Hildesheim - Die Ankündigung, dass die Bauarbeiten in der Dammstraße noch mindestens bis Frühjahr 2025 andauern und die Straße für jeglichen Verkehr gesperrt sein wird, ist nicht nur Gegenstand von Debatten in Ausschüssen und in der Verwaltung. Vor allem beschäftigt die dort ansässigen Geschäftsinhaber die Frage, wie lange sie in dieser Situation noch überleben können. Denn von Beginn an haben die Bauarbeiten und die gesperrte Durchfahrt ihre Umsätze und die Zahl ihrer Kunden und Gäste erheblich dezimiert, und sie tun es bis heute.
Für Armando Giacometti im Eiscafé da Lino wäre jetzt eigentlich Hochsaison – doch seine Mitarbeiterin hat trotz des sommerlichen Wetters weit weniger zu tun, als ihr lieb wäre. „Wissen Sie, was früher hier los war? Und jetzt? Wir sind optimistische Menschen, aber wir wissen nicht mehr, wie lange wir das noch durchhalten.“ Eis sei etwas, das man nicht geplant kaufe, sondern spontan im Vorbeigehe, wenn es aber keine Laufkundschaft gebe, tja. Sie lässt den Satz offen als Zeichen der Ratlosigkeit.
Wäre das sein einziges Geschäft, wäre es schon zu
Nichts offen lässt hingegen Christian Nagel, der an der Ecke Dammstraße/Johannisstraße sein Geschäft Our Rum & Spirits führt. „Zum Glück nur als zweites Standbein“, sagt der ehemalige Gastwirt, „denn sonst hätte ich hier längst dichtmachen müssen.“ Ihm fehle mittlerweile jedes Verständnis für den Ablauf der Maßnahmen, die sich seiner Ansicht nach viel zu lange hinziehen und zwischen den verschiedenen Interessengruppen von Anfang an nicht genügend koordiniert gewesen seien. „Die Leute sind doch bei mir direkt vor der Tür, ich rede doch mit denen“, sagt er.
So hätten etwa Bauarbeiter oftmals Leerlauf gehabt, während die Archäologen noch in der Grube beschäftigt waren. Auch hätten sich Bauarbeiten in der Dammstraße durch eine ungenügende Absprache von Firmen verzögert. „Als der Fußweg vor meinem Geschäft endlich wieder gepflastert war, wurde er in der folgenden Woche wieder aufgemacht, weil noch Wasseranschlüsse fehlten. Nachdem das erledigt und der Weg wieder fertig war, wurden tags darauf Gehwegplatten entfernt, um das Fundament für ein Straßenschild zu setzen.“
In der Wäscherei ist die Parkplatzsituation Thema
Vor dem Hintergrund solcher Erfahrungen sei er mehr als gespannt, ob das Frühjahr 2025 als Termin bestehen bleibe oder ob auch dieses Datum wieder nach hinten verschoben werden müsse. „Ich frage mich langsam, ob ich nicht aufgrund von Perspektivlosigkeit schließen sollte“, so Nagel.
In der Wäscherei Blütenrein beschäftigt Van Vong Nguyen darüber hinaus die Frage, wie später die Parkplatzsituation in der Dammstraße aussehen soll. „Wäsche bringen die meisten Leute mit dem Auto“, sagt die Inhaberin. „Wenn sie hier nicht halten können, suchen sie sich eine andere Wäscherei.“ Die Bauarbeiten träfen sie hart, sagt Nguyen, die Verlängerung der Baustelle noch härter. Aber am schwierigsten sei es, mit dieser langfristigen Aussicht umzugehen.
Café Engelke hat seine Filiale bereits dichtgemacht
Das Café Engelke hat seine Filiale in der Dammstraße bereits dichtgemacht. Es fehle der Durchgangsverkehr, hatten Mitarbeiter berichtet. Das Unternehmen hatte es anfags noch mit verkürzten Öffnungszeiten versucht, musste dann aber aufgeben. Es könnte nicht das letzte Geschäft in der Dammstraße sein, das diese Entscheidung trifft.

