Kreis Hildesheim - Dennis Münter hat am Freitag in einer E-Mail an die Mitglieder des Hildesheimer CDU-Kreisvorstandes ausführlich erläutert, warum er doch nicht wie geplant am 4. November bei der Wahl eines oder einer Vorsitzenden für den Kreisverband kandidieren will. Nach seinem Rückzug ist, soweit bekannt, nur Katharina Spengler im Rennen. Zumindest berichtet die Kreisgeschäftsstelle auf Nachfrage von keiner weiteren Kandidatur zum jetzigen Zeitpunkt.
Münter zog seine Kandidatur zum einen zurück, weil er in den kommenden Monaten eine berufliche Mehrbelastung erwartet. Mit Blick auf den Kreisvorsitz erklärt er: „Ich muss es zeitlich und organisatorisch so ausüben können, dass es mit Familie, Beruf und meinem Amt als Fraktionsvorsitzender der Stadtratsfraktion vereinbar ist.“ Um diesem neuen Amt gerecht zu werden, hätte er umso mehr „das Team benötigt“.
„Für diese Art der Vorgehensweise stehe ich nicht zur Verfügung“
Doch in dem verspürte er offenbar parteiintern nicht den gewünschten Rückhalt. Münter nennt keine Namen. Wie er die Situation erlebt hat, beschreibt er so: „Ich hätte mir gewünscht, dass auch diejenigen, die andere Vorstellungen haben, zumindest respektvoll mit dem Vorschlag umgegangen wären. Leider hat aber wieder der alte Mechanismus eingesetzt, systematisch schon vor dem Parteitag gegen diesen Vorschlag vorzugehen. Für diese Art der Vorgehensweise stehe ich nicht zur Verfügung. Meine volle Überzeugung ist dadurch gewichen. Bei aller Härte des politischen Geschäfts ist für mich diese Ebene immer noch fremd und ich möchte mir bewahren, mich niemals darauf einlassen zu müssen.“
Die amtierende Kreisvorsitzende Laura Hopmann, die aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder kandidiert, hatte Münter ins Spiel gebracht. Er hatte seine Bereitschaft erklärt, das Amt zu übernehmen. Diese Absprache im Vorfeld wurde dann aber von Justus Lüder kritisiert, einem der Beisitzer im Vorstand: Er hätte sich ein „ergebnisoffenes Verfahren“ für die Neuaufstellung des Kreisverbandes gewünscht.
„Nicht optimal gelaufen“
Münter räumt in seinem Brief ein, die Vorbereitung sei wegen schwieriger Umstände „nicht optimal“ gelaufen. Der zeitliche Druck, den Kreisparteitag mit den Vorstandswahlen vorzubereiten, sei von Tag zu Tag gestiegen. Die Beteiligten hätten Hopmann wegen ihrer Erkrankung möglichst wenig belasten wollen, „wir mussten aber doch um den 6. Oktober herum gemeinsam mit ihr zu einer Lösung kommen“. Daraus sei der Vorschlag entstanden, der Partei einen Lösungsansatz in Form eines Kandidaten-Teams für den Kreisvorstand zu präsentieren: Vize-Vorsitzende sollten Laura Hopmann, Max Dettmar, Sandra Flake und Frank Jürges werden. „Es gab nur dieses kurze Zeitfenster, diese Lösung zu erarbeiten“, betont Münter.
Mit der Bewerbung von Katharina Spengler gebe es nun zumindest einen Lösungsansatz für den Kreisverband, meint Münter: „Ihre Kandidatur ist gut und richtig, ich habe hohen Respekt davor.“ Sein abschließender Appell an den künftigen Vorstand, wie immer der nach dem 4. November aussieht: „Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir uns intern unterstützen und stärken.“ Die CDU müsse „stark sein und werden, um unser Land wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie muss für die Menschen wieder die richtigen Lösungen anbieten.“
Kommentar: Der oder die Neue hat einiges zu tun
Der CDU-Kreisverband braucht mehr als nur einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende – er braucht anscheinend auch einen anderen parteiinternen Umgang. Das hat die Vorbereitung der Vorstandswahlen gezeigt. Die Kritik von Dennis Münter ist deutlich, hinter den Kulissen liegt einiges im Argen. Wer immer den Kreisverband künftig leitet – er oder sie hat einiges zu tun. Und muss den Fokus vor allem auf Inhalte lenken. Denn die Zeiten sind zu schwierig für Personalgerangel.
Plötzlich ist die Außenseiterin die Einzige
Die Ausgangssituation ist nun allerdings kurios: Als Münter, Hopmann und Co. über einer Perspektive brüteten, dürften sie Katharina Spengler nicht auf der Rechnung gehabt haben. Gestartet ist sie als Außenseiterin, gelandet als Einzige – wenn nicht noch jemand seinen Hut in den Ring wirft. Dass sie in der Kreispolitik bisher keine große Rolle spielte, mag auf den ersten Blick ein Manko sein. Vielleicht ist es ein Vorteil: Sie könnte unbefangener an das Amt herangehen.

