Kolumne Zweitstimme

Debatte über queerfreundliches Hildesheim: Protest ja – aber nicht so

Hildesheim - An der Debatte im Hildesheimer Rat um Aufkleber an queerfreundlichen Läden hat auch das Publikum im Saal regen Anteil genommen – das allerdings auf eine unwürdige Weise, findet HAZ-Redakteur Rainer Breda.

HAZ-Redakteur Rainer Breda beschäftigt sich in der HAZ-Kolumne Zweitstimme mit dem politischen Geschehen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Foto: HAZ-Archiv

Hildesheim - Man könnte es ja so sehen: Endlich war mal Publikum da, das noch dazu Anteil an dem nahm, was im Rat passierte. Doch diese Sichtweise würde dem, was sich am Montag ereignete, nicht annähernd gerecht. Denn wie sich ein großer Teil dieses Publikums aufführte, ging gar nicht.

Ja, Ratsherr Enver Sopjani strapazierte die Toleranz der Zuhörer bis aufs Äußerste: Dem Mann von der Interkulturellen Liga reichte es nicht, seinen Abscheu gegen andere Geschlechtsidentitäten verbal auszudrücken – er stellte auch ein Schild auf, um seine Abneigung gegen Homosexualität zu demonstrieren. Und zu provozieren.

Doch seine Widersacher im Zuschauerraum verhielten sich nicht minder unflätig, im Gegenteil: Sie störten Sopjanis Rede mit Hustenattacken und Zwischenrufen, trampelten auf den Boden. Protest gehöre nun mal zur Demokratie dazu, rechtfertigt das Linken-Vertreter Maik Brückner. Zur Demokratie gehört es aber auch, Meinungen anderer zu ertragen, selbst wenn sie weit von der eigenen entfernt sind – es sei denn, sie sind strafrechtlich relevant.

Was hielten wohl die Politiker auf der linken Seite im Ratssaal davon, wenn Anhänger der AfD oder anderer rechter Gruppierungen von den Zuschauerplätzen aus gegen sie pöbelten? Nichts, und das zurecht. Ja Protest, gehört dazu. Aber nicht so, und nicht im Ratssaal.

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