Hildesheim - Noch bevor am kommenden Montag in der Hildesheimer Innenstadt das Modellkommune-Projekt mit Sonderregelungen für Einzelhandel und Gastronomie startet, stehen aller Voraussicht nach grundsätzliche Lockerungen der aktuell gültigen Corona-Beschränkungen im ganzen Kreisgebiet an.
Der Grund: der weiterhin unter der 100er-Grenze liegende Inzidenzwert, der die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen angibt. Liegt dieser Wert auch am Donnerstag unter 100 wird der Landkreis als zuständige Behörde eine neue Allgemeinverfügung erlassen und für Hildesheim den Status der Hochinzidenzkommune aufheben. Das hat Kreissprecherin Birgit Wilken am Mittwochnachmittag auf HAZ-Nachfrage bestätigt. Ob die Verfügung sofort nach Erlass gilt oder eventuell erst ab Freitag oder Samstag, stand zunächst noch nicht fest, sie werde aber „zeitnah“ gültig werden.
Landkreis will umgehend reagieren
Am Mittwoch lag der lokale Inzidenzwert bei 70,3 – sofern am Donnerstag nicht mehr als 117 Neuinfektionen registriert werden, bleibt der Wert unter 100. Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass am Donnerstag mehr Fälle gemeldet werden, allerdings könnte es sein, dass die Zahl der registrierten Neuinfektionen in den kommenden Tagen wieder steigt – denn wegen der geringeren Zahl an Testungen über die Osterfeiertage ist derzeit unklar, ob womöglich mehr Fälle mit Verzögerung erkannt werden.
Der Landkreis will die weitere Entwicklung dennoch nicht abwarten, sondern die Verfügung bereits am Donnerstag erlassen. Das Land lässt in seiner aktuellen Coronaverordnung zum Umgang mit den Grenzwerten durchaus zeitlichen Spielraum bei den lokalen Entscheidungen der Kommunen, um zu rasche Wechsel zwischen einzelnen Regelungen und Einschränkungen zu vermeiden. Maßgeblich ist laut Landesverordnung, ob „diese Unterschreitung nach Einschätzung der örtlich zuständigen Behörden von Dauer“ ist.
Kollision mit Modellkommunen-Projekt
Lockert der Landkreis nun tatsächlich die Notbremse, dürfte dann wie vor dem Wechsel in den Hochinzidenzstatus am 27. März der Einzelhandel wieder Termine fürs Einkaufen vergeben, das sogenannte Click & Meet würde möglich. Wegen des Hochinzidenzstatus der Region durften Händler zuletzt nur noch Waren zu Abholen bereit stellen, aber niemanden mehr ins Geschäft lassen.
Lesen Sie auch: Modellversuch: So könnte ab nächster Woche das Einkaufen in der Hildesheimer City ablaufen
Das wiederum sieht das Konzept der Modellkommune vor, das am Montag starten soll: Mit negativem Corona-Test sollen für drei Wochen in einem begrenzten Innenstadtbereich unter anderem Einkaufsbummel ohne Terminvergabe möglich sein, zudem dürfen Cafés und Restaurants in ihren Außenbereichen Gäste bedienen. Als eine von 13 Kommunen Niedersachsen hatte das Land Hildesheim für die Teilnahme an dem Modellprojekt ausgesucht, bei dem auch bei Inzidenzwerten von über 100 Erfahrungen gesammelt werden sollen, wie sich durch Pflicht-Tests ein halbwegs reguläres öffentliches Leben ermöglichen lasse.
Einzelhändler müssen sich entscheiden
Welche Auswirkungen hat nun die bevorstehende Entscheidung des Landkreises für das Hildesheimer Modellprojekt? Für die Gastronomie keine, die mögliche Lockerung der Notbremse würde keine Öffnung von Restaurants und Cafés ermöglichen – es bliebe also das Privileg der negativ getesteten Kunden, sich bewirten zu lassen.
Im Einzelhandel und in der Kundschaft könnte die neue Entwicklung aber zu Ärger und Verwirrungen führen. Denn wie Hildesheims Stadtsprecher Helge Miethe am Mittwochabend auf Nachfrage der HAZ bestätigte, müssten sich die Einzelhändler entscheiden, ob sie bei dem Modellprojekt mitmachen wollen und anschließend Kunden mit Negativ-Testergebnis und zeitlich ungebunden einlassen – oder, ob sie nicht am Projekt teilnehmen und dann alle Kunden bedienen, diese aber nur nach Terminvergabe. Eine entsprechende Erklärung müssten die teilnehmenden Geschäftsleute vorab unterschreiben, erklärt Miethe. Die Verbindlichkeit und Trennung der Öffnungsvarianten sei nötig, um eine verlässliche Auswertung des Modellprojekts zu gewährleisten. Weitere Informationen zur Modellkommune finden sich auf der Webseite der Stadt. Am Donnerstag sollen bei einer Pressekonferenz noch mehr Details bekannt gegeben werden.
