Hildesheim - Bei den Gewölben, die am Freitag auf der Ostseite der Innerstebrücke in der Dammstraße entdeckt worden sind, handelt es sich um Teile der historischen Brücke, die im Mai 2022 auf der Westseite der Innerste gefunden wurde. „Das ist eindeutig“, sagte Dr. Markus C. Blaich vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege der HAZ. Diese Einordnung zieht aber zunächst keine weiteren Grabungen nach sich: Solche seien derzeit nicht erforderlich, erklärte Blaich. Der Fund werde dokumentiert, „mehr passiert erstmal nicht“. Damit führt die Entdeckung nach heutigem Stand zu keinen Verzögerungen bei der Freigabe der Dammstraße, die Stadt peilt das Frühjahr an.
Für Landesamt-Experten Blaichist klar: Es ist die Brücke
Eine Baufirma, die von der EVI beauftragt worden ist, ist seit einigen Tagen in der Dammstraße an einer Wasserleitung beschäftigt. Diese war im Zuge von Arbeiten für die Betonplatte, mit der die Westseite der historischen Brücke versiegelt werden soll, vorübergehend abgeklemmt worden; das Wasser wurde umgeleitet. Nun will die EVI das ursprüngliche Netz wieder in Betrieb nehmen, Bauarbeiter stießen dabei am Freitag eineinhalb Meter unter der Fahrbahn kurz hinter der Ostseite der Innerstebrücke auf die Gewölbe. Die EVI lässt den Einsatz auf Geheiß der Stadt von einem archäologischen Fachbetrieb begleiten, dieser informierte am Freitag sowohl den Rathaus-Archäologen Tobias Lembke auch auch Landesamt-Vertreter Blaich über die Entdeckung.
Denn die wirft Fragen auf: Handelt es sich um Teile der Ostseite der historischen Brücke? Und wenn ja, welche Folgen hat das, stehen weitere archäologischen Untersuchungen an – und falls ja, wie lange dauern diese? Für Landesamt-Vertreter Blaich, dem wegen der großen Bedeutung des Bauwerks die Entscheidung über das weitere Vorgehen obliegt, steht zweifelsfrei fest: Die Gewölbe gehören zur historischen Brücke; dafür sprächen Erscheinungsbild, die Bautechnik und die Steine. Weitere Grabungen seien aber jetzt nicht nötig, der Eingriff in den Boden bleibe auf den Bereich beschränkt, in dem die Leitung liege. Er habe sich aber mit dem Stadt-Archäologen auf spezielle Radar-Untersuchungen verständigt, um Hohlräume in der Erde zu ermitteln – zum einen aus archäologischen Gründen, zum anderen aus Gründen der Verkehrssicherheit.
Was passiert, wenn bei den Georadar-Untersuchungen Hohlräume gefunden werden?
Der betroffene Bereich ist zwar derzeit gesperrt; nach der Freigabe der Dammstraße würden dort aber wieder 20.000 Autos täglich unterwegs sein. Auf der Westseite hatte die Entdeckung des Hohlraums unter einem Brückenbogen im Mai 2022 zur Sperrung geführt. „Das wäre dann aber Sache der Statiker“, betont Blaich. Die Stadt wisse jetzt aber auf jeden Fall, was archäologisch auf sie zukomme, wenn sie diesen Bereich der Dammstraße sanieren oder die Innerstebrücke durch einen Neubau ersetzen wolle – was beides geplant ist.
Die Stadt-Politik hat schnell auf die Entdeckung reagiert: Auf gemeinsamen Antrag der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen sowie der PARTEI und der Oppositionsgruppe aus CDU, Unabhängigen und FDP tritt am Dienstagabend der Verwaltungsausschuss zu einer Sondersitzung zusammen. „Wir wollen so schnell wie möglich aus erster Hand informiert werden“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Dennis Münter, von dem der Anstoß für die Forderung kam, der HAZ.
SPD-Fraktionschef sieht Gesprächsbedarf – gerade mit Blick auf Aussagen der Baudezernentin
Es gebe einigen Gesprächsbedarf, findet SPD-Fraktionschef Stephan Lenz – zum Beispiel, warum Baudezernentin Andrea Döring noch am Mittwoch im Stadtentwicklungsausschuss versichert hatte, die Ostseite werde – eben wegen der Wahrscheinlichkeit von Funden – nicht angefasst, die EVI dort aber bereits tätig war. „Das muss doch von der Stadt genehmigt worden sein“, ist Lenz sicher. Tatsächlich geht dies auch aus den Auflagen der Verwaltung für die EVI-Baustelle hervor.
Man habe ja die Arbeiten extra von einem Archäologen begleiten lassen, sagt Blaich: „Es ließ sich eben nicht ausschließen, auch dort Brückenteile zu finden.“ Nun herrsche Gewissheit – und die Stadt habe genug Zeit, ihre geplanten Eingriffe auf der Ostseite gut vorzubereiten. Nach Angaben von Blaich werden die nun anstehenden Radaruntersuchungen deutlich eher abgeschlossen sein als die Arbeiten auf der Westseite. Letztere sollen Anfang September starten, sie könnten nach heutigem Stand bis April dauern, eventuell auch länger.
