Hildesheim - Die Werbegemeinschaft „Die Freundlichen Hildesheimer“ sorgt sich aufgrund mehrerer geplanter Verkehrsvorhaben um die Erreichbarkeit der Innenstadt und deren Attraktivität: Der Vorstand wünsche sich bei der Stadt eine „deutliche Bewusstseinsänderung“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Harald Lange. So müssten die Verantwortlichen in Rat und Verwaltung die Folgen ihrer Eingriffe besser bedenken – nicht nur mit Blick auf die Händler und die Gastronomen, sondern auch auf die Bemühungen der Wirtschaft, Fachkräfte nach Hildesheim zu holen.
Goschentor-Kanalsanierung erst nach Dammstraßen-Freigabe?
Lange und seine Mitstreiter ärgern sich gleich über mehrere Pläne und bitten die Stadt, diese zu überprüfen und der aktuellen, von zahlreichen Baustellen geprägten Situation anzupassen. Auf der Streichliste der „Freundlichen Hildesheimer“ stehen die Ideen der Stadt, die Ampelschaltungen an vier Kreuzungen zu verändern, einen Pop-Up-Radweg auf der Zingel einzurichten, den Durchgangsverkehr aus der Kardinal-Bertram-Straße herauszunehmen oder in der Dammstraße eventuell eine Einbahnstraßen-Regelung einzuführen. Die für Mitte Mai geplante Vollsperrung des Goschentors durch die Kanalsanierung dürfe erst starten, wenn die Dammstraße wieder offen sei, fordern die Kaufleute.
„Wir dürfen die Menschen, die von außen in die Innenstadt kommen, nicht schikanieren“, sagt Lange. Denn sie erhielten das Zentrum am Leben. Der größte Teil davon komme nun einmal mit dem Auto, „diese Tatsache lässt sich nicht wegdiskutieren“. Es gelte, diesen Menschen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, ihnen gute Möglichkeiten zu bieten, ihr Auto sicher und bezahlbar abzustellen und überhaupt gut in die Innenstadt zu gelangen. Damit der Bus als Alternative in Frage komme, müsse es dazu erst einmal ein komfortables Angebot geben. Die Kunden zum Umsteigen zu zwingen, werde nicht funktionieren, ist Lange sicher. Denn niemand müsse Hildesheim besuchen: „Der Verbraucher wird immer auf vermeintlich bessere Einkaufs- und Erlebniswelten ausweichen.“
Händler zitieren Hildesheims OB als Kronzeugen für ihre Sache
Er könne die Absicht, den Durchgangsverkehr durch entsprechende Ampelschaltungen um das Zentrum herumzuführen, sogar nachvollziehen, versichert Lange. Doch die Umstände hätten sich gegenüber 2010, als der Plan entstand, verändert: „Damals war unsere Innenstadt stärker – die Stadt muss aufpassen, was sie tut.“ Schließlich habe Oberbürgermeister Ingo Meyer selbst erst jüngst beim Gipfel zur bevorstehenden Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof auf die Bedeutung einer belebten und attraktiven Innenstadt hingewiesen. Die derzeitigen Pläne hätten eine fatale Auswirkung, meinen die „Freundlichen Hildesheimer“: „Sie signalisieren den Menschen, dass sie gar nicht mehr in die Innenstadt kommen können.“
