Hildesheim - Die Dammstraße ist seit der Entdeckung einer historischen Brücke unterhalb der Fahrbahn im Mai wegen Einsturzgefahr gesperrt. Und das wird aller Voraussicht nach noch mehrere Monate so bleiben – wie lange genau, ist ungewiss. Klar ist aber jetzt: In der ersten November-Woche beginnen Arbeiten, an deren Ende die Freigabe der Straße stehen soll.
Unter dieser hatten Kanalbauarbeiter im Frühjahr in etwa 2,50 Meter Tiefe einen Hohlraum entdeckt. Der liegt, wie Archäologen herausfanden, unter einem Bogen einer jahrhundertealten Brücke. Sie erstreckt sich über rund 30 Meter, mindestens sieben weitere Bögen sind erhalten geblieben.
Sperrung zwingt tausende Autofahrer zu Umwegen
Die Stadtverwaltung hatte im Sommer wochenlang gegrübelt, wie sie mit der Situation umgehen soll. Denn so bedeutend der Fund aus historischer Sicht auch ist: Die Sperrung der Fahrbahn zwingt tausende Autofahrer, die aus Richtung Westen in die Innenstadt wollen oder aus dieser heraus, zu Umwegen. Mitte August präsentierten das Rathaus und die Stadtentwässerung dann einen gemeinsamen Plan.
Der soll nun – nachdem der Kanalbau in diesem Bereich abgeschlossen ist –in die Tat umgesetzt werden. Derzeit legt die EVI noch eine Stromleitung um, von der ersten November-Woche an soll dann auf der Südseite der Brücke ein fünf Meter tiefer und 2,50 Meter breiter Grabungsschacht entstehen. Aus ihm heraus werden Archäologen das Bauwerk begutachten und dokumentieren.
Stadt will Teile der Brücke in der Umgebung ausstellen
Danach sollen die so genannten Sichtsteine – sie bilden die äußere Reihe der Brücke – abgetragen werden. Die Stadt erwägt, sie später in der Nähe auszustellen, um an die Brücke zu erinnern.
Deren großer Rest (die Brücke ist insgesamt 7,50 Meter breit) bleibt im Boden. Er soll so verfüllt werden, dass die Dammstraße anschließend wieder sicher befahrbar ist. Die Stadt hat für die Arbeiten etwa fünf Monate veranschlagt – was bedeutet, dass die Dammstraße noch bis ins Frühjahr gesperrt ist.
Kann die Brücke verfüllt werden?
Ob das Verfüllen der Brücke allerdings überhaupt wie geplant gelinge, werde sich erst während der Arbeiten herausstellen, betonte Stadt-Archäologe Christoph Salzmann jüngst im Stadtentwicklungsausschuss. Er lässt derzeit drei Holzkohlereste aus Pfeilern der Brücke mit der Radiokarbonmethode untersuchen, um das Alter des Bauwerks ermitteln zu können.
Denn das ist noch immer ungeklärt, nach Angaben Salzmanns gibt es Vermutungen, sie könnte zur Zeit von Rainald von Dassel und damit im zwölften Jahrhundert entstanden ein. Der spätere Erzbischof von Köln stammte aus Hildesheim und wirkte hier am Domhof, unter seiner Ägide soll die erste steinerne Brücke in Hildesheim entstanden sein.
SPD-Ratsherr regt an: Brücke zeigen, Verkehr umleiten
Unklar ist auch, wann und warum die Brücke unter der Dammstraße aufgegeben wurde. Ein vorsichtiger Vorstoß des SPD-Ratsherren Marcus Krettek im Stadtentwicklungsausschuss, das Bauwerk wegen dessen historischer Bedeutung an Ort und Stelle zu erhalten und zugänglich zu machen und dafür den Verkehr dauerhaft aus der Dammstraße zu nehmen, fand in dem Gremium keine Unterstützung. Bauordnungsleiter Jens Knackstedt konnte der Idee zwar etwas abgewinnen, machte aber klar: „Wir müssen das gesamtstädtisch betrachten.“ Ein Erhalt der gesamten Brücke sei illusorisch, die Stadt wolle aber Elemente zeigen, betonte er.
Das ist hier ein Schnitt durch die Stadtgeschichte
Die Brücke ist keineswegs der erste historische Fund bei den Kanalbauarbeiten der Stadtentwässerung (SEHI) in der Gegend: Zuvor waren unter anderem ein unbekannter Friedhof aus dem Mittelalter, Teile des Chors der im 16. Jahrhundert abgerissenen Johanniskirche und ein mehrere Jahrhunderte alter Wehrturm entdeckt worden. Erst vor kurzem stießen Bauarbeiter zudem auf Reste der Stadtbefestigung aus dem 16. Jahrhundert.
„Das ist hier ein Schnitt durch die Stadtgeschichte“, kommentierte Salzmann all diese Entdeckungen im Zuge der Kanalarbeiten im Ausschuss. Kritik des CDU-Politikers Dirk Bettels, dies sei bei einem Blick auf historische Karten zu erwarten gewesen, weshalb die SEHI ihren Kanal woanders hätte bauen sollen, wies Baudezernentin Andrea Döring zurück:
Angesichts der Hildesheimer Siedlungsgeschichte hätte es bei jeder anderen Trasse im Bereich der Altstadt ähnliche Probleme gegeben, hielt die Stadtbaurätin dem Politiker entgegen.
Die wichtigsten Baustellen in Hildesheim
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