Hildesheim - Vor der Sperrung der Dammstraßenbrücke herrscht sommerliche Picknickstimmung. Bierbänke, ein Zelt, eine Pflanzentauschbörse und eine Bühne, auf der das Duo Bart & Harp Oldieklassiker zum Besten gibt, zuletzt „Blowing in the Wind“ von Bob Dylan. Gleich treffen hier auf dem Podium zwei Welten aufeinander: Fridays for Future (FFF) und die Stadtpolitik. Die Frage: Kann die Dammstraße dicht bleiben?
Die Diskussion läuft schon heiß in der Stadt, seit langem. Am vergangenen Wochenende kamen Archäologen und Verkehrsexperten zu Wort. Die Politik wird dann die Entscheidung treffen müssen. Auf dem Podium nimmt auch Oberbürgermeister Ingo Meyer auf einem der fünf Sessel Platz. Bis zum Wochenende war er noch „ergebnisoffen“, kündigt er an. Mittlerweile konkretisiert sich seine Haltung, sagt er dann vor rund 200 Leuten, die nach und nach gekommen sind.
Träume, Utopien und Forderungen
Doch zuvor geht es um Träume, Utopien und Forderungen. Moderatorin ist Lou Hennig, Vertreterin von FFF. Sie kündigt an, neutral zu bleiben, liefert aber gleich den ersten Wortbeitrag. Sie liebe es, wenn sie in Hildesheim mit dem Rad einfach so eine Strecke rollen könne, weil die Autos nur Tempo 30 fahren dürfen.
CDU-Ratsfrau Claudia Maria Wendt sitzt ebenfalls mit auf dem Podium. Sie ist bekennende Lastenradfahrerin und ärgert sich über zu viele Schlaglöcher auf Radfahrstrecken. Die Schülerin Nila Sharma sagt, dass ihr der Umstieg auf ein fahrradfreundliches Hildesheim viel zu lange dauert. Und Thomas Harling, einst Mitbetreiber der Kulturhauptstadtbewerbung, wirft ein, dass es sogar in Hannover angenehmer sei, mit dem Rad zu fahren, als in Hildesheim.
Hildesheim ist eine alte Autostadt
Wie gut, dass der OB zu Fuß gekommen ist. „Hildesheim ist eine alte Autostadt“, fängt er an, Autofahrer klagen hier schnell, wenn es ihnen schwerer gemacht wird, zu fahren. „Aber wir müssen auch unsere Infrastruktur sanieren“, stellt Meyer klar. Und eines ist für ihn auch klar: „Die Stadt kann nicht autofrei werden – aber autoärmer.“
Die Strategie des OB
Seine Strategie: Zuerst den ÖPNV stärken, dann das Radwegenetz ausbauen, als Drittes werde der Autoverkehr so weit es geht reduziert. Wie zum Beispiel mit der Idee, an vier Hauptverkehrspunkten die Ampelschaltungen so umzustellen, dass der Fernverkehr schneller abfließen kann und die Innenstadt autofreier wird. „Dafür habe ich einen Shitstorm geerntet“, fügt Meyer hinzu.
Reduzierter Verkehr als Aufwertung?
Harling betont, dass es eine Chance sei, das Kulturviertel mit den Museen und den großen Kirchen durch eine reduzierte Verkehrsführung über die Dammstraße aufzuwerten. Dass autofreie Städte keine Utopien seien, legt er mit dem Beispiel Würzburg dar.
In der Stadtpolitik und in der Verwaltung gibt es schon viele Ideen für Veränderungen. Es ist viel in Bewegung
Einfach den Autoverkehr abschalten, geht aber nicht, sagt Wendt und pflichtet Meyer bei. „In der Stadtpolitik und in der Verwaltung gibt es schon viele Ideen für Veränderungen. Es ist viel in Bewegung“, sagt sie.
Konkrete Idee von Meyer
Meyer pflichtet den Veranstaltern von FFF bei, dass etwas in Hildesheim geändert werden muss, auch mit mehr Tempo. Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer vor allem. „Aber das muss alles durchdacht sein.“ Für die Dammstraße kann er sich zum Beispiel eine sogenannte „falsche Einbahnstraßenlösung“ mit gegenläufiger Ampelschaltung vorstellen. Ein konkreter Vorschlag vom OB.
Doch noch herrscht auf dem Podium und im Publikum die Entweder-Oder-Stimmung. Aber eher entspannt. Vielleicht auch deshalb, weil die Stimmung an diesem Nachmittag so entspannt ist. Am 16. Juni, macht FFF mit einem Klimastreik weiter, um 14 Uhr am Hauptbahnhof.




