Hildesheim - Bei den Bauarbeiten rund um die historische Brücke in der Dammstraße kommt es zu Verzögerungen – in welchem Ausmaß, das lässt sich noch nicht genau absehen. Auf jeden Fall steht damit eine Freigabe der Fahrbahn im Sommer, wie jüngst von einem leitenden Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Aussicht gestellt, noch mehr auf der Kippe als ohnehin schon.
Derzeit entsteht oberhalb der Nordseite der historischen Brücke ein Graben für das Fundament der Betonplatte, mit der die Stadt das 850 Jahre alte Bauwerk im Boden versiegeln lassen will. Bislang liefen die Arbeiten recht glatt. Dass jetzt allerdings etwas dazwischen kommen könnte, hatte Baudezernentin Andrea Döring bereits am Mittwochabend im Ausschuss für Stadtentwicklung angedeutet: Es gebe Befunde, die erst noch analysiert werden müssten; dies koste „ein bisschen Zeit“ – wie viel genau, lasse sich wohl erst demnächst sagen, berichtete die Stadtbaurätin.
Experten rätseln: Wieso taucht da ein Teil der historischen Brücke auf?
Inzwischen steht fest: Bei den „Befunden“ handelt es sich um einen Teil der historischen Brücke. Die Archäologen, die den Einsatz begleiten, haben sie in etwa vier Meter Tiefe am östlichen Ende des Fundamentgrabens in Richtung Innenstadt ausgemacht – zur allgemeinen Überraschung auf der Baustelle. Denn der Graben wird extra in einem Abstand von 75 Zentimetern zur Nordkante der Brücke anlegt, um dieser aus dem Weg zu gehen und sie nicht zu beschädigen.
Umso erstaunter waren Baustellen-Koordinator Stefan Keck vom Ingenieurbüro BN Umwelt GmbH und alle anderen Experten, nun doch auf Teile des Bauwerks zu stoßen. Warum sich das bis zu diesem Punkt erstreckt ist unklar. Klar ist aber, dass die Entdeckung Folgen hat. So muss der Fundamentgraben an dieser Stelle um voraussichtlich zwei Meter in Richtung Bischofsmühle erweitert werden. Dort könnten Versorgungsleitungen verlaufen, die verlegt werden müssten.
Die Folgen für den Zeitplan? Das kann der Baustellen-Koordinator noch nicht sagen
Der Versprung im Fundamentgraben, der nun nötig ist, hat zudem Folgen für die Dimensionierung der Betonplatte. Sie muss in dem Bereich sowieso schon besonders geformt sein – was dem Umstand geschuldet, dass der Torbogen der Mauer des einstigen Johannis-Hospitals, anders als ursprünglich geplant, nicht abgetragen wird, um Zeit und Geld zu sparen.
Doch was heißt das nun genau für den Zeitplan? Dazu wollte sich Baustellen-Koordinator Keck nicht äußern. „Das lässt sich auch einfach noch nicht sagen“, betonte er auf Anfrage der HAZ. Derzeit ruhen die Arbeiten in dem betroffenen Teil am östlichen Graben-Ende, im Westen gehen sie weiter. Dort waren die Archäologen am Freitag etwa auf einer Tiefe von 2,50 Meter im Einsatz; bislang haben sie in der Grube zwar mehrere, aber unbedeutende Mauerreste und die Gebeine von sechs Menschen entdeckt. Der Fundamentgraben muss auch hier 5,50 Meter tief werden.
In Sachen Zeitplanung rückte Döring am Mittwoch im Ausschuss von der Ankündigung eines Mitarbeiters jüngst im Finanzausschuss ab, die Dammstraße könnte bis zum Sommer wieder frei sein. Zwar sei „Sommer“ ein weiter Begriff. Doch sie habe sich über die Ankündigung gewundert, bekannte Döring: „Ich hätte das nicht gesagt.“
