Sondersitzung

Bundestag beschäftigt sich kommende Woche mit „Reichsbürger“-Razzia

Hildesheim/Berlin - Der Bundestag beschäftigt sich in der kommenden Woche gleich in mehreren Sondersitzungen mit der Großrazzia gegen mutmaßliche „Reichsbürger“. Auf Antrag der Unionsfraktion soll der Fall sowohl im Innenausschuss als auch im Rechtsausschuss erörtert werden. Die Grünen drängen auf Thematisierung in einer Aktuellen Stunden im Plenum des Bundestages.

In einer Außenstelle des Bundesgerichtshof (BGH) halten sich Polizisten auf. Am 7. Dezember gab es Razzien und Festnahmen in der sogenannten „Reichsbürgerszene“. Beim BGH finden dazu Haftprüfungen statt. Foto: Uli Deck/dpa

Hildesheim/Berlin - Der Bundestag beschäftigt sich in der kommenden Woche gleich in mehreren Sondersitzungen mit der Großrazzia gegen mutmaßliche „Reichsbürger“. Auf Antrag der Unionsfraktion soll der Fall am Montag sowohl im Innenausschuss als auch im Rechtsausschuss erörtert werden. Die Grünen drängen außerdem darauf, dass die nun aufgedeckten Pläne der Gruppe in einer Aktuellen Stunden im Plenum des Bundestages thematisiert werden.

„Das enttarnte Terrornetzwerk hat nach derzeitiger Kenntnis gezielt Angriffe auf den Deutschen Bundestag und damit das Herz der Demokratie vorbereitet“, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Irene Mihalic, am Freitag. Daher sollte sich der Bundestag bald „mit der Bedrohung der Demokratie durch Netzwerke von Reichsbürgern und anderen Rechtsextremisten“ befassen.

Auch über politische Konsequenzen sprechen

Dabei müsse nicht nur über die laufenden Ermittlungen gesprochen werden, sondern auch über politische Konsequenzen sowie über sicherheitspolitische Maßnahmen und den gesellschaftlichen Handlungsbedarf. „Die Ampel-Partner werden Anfang der Woche in ihren Fraktionsvorständen über die Aktuelle Stunde entscheiden“, kündigte die Innenpolitikerin an.

Die Unionsfraktion im Bundestag will im Rechtsausschuss auch über eine Weitergabe von Informationen vor der Razzia sprechen. „Durchgestochene Ermittlungsinterna gefährden die Ermittlungen und schaden dem Rechtsstaat“, sagte der rechtspolitische Sprecher der Fraktion, Günter Krings (CDU), dem Nachrichtenportal t-online. „Sofern Medienvertreter von den durchgeführten Durchsuchungsmaßnahmen und Festnahmen vorab informiert gewesen sein sollten, muss dies untersucht und aufgeklärt werden.“

Vorab-Weitergabe von Informationen „unverantwortlich“

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte: „Einsätze wie der, der da gelaufen ist, sind immer auch mit einer möglichen Gefährdung der Einsatzkräfte verbunden.“ Eine Vorab-Weitergabe von Informationen dazu sei „unverantwortlich“.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch bei einem der größten Polizeieinsätze in der Geschichte der Bundesrepublik in elf Bundesländern sowie in Italien und Österreich 25 Menschen festnehmen lassen. 22 von ihnen wirft sie vor, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein, die das politische System stürzen wollte. Bei den drei anderen geht es um Unterstützung. Die Bundesanwaltschaft sprach zudem von 27 weiteren Beschuldigten. „Reichsbürger“ sind Menschen, die die Bundesrepublik und ihre demokratischen Strukturen nicht anerkennen.

Unter den Tatverdächtigen ist nach HAZ-Informationen auch der frühere Polizist Michael Fritsch, der im Raum Alfeld wohnt. Er arbeitete Jahrzehnte bei der Polizei, war nebenbei Unternehmer und wurde schließlich zur Ikone der „Querdenker“-Szene – jetzt wurde er wegen Terrorismusverdachts festgenommen und sitzt in U-Haft.

Von dpa

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