Batteriespeicher

Hildesheimer Südkreis auf dem Sprung zu Deutschlands Speicher-Hochburg: Drittes großes Batterie-Projekt geplant

Kreis Hildesheim - Ein dritter großer Batteriespeicher ist neben den bereits bekannten Plänen für Lamspringe und Alfeld im Süden des Landkreises Hildesheim geplant. Nach den aktuellen Plänen wird jeder einzelne von ihnen größer als das bisher größte genehmigte Projekt dieser Art in Europa.

Ähnlich wie die Anlage „BigBattery“ des Energieunternehmens LEAG in der Niederlausitz werden auch die bei Lamspringe geplanten Batteriespeicher aussehen. Foto: Andreas Franke/LEAG

Kreis Hildesheim - Der Süden des Landkreises Hildesheim ist auf dem Sprung, die wichtigste Region für Batteriespeicher in Deutschland zu werden: Zu den beiden geplanten Riesenspeichern bei Alfeld und Lamspringe kommt wohl noch ein weiterer.

Wie berichtet will Kyon Energy bereits in diesem Jahr am Rand des Alfelder Stadtteils Limmer eine Anlage mit einer Kapazität von 275 Megawattstunden bauen. Das würde reichen, um 40.000 Haushalte rund um die Uhr mit Strom zu versorgen. Das Hildesheimer Unternehmen Nion Energieprojekte hatte bei Lamspringe zunächst einen Speicher mit 250 Megawattstunden geplant, will die Kapazität nun aber auf 300 Megawattstunden erweitern.

Umspannwerk als idealer Standort

Und schließlich will Kyon nun auch noch in Lamspringe am dortigen Umspannwerk mit einem Batteriespeicher andocken – ein solches Werk ist ein idealer Standort für einen Speicher. In Lamspringe laufen die 380-Kilovolt-Leitung von Netzbetreiber Tennet und eine 110-Kilovolt-Leitung von Avacon zusammen. „Das Umspannwerk ist ein großer, moderner Knotenpunkt“, erklärte ein Kyon-Mitarbeiter am Montagabend im Ausschuss für Bau und Entwicklung der Gemeinde Lamspringe. Dort peilt das Unternehmen ebenfalls eine Kapazität von 300 Megawattstunden an.

Kyon hätte in Lamspringe gern noch mehr Fläche in Anspruch genommen, muss aber einen größeren Abstand zum Wald einhalten als ursprünglich geplant. Nun soll noch eine Fläche von rund 20.000 Quadratmetern genutzt werden. Kyon rechnet, sobald die Genehmigung vorliegt, noch mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren. Das Problem: Die nötigen Transformatoren haben gerade lange Lieferzeiten.

Verlorenes Potenzial

Der Kyon-Sprecher machte deutlich, wie wichtig Batteriespeicher für die Energiewende sind: Der Strom, der bundesweit von Windrädern und Photovoltaikanlagen wegen fehlender Speicherkapazitäten oder Transportleitungen nicht genutzt werden kann, könnte ein Jahr lang 3 Millionen Haushalte versorgen. Bisher ist dieses Strompotenzial quasi verloren, künftig sollen die Speicher dazu beitragen, dass es genutzt wird. Dadurch dürften auch die Strompreise sinken.

Die bundesweiten Vorgaben für den Bau von Batteriespeichern sind gerade im Fluss. Vor gut einem Jahr ging die Gemeinde Lamspringe noch davon aus, dass für das von Nion geplante Projekt auf jeden Fall eine aufwändige Bauleitplanung mit einer Änderung des Flächennutzungsplans und Aufstellen eines Bebauungsplans nötig ist. „Mittlerweile gelten Batteriespeicher als privilegierte Vorhaben“, erläuterte Helge Wolf, Leiter des Fachbereichs Bau und Ordnung der Gemeindeverwaltung, im Ausschuss.

Das bedeutet: Die Unternehmen müssen die Gemeinde gar nicht einbinden, sie können gleich einen Bauantrag beim Landkreis Hildesheim stellen. Die Gemeindeverwaltung würde, so Wolf, die beiden Großprojekte trotzdem gern über eine Bauleitplanung absichern.

Speicher machen Stromnetze sicherer

Der Batteriespeicher in Lamspringe soll, wie die beiden anderen in der Region geplanten Anlagen, nicht nur Spitzen ausgleichen – also Strom speichern, wenn er nicht unmittelbar gebraucht wird, und abgeben, wenn die Nachfrage wieder steigt. Er auch einem großflächigen Stromausfall durch zu starke Schwankungen der Frequenz vorbeugen, also die Netze stabilisieren und zur Versorgungssicherheit beitragen.

Kyon geht derzeit davon aus, dass der Speicher etwa 30 Jahre lang genutzt werden kann, etwa zur Halbzeit müssen die Batteriezellen einmal ausgetauscht werden. Nach der Nutzungszeit soll die Anlage komplett zurückgebaut werden. Die Batteriezellen befinden sich in Schaltschränken, die wiederum in Containern untergebracht sind. Derzeit ist die weltweite Produktion solcher Zellen laut Kyon noch zu 98 Prozent in China konzentriert. Eine Batteriefabrik bei Heide in Schleswig-Holstein soll Deutschland unabhängiger machen.

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