Längere Rot-Phasen

Entscheidung gefallen: Ampeln in Richtung Hildesheimer Zentrum bleiben bald länger rot

Hildesheim - In der Stadt-Politik wurde das Thema heftig diskutiert, nun ist es beschlossene Sache: Die Stadt Hildesheim verändert an vier Kreuzungen die Ampelschaltungen, Richtung Zentrum bleibt es bald länger rot. Warum?

Die neue Ampelschaltung soll die Autofahrer dazu bringen, nicht geradeaus weiter über den Hohnsen ins Zentrum zu fahren, sondern nach rechts in die Struckmannstraße abzubiegen. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Autofahrer, die in die Innenstadt wollen, müssen sich auf eine neue Verkehrsführung einstellen: Die Stadt lässt ab Herbst an vier Kreuzungen die Ampeln so schalten, dass es länger dauert, ins Zentrum zu gelangen. Dazu kommt eine andere Spuraufteilung. Beides zielt darauf, dem Durchgangsverkehr die Tour durch die City zu verleiden; die Fahrer sollen statt dessen auf Straßen am Stadtrand wie die Senator-Braun-Allee ausweichen. Konkret geht es um die Knotenpunkte Schützenwiese/Dammstraße, Schützenallee/Kardinal-Bertram-Straße/Marien-Wagenknecht-Straße/Kaiserstraße, den Hindenburgplatz und die Ecke Hohnsen/Struckmannstraße.

Das Vorhaben basiert auf dem 2010 vom Rat beschlossenen Integrierten Verkehrskonzept (IVEP). Die Verwaltung hatte den Politikern jetzt vorgeschlagen, die Idee endlich umzusetzen. Im Stadtentwicklungsausschuss hatte sich daran jüngst eine verkehrspolitische Grundsatzdiskussion zwischen der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und der PARTEI auf der einen Seite und der CDU auf der anderen Seite entwickelt.

Verwaltungsausschuss hat entschieden: Stadt Hildesheim setzt Konzept um

Am Montagabend stand nun die entscheidende Sitzung im vertraulich tagenden Verwaltungsausschuss an: Dort setzte die Mehrheitsgruppe die veränderte Ampelschaltung und Spuraufteilung durch. Beides zusammen könnte nach Modellrechnungen bis zu 30 Prozent des Verkehrs aus dem Zentrum verdrängen; SPD, Grüne und PARTEI erhoffen sich dadurch bessere Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger.

Die CDU wiederum befürchtet, dass unter den Veränderungen Menschen litten, die darauf angewiesen sind, in die Innenstadt zu kommen; zu dem schade der Plan dem Handel. Die Werbegemeinschaft „Die Freundlichen Hildesheimer“ hatten entsprechende Sorgen geäußert, die CDU-nahe Mittelstandsunion diese aufgegriffen. Die Grünen-Ratsfrau Tinka Dittrich hatte den Befürchtungen im Stadtentwicklungsausschuss Studien entgegengehalten, nach denen der Handel in anderen Städten von fahrradfreundlichen Maßnahmen im Gegenteil profitiert habe.

Die Umsetzung des Konzepts kostet rund 400 000 Euro, davon trägt das Land 370 000 Euro. Die Stadt will noch vor dem Sommer die nötigen Aufträge vergeben, die Umrüstung ist für den Herbst vorgesehen. Um wie viele Sekunden die Rotphasen an den Ampeln in Richtung Zentrum verlängert werden, steht noch nicht fest.

Die CDU hatte im Stadtentwicklungsausschuss nicht nur das Vorhaben an sich kritisiert, sondern auch den Zeitpunkt. So sei die Innenstadt wegen der vielen Baustellen derzeit ohnehin schwer zu erreichen. Wie Rathaussprecher Helge Miethe am Dienstag der HAZ sagte, habe die Stadt schon vor längerer Zeit versucht, beim Land die Erlaubnis einzuholen, die Umstellung zu verschieben – wenn auch aus anderen Gründen. Doch das sei nicht möglich gewesen. Die Stadt muss das Konzept bis zum Jahresende umsetzen und abrechnen, sonst könnte sie den Landeszuschuss verlieren.

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