Zeltstadt für Asylsuchende

Erste Geflüchtete ab Montag in Hildesheimer Notunterkunft – Land will volle Belegung mit 1.000 Menschen möglichst vermeiden

Hildesheim - Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens verschafft sich beim Rundgang auf dem Hildesheimer Volksfestplatz einen Eindruck von der Notunterkunft – und erklärt, wie die Kommunen zumindest ein wenig entlastet werden könnten (mit Video).

Innenministerin Daniela Behrens (in dunklem Mantel) lässt sich die Notunterkunft zeigen. Foto: Heiko Stumpe

Hildesheim - Das Land will die Kapazität in seinen Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete ausbauen und von derzeit 11.000 auf rund 20.000 erhöhen. Das hat die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) am Freitag bei der Besichtigung der Notunterkunft auf dem Hildesheimer Volksfestplatz gegenüber der HAZ erklärt. Durch den Ausbau sollen nach Behrens’ Angaben die Städte und Landkreise entlastet werden. „Nicht zuletzt würden davon auch die Kommunen profitieren, weil wir die Menschen wieder länger in den Erstaufnahmeeinrichtungen betreuen könnten, als dies zuletzt möglich war.“

Behrens zeigte sich zwar vorsichtig optimistisch, dass sich die Situation insgesamt entspannen könnte, da in den vergangenen Wochen weniger Geflüchtete nach Niedersachsen gekommen seien, aber sie betont auch: „Die Aufnahme ist eine ständige Herausforderung, die auch im nächsten Jahr auf uns zukommt.“

Angespannte Lage in Stadt und Landkreis Hildesheim

Von einer Entspannung ist in Stadt und Landkreis Hildesheim bislang auch nichts zu spüren. Die Stadt plant, drei Containerdörfer als Sammelunterkünfte zu errichten, weil die bestehenden Einrichtungen voll belegt sind und es kaum verfügbare Mietwohnungen gibt. Sozialdezernent Malte Spitzer spricht von einer „Krise“ und einer „dauerhaften Herausforderung“. Landrat Bernd Lynack hat zuletzt von einer „dramatischen“ Lage gesprochen und angekündigt, womöglich auch Sporthallen belegen und für die Unterbringung von Geflüchteten nutzen zu müssen.

Innenministerin Daniela Behrens war am Freitag nach Hildesheim gekommen, um sich von Vertretern der Johanniter zeigen zu lassen, wie die Geflüchteten in der in kurzer Zeit errichten Zeltstadt untergebracht werden. Die Hilfsorganisation hat vom Land den Auftag zum Betrieb der Notunterkunft bekommen, die errichtet werden muss, weil die Erstaufnahmestellen des Landes belegt sind und die zuvor genutzen Messehallen in Hannover aktuell nicht zur Verfügung stellen. Kai Weber, Geschäftsführer des Flüchtlingsrats Niedersachsen, nutzte die Gelegenheit, Behrens vor Ort auf die Bedeutung der Sicherheit in der Unterkunft, gerade für Frauen, hinzuweisen. Sie vertraue auf das Konzept der Betreiber und den eingesetzten Sicherheitsdienst, sagte Behrens. Familien würden zusammen bleiben, und alleinstehende Frauen sollten in den Schlafzelten von Männern getrennt untergebracht werden. Die Ministerin stellte aber auch klar: „Es kommen eben nicht nur Familien.“

„Zelte darf nur kurzfristige Übergangslösung sein“

Die Menschen, die hier ab Montag einziehen, werden voraussichtlich maximal einige Wochen bleiben, bevor sie auf Kommunen im ganzen Land verteilt werden. Auf Komfort und Privatsphäre müssen sie in dieser Notunterkunft weitgehend verzichten.

„Die Unterbringung in Zelten darf immer nur eine kurzfristige Übergangslösung sein“, erklärte der Präsident der Landesaufnahmebehörde, Klaus Dierker, beim Rundgang über den Platz an der Hildesheimer Lademühle. Dass die volle Kapazität der Notunterkunft benötigt wird, sei noch nicht ausgemacht, erklärte er: „Wir streben eine möglichst gleichmäßige Auslastung unserer Standorte an. Die volle Belegung der 1.000 Plätze wird auch im Hinblick auf eine gute und sozialverträgliche Unterbringung nur im äußersten Bedarfsfall erfolgen.“

Zum Start Anfang der kommenden Woche sollen voraussichtlich zunächst rund 50 Personen ankommen, nach und nach werden weitere Asylsuchende nach Hildesheim gebracht. Wer hier in die Notunterkunft einzieht, hat bereits die Registrierung und eine gesundheitliche Untersuchung hinter sich.

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