwert soll weg

Die IHK Hannover warnte davor, das in den hart getroffenen Branchen durch einen „mittlerweile überholten Inzidenz-Automatismus“ die Erholung wieder abgewürgt werden könnte.



„Viele Betriebe sind mit Ach und Krach durch die Corona-Krise gekommen und kommen jetzt wieder auf die Beine. Für erneute Einschränkungen fehlen mittlerweile nicht nur die Kraft, sondern auch die finanziellen Reserven“, sagte Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt.

Handel fordert zum Impfen auf

Der Einzelhandel appellierte indes an die Bevölkerung, sich gegen Corona impfen zu lassen. „Nur mit einer wirkungsvollen und schnellen Impfkampagne können wir die Pandemie nachhaltig zurückdrängen und uns dauerhaft mehr Normalität auch beim Einkaufen zurückerobern“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stimmte die Bevölkerung mit Blick auf steigende Infektionszahlen auf eine weiterhin schwierige Zeit ein. Deutschland habe es „mit einer deutlichen, und wie ich finde auch besorgniserregenden Dynamik“ zu tun, sagte Merkel. Angesichts steigender Infektionszahlen rief sie zu verstärkten Impfbemühungen auf. „Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein.“

Von Marco Seng

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