Stadion-Umbau

Container-Dorf und größere Tribüne: Hildesheim Invaders verbauen mehr als 500.000 Euro bei Stadion-Umbau

Hildesheim - Bislang mussten die Hildesheimer Footballer vor Spielen Schläuche legen, um an Wasser zu kommen und Hunderte Meter weit laufen, um sich umzuziehen. Der Stadion-Umbau ist für sie ein echter Schritt. Und so sieht das Homefield bald aus.

Hildesheim - Vor etwas mehr als zwei Jahren ist überhaupt nicht klar gewesen, ob die Hildesheim Invaders ihr Homefield am Philosophenweg überhaupt behalten dürfen – jetzt bauen sie das Football-Stadion sogar aus. An der Südspitze der Sportanlage sieht es momentan noch wüst aus. Bagger pflügen die Erde um. Dagegen ist die Tribünen-Erweiterung fast abgeschlossen – und auch das Fundament für ein Container-Dorf sowie die Strom- und Wasserleitungen sind gelegt worden. Obendrein wurde das Gelände komplett eingezäunt und um das eigentliche Spielfeld eine neue Bande installiert.

Die Größenordnung des Bauvorhabens: mehr als eine halbe Million Euro.

Die Invaders drücken dabei auf die Tube, denn bis zum 3. Juni muss alles stehen. Dann bestreiten sie nämlich ihr erstes Saison-Heimspiel in der 2. German Football League (GFL) gegen die Solingen Paladins. „Keine Sorge, wir werden rechtzeitig fertig“, sagt Vereinsvorsitzender Jan Hendrik Meyer.

Rückblick: Anfang 2021 hätte der Verein beinahe sein Zuhause aufgeben müssen. Damals begann Nachbar Eintracht Hildesheim mit dem Bau der Bürger-Sporthalle. Zunächst sah es so aus, dass für beides – also Halle und Homefield – nicht genügend Platz gewesen wäre. Nach großen Protesten der Footballer und gemeinsamen Krisensitzungen mit Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer einigten sich die Parteien. Die Planungen für die Halle wurden angepasst, am Ende ging dann doch beides.

Ein echter Schritt nach vorn

Und jetzt folgt sogar der Stadion-Umbau, der für die Invaders einen ziemlichen Schritt nach vorn bedeutet. Die siebenstufige Tribüne wird erweitert. Sie ist nun insgesamt 100 Meter lang. Offiziell finden 1280 Zuschauer auf ihr Platz. Ein weiteres dickes Plus: das Container-Dorf.

19 Container lassen die Invaders auf einer Fläche von 324 Quadratmetern oberhalb der Tribüne aufstellen – und zwar so, dass die Metall-Rechtecke wie eine Einheit aussehen. In dem Komplex werden zwei je 72 Quadratmeter große Umkleiden nebst Duschräumen eingerichtet, ein Schiedsrichter–Aufenthaltsraum und „ganz wichtig: feste Toiletten für die Zuschauer“, so Meyer. Fünf für Frauen und acht für Männer, dazu kommt eine behinderten-gerechte Toilette. Bislang stand bei den Heimspielen nur ein Toilettenwagen zur Verfügung. Ihn zu mieten, war teuer, die Kapazität begrenzt, und es war ein echter Notdurft-Ort.

Jetzt haben wir endlich alles auf unserem Gelände: Strom, Wasser und Kabinen

Johannes Krupp, 2. Vorsitzender der Hildesheim Invaders

Zwei weitere Container sind für die Gastronomie und als Lager gedacht. „Wir übernehmen die Bewirtung der Fans in dieser Saison wieder komplett selbst, schlossen außerdem mit der Einbecker-Brauerei einen Vertrag ab“, sagt Johannes Krupp, 2. Vorsitzender der Invaders. „Jetzt haben wir endlich alles auf unserem Gelände: Strom, Wasser und Kabinen.“ Bislang mussten die Footballer vor Heimspielen Schläuche legen, um an Wasser zu kommen und die Spieler Hunderte Meter rüber zur Eintracht laufen, um sich umzuziehen. Und das in der 2. Liga.

Finanziert wird das Projekt zu zwei Dritteln aus Sponsoren- und Spendengeldern. Daneben liegt dem Landessportbund (LSB) in Hannover ein Förderantrag vor. „Wir haben ihn gestellt. Noch ist aber unklar, mit welcher Summe wir unterstützt werden“, so Vorsitzender Jan Hendrik Meyer. Maximal 100000 Euro macht der LSB für solche Vorhaben locker. Die Invaders hoffen auf den Höchstbetrag.

Jüngste Nackenschläge

Der Kreissportbund unterstützte den Klub bei der Antragsstellung. Auch die Stadt Hildesheim hilft – wie sie kann: Jährlich stehen aus ihrem Topf gerade 80 000 Euro städtische Fördermittel für alle Sportvereine zur Verfügung.

Bei den Invaders hat das Thema Stadion eine lange Geschichte, eine sehr lange. Wie erwähnt wären sie ihr Homefield vor zwei Jahren beinahe los geworden, davor hatte es noch ganz andere, ziemlich großspurige Pläne gegeben.

Frank Meyer, damals Investor des Klubs, wollte in Hildesheim ein neues Stadion nebst Trainingshalle, Gastro-Bereich und Parkhaus bauen – für die Footballer, die Fußballer des VfV 06 Hildesheim und für Großveranstaltungen. Meyer stellte das Projekt im August 2020 vor. Das geplante Investitionsvolumen hätte 40 Millionen Euro betragen. Finanziert werden sollte es durch private Investoren. Das Luftschloss platzte schon eineinhalb Monate später, denn Frank Meyer zog sich Ende September 2020 von den Invaders zurück. Der Klub verlor damit Knall auf Fall seinen Hauptsponsor und musste aus der 1. bis in die 3. Liga absteigen. Es folgte der Ärger mit Eintracht Hildesheim und dem Hallen-Bau.

Es war auch nicht abzusehen, welche Mehrkosten auf uns zu gekommen wären

Jan Hendrik Meyer, 1. Vorsitzender der Hildesheim Invaders

2021 stiegen die Footballer dann wieder in die 2. GFL auf, und es gab neue Pläne, den Philosophenweg zu verlassen. „Angedacht war zwischenzeitlich, dass neben dem Helios Klinikum ein neues Homefield entstehen könnte – Helios war bereit, uns dabei zu helfen“, sagt Johannes Krupp. Die Maßnahme stellte sich aber als zu aufwendig, zu teuer heraus. So bleiben die Invaders an der seit Jahrzehnten angestammten Stelle und bauen das Homefield nun weiter aus. Viele ihrer Fans dürfe es freuen.

Wegen der bewegten jüngeren Geschichte ist der Vorstand des Klubs vorsichtig geworden. Daher war vor gut einer Woche auch schnell klar, nicht auf ein zunächst verlockend klingendes Angebot der German Football League einzugehen. Wie berichtet, haben die Cologne Crocodiles kurzfristig ihr Team aus der 1. Liga zurückgezogen. Die GFL suchte einen Nachrücker und fasste den ambitionierten Zweitligisten aus Hildesheim ins Auge. Nach kurzer, aber intensiver Beratung lehnten die Invaders ab. Sie hätten innerhalb weniger Wochen ihre komplette Saison-Planung umwerfen müssen. „Es war auch nicht abzusehen, welche Mehrkosten auf uns zu gekommen wären“, erklärt Vorsitzender Jan Hendrik Meyer.

Der Abgang des Hauptsponsors 2020, der Beinahe-Verlust des Stadions 2021 und der mehr oder weniger freiwillige Abstieg – „wir haben in letzter Zeit genug erlebt, da werden wir jetzt nichts übers Knie brechen“, so der 2. Vorsitzende Krupp, und Meyer ergänzt: „Wir steigen lieber sportlich in die GFL 1 auf, wenn wir soweit sind. Und nicht sofort am Grünen Tisch.“

Mit dem VfV 06 Hildesheim

Ohnehin haben die Invaders mit den Baumaßnahmen auf dem Homefield genug zu tun. Und nicht nur hier wird gearbeitet – auch für das Trainingsgelände der Footballer an der Zeppelinstraße ist einiges angedacht.

Am Philosophenweg lässt sich bereits gut erkennen, wie das Stadion in Kürze aussehen wird. Nur an der Südspitze der Anlage graben sich noch Bagger ins Erdreich. Das Gelände direkt hinter dem Spielfeld haben die Footballer gemeinsam mit den Fußballern des VfV 06 Hildesheim gepachtet. Die Fläche soll durch eine Rampe mit der Straße verbunden werden. Auf ihr entstehen Parkplätze, die sowohl die Invaders als auch die Fußballer nutzen können.

Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.