Hildesheim - In der DFB-Pokal-Hauptrunde geht es nicht nur um sportlichen Ruhm, sondern auch um viel Geld. Falls der VfV Borussia 06 Hildesheim am Sonntag gegen Zweitligist SV Elversberg die große Überraschung schafft und gewinnt, würde der Deutsche Fußball Bund (DFB) exakt 418.906 Euro auf das Konto des Vereins überweisen.
Für Bayern München oder Borussia Dortmund ist das ein nettes Taschengeld, für einen Oberligisten sehr viel Geld. „Uns würde ein solcher Geldregen natürlich sehr gut tun“, sagt Vereinschef Achim Balkhoff, der ein wenig ins Träumen gerät: „Erst schlagen wir Elversberg, dann bekommen wir in der zweiten Runde einen Amateurverein zugelost und ziehen ins Achtelfinale ein.“
„Auf einen Schlag saniert“
In diesem dann doch sehr unwahrscheinlichen Fall bekäme der VfV 06 weitere 837.813 Euro. „Dann wären wir mit einem Schlag saniert“, so Balkhoff. Bekanntlich ächzt der Verein immer noch unter Altschulden, die in relativ niedrigen Raten getilgt werden.
Schon für das Erreichen der Hauptrunde hatte der VfV 06 209.453 Euro vom DFB bekommen. „Aber davon wird nicht allzu viel übrig bleiben“, hatte Klubpräsident Michael Salge gleich nach dem Gewinn des NFV-Pokalfinales prognostiziert. 20 Prozent der Summe gingen als Solidarabgabe an den Niedersächsischen Fußballverband (NFV), außerdem wurden Steuern fällig.
Hohe Ausgaben
Ein noch größerer Teil fließt in die Organisation des Spiels gegen Elversberg. Dafür sei das Geld vor allem vorgesehen, erklären Salge und Balkhoff. Dazu zählen etliche Baumaßnahmen, um die Anforderungen des DFB zu erfüllen. Größtes Projekt war die Errichtung eines komplett umzäunten neuen Gästeblocks in Richtung Eintracht-Gelände. Dadurch erhöht sich die Stadionkapazität von 4900 auf 6000. Rund 4000 Tickets sind für das Spiel gegen Elversberg verkauft. Die Einnahmen werden zwischen den beiden Vereinen geteilt.
Auch für die Errichtung von Kameratürmen, eines VIP-Bereiches sowie das Abkleben von Werbebanden wurden externe Unternehmen beauftragt. So landen derzeit ziemlich viele Rechnungen im Vereins-Briefkasten – und plötzlich schmelzen 200.000 Euro ganz schnell zusammen. Auch von den knapp 420.000 Euro, die in der zweiten Runde winken, würde längst nicht alles in die Vereinskasse fließen. Erneut müsste der VfV 06 die Ausrichtung des Spiels davon finanzieren, doch mindestens über die Hälfte könnte man wohl frei verfügen.
Hannover als Alternative
Ein Zweitrundenspiel könnte man kaum im Friedrich-Ebert-Stadion austragen. Denn bei einer Partie gegen Schalke 04 oder gar Bayern München würden die Anforderungen an Organisation und Sicherheit noch einmal steigen. Eine Austragung in Hildesheim würde allein schon am fehlenden Flutlicht scheitern, denn als Termin ist der 29. und 30. Oktober (Dienstag- und Mittwochabend) vorgesehen.
Der VfV 06 müsste nach Hannover ausweichen. Als Spielort hat die Vereinsführung die Heinz-von-Heiden-Arena an den DFB gemeldet. Nachteil: Der Charme eines weiteren DFB-Pokalspiels in Hildesheim würde entfallen. Vorteil: In Hannover müsste man zwar eine Stadionmiete zahlen, aber teure Umbaumaßnahmen wären nicht nötig, denn die Infrastruktur ist in der Heinz-von-Heiden bereits vorhanden. Und die Zuschauerkapazität wesentlich größer.
Insgesamt 67 Millionen Euro
Übrigens: Von der ersten Runde bis zum Halbfinale werden insgesamt 67 Millionen Euro an die Vereine ausgeschüttet, im Viertelfinale gibt es pro Klub 1,68 Millionen Euro und im Halbfinale 3,35 Millionen Euro.
Der Gewinner des DFB-Pokals erhält eine Prämie in Höhe von 4,32 Millionen Euro, der Verlierer des Endspiels darf sich mit 2,88 Millionen Euro trösten – das sind Summen, von denen man in Hildesheim nur träumen kann.
Die HAZ wird in einem Liveticker über das Spiel am Sonntag berichten
