Hildesheim - Außergewöhnliches war vom M’era Luna 2022 nicht zu erwarten gewesen. Um das festzustellen, reichte ein Blick aufs Line-Up und in die Historie des Gothic-Festivals. ASP feat. The Little Big Men, The Sisters of Mercy und Eisbrecher standen als Headliner, als Zugpferde also, über dem Programm. Die Sisters hatten aus diesem Trio die längste M’era-Pause. 2016 spielten die Rock-Veteranen zuletzt in Hildesheim. ASP hingegen war erst 2019 da, wenn auch ohne The Little Big Men, was aber eher Makulatur ist, und Eisbrecher gaben sich 2018 die Ehre.
Was zeichnet den ersten Post-Covid-Jahrgang dieses traditionsreichen Festivals also aus – außer, dass der Satz „Es ist so schön wieder hier zu sein!” zum Standard-Repertoire gehört? Zuerst die Erkenntnis vom Schluss-Act am Sonntagabend, oder besser Bestätigung, dass mit Alexander „Alexx“ Wesselsky immer zu rechnen ist. Der Frontmann von Eisbrecher braucht eine Bühne, ein Mikrofon und eine Sonnenbrille und schon gehört die Menge ihm.
Wenn das M’era Luna 2022 nicht heraussticht, dann kann es wenigstens reinhauen, lautet vermutlich das Motto. Mit gewohnter Brachialität knüppelt die Truppe um den charismatischen Frontmann ie Hits aus den Boxen: „Eiszeit”, „This Is Deutsch”, „Himmel, Arsch und Zwirn” und als Zugabe dann noch „Out Of The Dark”. Falco und Eisbrecher, das ist eine Paarung, die so naheliegend scheint, dass man sich fragt, warum sie erst 2020 auf Platte gepresst worden ist.
Das Quasi-Warm-Up mit den Sisters of Mercy wirkt vor allem routiniert. Auch abseits von seinen Platzhirschen macht es sich das M’era Luna 2022 in der Komfortzone bequem. Neue Deutsche Härte und EBM, Mittelalter-Party und Synth-Rock.
Willkommener Ausreißer
„And now for something completly different”, also, ganz nach Monty Python, zu etwas völlig anderem, wagt sich zumindest Ronan Harris. Der Ire interpretiert mit der Philharmonie Leipzig die von elektronischen Sounds geprägten Songs der VNV Nation tatsächlich auf außergewöhnliche Art. Das ist ein willkommener Ausreißer im Programm.
Am Ende steht die Frage, was man sich vom M’era Luna erhofft. Zuletzt spielte 2017 mit Korn eine Band, die auch über die Szene hinaus Bekanntheit genießt und keine Dauerkarte fürs M’era gelöst hat. Dass mal Rob Zombie oder Marilyn Manson vorbeigeschaut haben, liegt lange zurück.
Lesen Sie auch: Wiedersehensfreude, Familiengefühl und ganz viel Schwarz: Tausende feiern beim M’era Luna in Hildesheim
Die Szene wiederum beklagt schon die Kommerzialisierung und den Partytourismus wie in Wacken. Die Programmgestaltung bleibt also ein Balance-Akt. Aktuell scheint das M’era zu versuchen, sowohl Fans als auch Neugierige gleichermaßen bedienen zu wollen. Das funktioniert, bis jetzt. Es ist aber auch alles, außer außergewöhnlich.
Etliche der Besucherinnen und Besucher bedankten sich sogar für den Einsatz
Vollkommen friedlich – so lautet das Fazit der Polizei nach der Großveranstaltung M’era Luna vom Wochenende. Immerhin hatten sich auf dem Flugplatz insgesamt rund 25000 Besucher eingefunden. „Das Straftaten-Aufkommen über das gesamte Wochenende ist verschwindend gering“, so heißt es im Polizeibericht.
Lesen Sie auch: M’era Luna in Hildesheim: Das war der erste Festival-Tag
„Die Polizei war durchgängig am Veranstaltungsort vertreten“, sagt Jan Makowski, Sprecher der Polizei Hildesheim. Wie auch in den vergangenen Jahren haben die Beamten auf dem Festival nicht viel zu tun gehabt. Die polizeiliche Präsenz sei von sehr vielen Besucherinnen und Besuchern begrüßt worden, sagt der Polizeisprecher. „Etliche von ihnen bedankten sich sogar für ihren Einsatz.“
Handy gestohlen
Auch die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Rettungsdienst, Stadt, Polizei und dem Veranstalter verlief reibungslos. Das waren die Zwischenfälle: Die Einsatzkräfte registrierten einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, als sie eine Besucherin beim Rauchen eines Joints ertappten. Ferner nahmen die Beamten eine wechselseitige Körperverletzung zwischen zwei Besuchern auf.
Außerdem wurden zwei Diebstähle angezeigt, bei denen eine Geldbörse und ein Handy abhandengekommen sind. Im letzteren Fall konnte die Polizei den mutmaßlichen Dieb kurz darauf mit der Beute ausfindig machen. Und so konnte die geschädigte Frau ihr Mobiltelefon schon nach kurzer Zeit zurückerhalten.
Von Björn Stöckemann

